Lazy sunny afternoon

Das erste sommerliche Wochenende des Jahres. Die Medien haben es seit Mitte der Woche angekündigt und werden nicht müde, darüber mit vielen Tipps zum Zeitvertreib, aber auch einiger Sorge zu berichten. Für Anfang April ist es wohl doch zu warm. Als meine Nichte vor vielen Jahren geboren wurde, haben wir zwar auch geschwitzt, es war allerdings schon Ende April.

Ich habe diesen Tag jedoch in vollen Zügen genossen. Zuerst habe ich ausgeschlafen, denn ich hatte keine Termine und hier in der nördlichen Provinz ist es ohne Probleme möglich, den Einkauf gemütlich am Nachmittag zu erledigen. Ich muss nur den richtigen Supermarkt ansteuern, in dem die Meute bereits am frühen Morgen alles erledigt hat. So, wie ich es auch in Hamburg zu tun pflegte. Mag sein, dass die schönsten Möhren am Nachmittag verkauft sind, aber ich finde auch unter den verbliebenen noch einige kleinere Exemplare, die uns beiden genügen.

Am späten Vormittag machen wir einen kleinen Spaziergang in die Stadt und besorgen Brötchen sowie andere Dinge, die sich mit den Händen bequem nach Hause tragen lassen. Das Wetter ist herrlich und für den Rest des Tages lege ich meine Jacke zur Seite. Das war in meiner Kindheit immer einer der schönsten Tage des Jahres, wenn ich das erste Mal ohne Jacke draußen spielen konnte – ein unvergesslich unbeschwertes Gefühl der Freiheit!

Das Frühstück nehmen wir heute auf der Terrasse ein. Es ist das reinste Urlaubsvergnügen. Die Tatsache, dass das nun beinahe alltäglich werden könnte, fühlt sich immer noch erstaunlich absurd an. Heute kommt es mir jedenfalls seltsam luxuriös vor. Aber ich kann es tatsächlich genießen, wann immer ich möchte, ohne dafür in den Urlaub fahren zu müssen. Gern möchte ich dieses Gefühl konservieren. Ferienhausatmosphäre kommt allerdings auch an anderen Stellen immer wieder auf. Ich habe heute die Bettwäsche gewechselt. Weil sie neu ist und ich sie erst wenige Male verwendet habe, geht von ihr noch immer der wohlige Duft der Fremde aus.

Für den Garten haben wir heute etwas Erde besorgt und haben den neuen Bewohner, einen Quittenbaum, besser versorgt. Die Verarbeitung der neuen Materialien hat nicht sehr lang gedauert. Wir konnten also noch viel Zeit einfach genießend im Garten verbringen. Dabei habe ich einen kleinen Roman gelesen, in dem es im weitesten Sinne um Achtsamkeit geht. Das ist im Augenblick leider recht inflationär vertreten auf dem Büchermarkt und ich bin in der Regel nicht sehr empfänglich für Ratschläge, die mir mit dem Holzhammer vermittelt werden. Aber an diesem Buch konnte ich nicht vorbeigehen, weil der Autor ein ehemaliger Geschäftsführer meines Arbeitgebers ist und die Kritiken sich geradezu überschlagen haben vor Lob. Ich kann das Lob nach der Lektüre auch wirklich bestätigen. Mit erfrischender Leichtigkeit schreibt er von einer wegweisenden Zufallsbegegnung. 170 Seiten nachdenklicher Optimismus und damit genau das Richtige für diesen schönen Frühlingstag.

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