Streets of London

London! Nach einigen Hürden sind wir wieder hier. Wie herrlich.

Unsere angeblich bezaubernde Unterkunft mit Garten hatte uns am Nachmittag vor der Anreise leider abgesagt. Sofort startete der mühsame Erstattungsprozess, bei dem sich alle beteiligten Parteien die Zuständigkeit hin- und herschieben. Aber es wird schon abgewickelt werden. Ich konnte bereits in meinem Sinne positiv klingende Satzelemente im Schriftverkehr ausmachen. Das findet inzwischen alles nur noch in meinem Mobiltelefon statt und soll mich nicht mehr belasten. Wichtiger war natürlich das Finden einer Ersatzunterkunft. Gar nicht so einfach, obwohl wir natürlich gar nicht mehr auf unseren Heimathafen Earls Court fixiert waren – Hauptsache innerhalb der Stadtgrenzen. Wir sind dann aber doch noch hier fündig geworden. Ein kleines Hotel in einer Seitenstraße voller kleiner Hoteleingänge. Für Architekten muss das ein Spezialgebiet sein, kleine urbane Hausscheiben in Hotels umzufunktionieren. Es gibt lange schmale Flure, noch schmalere Treppen und auf halber Treppe Zwischentüren, die den Weg zu drei oder sogar vier Zimmern weisen. Manche dieser Zimmer haben keine Fenster, was erstaunlich auf die Stimmung drückt. Vielleicht müssen wir noch ein Poster aufhängen, um etwas aufzuheitern am Morgen. Im unwesentlich größeren Doppelzimmer gibt es sogar einen Zugang zu einem Balkon in den Hinterhof. Der Balkon bietet Blick auf Mülltonnen und einen winzigen Stadtgarten mit Grün und Katze, die dort auf einem Vordach döst. Nicht übermäßig idyllisch, zumal Klimaanlagen und Kabellage auf der Sitzfläche verlegt wurden. Aber dennoch verleiht die Außenfläche ein gutes Gefühl, weil die Enge des Schlafraumes dem Aufenthalt viele Fertigkeiten und Organisationserfordernisse abverlangt, wie sie etwa beim Camping gefragt sind. Hier führte Nachlässigkeit und mangelnde Kompromissbereitschaft unweigerlich zu Chaos. Dinge werden herausgesucht, benutzt und anschließend wieder sorgsam verräumt. Es zahlt sich aus, dass die Rollenverteilung nach so vielen Jahren klar ist und jeder sich fatalistisch fügt. Die Nacht war durchwachsen, weil die Klimaanlage nicht funktioniert, die Heizung dagegen sehr gut und wir uns nur trauen, die Tür zwischendurch immer mal ein paar Minuten zu öffnen. Man kann sie nicht kippen und geöffnet hätten die tierischen Hinterhofbewohner der Stadt freien Zutritt. Das scheint uns wenig verlockend.

Aber genug davon – wir sind in London! und verbringen in den Zimmern nur die Nächte. Gestern Abend haben wir noch einen kleinen Orientierungsspaziergang gemacht und den Stadtteil begrüßt. Dabei haben wir eine pittoreske Straße entdeckt, in der einige orientalische Lokale einladen und die jeweils aussehen wie entzückende Filmsets. Es ist nur ein bisschen Liebe bei der Gestaltung erforderlich, um dem morbiden Charme alter Stadthäuser so ein symptomatisches Flair zu verleihen. Wir nehmen uns vor, hier auf jeden Fall einmal einzukehren. Für den ersten Abend hatten wir uns aber vorgenommen, den Urlaub mit Pubfood einzuläuten und so suchen wir uns einen Pub, die diese Gegend zahlreich bietet. Wir genießen Fish&Chips, Steak&Ale Pie und eine Auswahl moderner Snacks mit Orienteinfluss.

Um ehrlich zu sein, war auch schon die Anreise maximal entspannt und hat die Aufregung des Vorabends vergessen lassen. Zwar sind wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Flughafen gefahren, weil die Parkgebühren so unverschämt wie absurd sind, wenn man erst am Abend vorher bucht. Aber das war im Prinzip einwandfrei zumal pünktlich. Am Flughafen war der Schalter bereits geöffnet und dank unserer Business-Klasse-Buchung wegen vermeintlicher Beinfreiheit konnten wir am Schalter wie auch an der Sicherheitsschleuse ohne jegliche Wartezeit abgefertigt werden. Die gewonnene Zeit haben wir zuerst im Duty Free Duftbereich verbracht. Dort habe ich endlich, aber auch leider einen lang gesuchten Duft von verlorenen Kirschen getestet. Er riecht ganz wunderbar, ist aber schrecklich teuer. Ich fürchte, ich müsste öfter fliegen, um ihn zu inhalieren. Anschließend haben wir in der Business Lounge ein paar Drinks zu uns genommen. Man kann sich dort alle möglichen Cocktails mischen, wir hatten Apérol Spritz und Campari-Orange sowie Kaffee und Softdrinks. Aus einem Zapfautomaten hätten wir Jägermeister-Orange entnehmen können. Man stelle sich das vor. So angesagt, dass es dafür einen Automaten gibt.

An Bord des Flugzeugs haben wir dann ein tolles Cream Tea Tablett bekommen, weil wir ja am Nachmittag geflogen sind. Was für eine stimmige Einstimmung. Es war nicht nur sehr schmackhaft, sondern auch ein kleiner optischer Vorgeschmack auf die kommenden Platzoptimierungsanforderungen. So hat alles seine schöne Ordnung.

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