Die letzte Oktoberwoche verbringen wir in Italien, genauer gesagt auf Sizilien. Es ist mein erster Besuch auf dieser geschichtsträchtigen Insel. Ich bin also gleichermaßen gespannt und voller Vorfreude. Es gibt eine Menge Orte, die ich besuchen möchte. Für die Anreise müssen wir erst einmal sehr früh aufstehen. Um 3 Uhr werden wir abgeholt und machen uns auf den Weg zum Flughafen. Das Terminal ist voller Urlauber, aber trotzdem läuft alles wie am Schnürchen – Self Drop und Sicherheitsschleuse sind so schnell erledigt, dass wir noch Zeit für ein kleines Frühstück haben. Auch der Zeitschriftenhandel öffnet seine Pforten und ich kaufe das aktuelle Exemplar eines namhaften Musikmagazins, weil ein junger ehemaliger Bundespolitiker darin jetzt eine Kolumne bestückt und die sei laut Kritik äußerst lesenswert. Der Flug verläuft angenehm ruhig und auch die Empfangnahme unserer Mietwagen ist wesentlich unkomplizierter als seinerzeit in der Toskana. Ich finde mich schnell im Fond eines recht neuen VW Polos wieder, der in Rauchgrau lackiert ist. Leider tragen die Lackfarben seit Jahren nicht mehr so schöne Namen wie Dragongreen oder Mexikobeige. Aber ich sitze ja nur darin. Ich werde gefahren und genieße es, während der Fahrt die Umgebung ausgiebig betrachten zu können. Der anmutige Ätna, dem sich hier alles Leben unterordnet, wie es im Reiseführer steht, wird in den kommenden Tagen immer ein optischer Fixpunkt sein und bietet in jedem Tageslicht einen majestätischen Anblick mit seinem rauchenden Schlot.
Unser Grand Hotel ist sehr schön. Eine gediegene und dunkle Einrichtung mit charmanten Kontrasten wie einem britisch-blumigen Fliesenschild im Bad, sowie einer riesigen 90er Jahre Kunststoffsonne als Kopfteil am Bett. Die übrigen Räume und Hallen sind farblich stimmiger gestaltet und versprühen echtes mediterranes Flair. Aus dem Frühstücksraum beispielsweise lassen große türkisblaue Panoramafenster den Blick über das Mittelmeer schweifen.
Nach einem primi piatti snack und kühlen Cocktails erkunden wir den Ort Naxos. Naxos war die erste griechische Kolonie auf Sizilien und ist deshalb fast 3000 Jahre alt. Neben dem morbiden Charme, der sich durch ganz Italien zieht, tropft hier wirklich aus jeder Felsspalte Geschichte. Und die Italiener verstehen sich gut darin, diese vielen Jahre und ihre Geschichten zu bewahren. Neubauten fügen sich klaglos ein und lassen alten Säulen und Steinen ihren Raum. Schon deshalb haben italienische Hafenstädchen eine unverwechselbare Atmosphäre. Sonnengegerbte Menschen, die ihrem Tagwerk nachgehen oder knatternde Zweiräder ergänzen das so klischeehaft wie selbstverständlich.
Am frühen Abend nehmen wir unser Abendessen im La Lanterna ein. Für uns ist es schon spät, für die Einheimischen startet der Samstagabend jetzt erst. Wir sind also eine Weile noch fast allein in diesem launigen Lokal mit Blick auf die Küste, deren sandsteinfarbene Gebäude nach dem Sonnenuntergang nun beleuchtet funkeln und sich im Meer spiegeln. In regelmäßigen Abständen fährt ein silberner Kleinwagen am Kreisverkehr entlang und beschallt die Umgebung mit Diskomusik. Das ist recht amüsant und das Essen ist hervorragend, die Kellner gerade richtig gesprächig und so fallen wir nach dem kurzen Spaziergang zum Hotel müde, aber zufrieden in unsere Betten.