Chill-out area

Ich habe gerade in einem Buch über die Orientierungslosigkeit nach dem Abitur gelesen, wie alle Betroffenen am besten damit umgehen.

Es ist, wie Deckel und Titel vermuten lassen, nicht ausschließlich wissenschaftlich angelegt. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind zwar zahlreich, aber eher locker eingeflochten. Es lässt sich also schnell lesen und amüsiert zugleich. Jedenfalls mich als nicht mehr oder noch nicht Betroffene. Die Jugendlichen vielleicht weniger.

Zu Beginn geht es um den Drogenkonsum der jungen Leute. An der Stelle kann ich eigentlich nie so richtig ausmachen, ob man heute größeren Gefahren ausgesetzt ist als in den Neunzigerjahren. Zum Abitur gibt es ja immer diese Abi-Wortspiele: Unseres war CannABIs, obwohl gesichert nicht einmal die Hälfte der 76 Absolventen bis dato einen Joint probiert hatte. Heute jedenfalls soll der Inhalt wesentlich stärker und gefährlicher sein als damals. Etwa wie Bier und Schnaps im Vergleich. Letzteren haben wir seinerzeit ohnehin vorgezogen, weil er im Verhältnis billiger und im Geschmack besser war. Aber ich schweife ab.

Das Buch soll mir als Erziehungsberechtigter dabei helfen, den Reifeprozess der Jugendlichen optimal zu ermöglichen. Es also auch zu ertragen, wenn zum Ende der Schulzeit noch nicht klar ist, was kommen soll. Denn an diesem Punkt sei wohl nicht abzustreiten, dass die Eltern und die modernen Erziehungsmethoden die Hauptursache für Unselbständigkeit und Ignoranz sind.

Was ich jetzt alles nicht mehr darf und ändern muss – Wahnsinn. Also ab jetzt Obacht Einzelkind! Die Pflichten rufen! Dieser Angang ist jedoch schon einmal vor Jahren gescheitert, weil ich es am Ende lieber selbst mache, das Putzen und Waschen zum Beispiel. Aber für die gute Sache will ich wohl einen Gang zurückschalten und ein entspannteres Verhältnis zu einem sauberen Herd entwickeln. Und die Chance nutzen, unliebsame Aufgaben wie Einkaufen gleich ganz auszulagern? Einkaufen mag ich nur im Biosupermarkt. Nur dort schlendere ich gern und lange umher. Auch das Nachhauseschleppen wird von einem positiven Grundrauschen getragen. Alles Super: Super Bio, Super Umwelt, Super Fair, Super gesund, Super teuer.

Konträr zu diesem Buch, in dem ich mich leider viel zu oft wiederfinde, ist dieses Werk:

Angesprochen hatte mich der Titel, weil Chuck dort studiert hat. Ja, wirklich. Die Idee eines Studiums an einer solchen Eliteuniversität ist ansonsten derart absurd, dass es eben nur eine Idee bleibt. Das Buch ist heftig. Ich habe es mit einem möglichst satirischen Blick gelesen, dann hat es mich amüsiert. Es ist im Grunde ein Leitfaden dafür, wie ich mein Kind an eine solche Uni bringen kann. Und dafür muss nicht nur das Kind vom Kleinkindalter an vollen Einsatz bringen. Auch die Eltern müssen alles geben und dürfen keinen Fehler bei der Auswahl des Kindergartens oder der Schule machen.

Nichts für uns, wär ja ohnehin viel zu spät jetzt.

Kürzlich haben wir in der Verwandtschaft einen 16. Geburtstag gefeiert. Das Abitur ist also gar nicht mehr so weit entfernt. Die Zeit rennt. Ich bin sehr gespannt, was die Kinder in meinem Umfeld alle mal mit ihrem Leben anfangen. Ob alle Akademiker werden? Wäre auch irgendwie schade.

Elbschlosskeller

Vor einigen Monaten habe ich Im NDR die Doku „Elbschlosskeller – Hamburgs härteste Kiezkneipe“ gesehen. Daniel Schmidt ist dort der Wirt in zweiter Generation.

Was der Mann in seinem Lokal macht, gleicht eher der Tätigkeitsbeschreibung eines Sozialarbeiters als der eines Wirts. Aber wenn ich die Beschreibung von Sheldon Cooper aus der Big Bang Theory richtig in Erinnerung habe, gehört neben der kompetenten Beratung und Bedienung der Gäste eben auch das Bemühen um deren Seelenheil zum Berufsbild.

Der Elbschlosskeller liegt in einer Nebenstraße zur Reeperbahn und hat seit den frühen 50er Jahren geöffnet. 24 Stunden, 365 Tage im Jahr. Er ist Anlaufstelle für viele Stammkunden mit schwierigem Hintergrund. Zeitweise dient das Billardzimmer als Notunterkunft für obdachlos Gewordene. Mitsamt postalischer Anschrift für Behördenpost. Viele der Schicksale liegen Herrn Schmidt wirklich am Herzen und er begleitet sie schon sein halbes Leben lang.

Die Dokumentation hat mich sehr beeindruckt. Vor wenigen Wochen dann hat mich meine Kollegin auf eine Lesung aufmerksam gemacht. Herr Schmidt liest aus seinem Buch „Elbschlosskeller“ im Rahmen einer Stadtteilkulturveranstaltung im IKEA Altona. Das Buch habe ich sogleich gekauft und innerhalb weniger Stunden verschlungen. Sehr ansprechend geschrieben. Ich war begeistert.

Und heute also die Lesung:

In der Wohnzimmerabteilung hat sich (leider) überwiegend das ortsansässige Hipsterpublikum versammelt. Aber so fallen wir nicht weiter auf.

In den Keller, wie die Kneipe in der Szene auch genannt wird, traue ich mich jedenfalls nicht. Ich glaube, dort wäre ich nur ein Störfaktor. Vielleicht auch nicht, es kehren angeblich auch langweilige Spießer ein. Und überhaupt, eine Kernaussage im Buch besagt, dass der Absturz jeden treffen kann. „Vier Stufen und Du bist in einer anderen Welt.“ Ich hoffe allerdings noch naiv, dass ein Absturz, durch was auch immer ausgelöst, ohne die Hilfe von Familie oder Freunden durch unser Sozialsystem irgendwie abgefangen wird. Glaube ich immer noch, obwohl einer Freundin und ihren drei Kindern nach einer tragischen und unfreiwilligen Trennung von ihrem Mann, der das (auch nicht vorhandene) Vermögen (auch der Schwiegereltern) durchgebracht hatte, schon die Obdachlosigkeit drohte. Ihre Situation war aussichtslos. Gerettet wurde sie von einer anderen Freundin, die einige Matratzen im Keller zur Verfügung gestellt hat. Dass es jeden treffen kann, da stimme ich aber durchaus zu.

Auch ohne solche Extreme lässt sich ja nicht abstreiten, dass wir ein angepasstes langweiliges Leben führen. Mir macht das nichts aus. Ich bin ja in Hufflepuff zu Hause und brauche keine Abenteuer. Es ist dennoch sehr gut, dass es Menschen wie Herrn Schmidt gibt. Menschen, die mehr tun als Geld zu spenden.

Die Lesung in der IKEA-Filiale ist etwas unruhiger als üblich. Nebengeräusche durch die Nachladenschlussarbeiten stören etwas. Aber irgendwie passt das zum Buch. Darin ist auch alles weit entfernt vom Durchschnitt und von der Normalität.

In diesem Fall liest der Autor zwar nicht virtuos, aber leidenschaftlich und gekonnt. Auf geht es in die zweite Runde!

Gin und weg

Heute habe ich mein zweites „Gin Kiss“-Konzert besucht. Kleinkunst im positivsten Sinne. Denn anders als bei Marc-Uwe Kling ist der Begriff in meiner Welt nicht negativ belegt. Ich mag kleine Bühnen und einen direkten Kontakt zum Publikum (außer im Zirkus). In großen Hallen ist gute Musik oft nicht so beeindruckend. Eine umfassende Kritik habe ich ja schon im letzten Sommer verfasst. Heute berichte ich nur aus meiner ganz persönlichen Perspektive.

Angekündigt wurde unter anderem die „sexiest Bassistin nördlich der Elbe“. Und auch wenn sie es gar nicht nötig hat, ein Kontrabass verleiht seinem Musiker schon mit dem ersten Strich eine umwerfende Aura. Tolles Instrument. Toll anzusehen waren aber insgesamt alle Bandmitglieder. Hübsche Outfits, die trotz ihrer Unterschiedlichkeit sehr schön miteinander funktionierten. Mein persönliches Highlight war allerdings wieder der Percussionist. Die ohnehin vorhandene Coolness hat er mit seinen Hüten noch einmal unterstrichen. Mindestens drei Damen im Saal fragten sich, ob Matt Bomer aka Neil Caffrey hierfür Pate gestanden hat. Unsere Herzen hatte er jedenfalls schon beim Intro erobert. Sicher kein Zufall, ihm die Begrüßung zu überlassen.

Die Setlist hat sich seit dem letzten Jahr sehr verändert, was mich als Wiederholungstäter natürlich erfreut. Ich habe mich aber noch mehr darüber gefreut, dass mein Lieblingscover „le sud“ es wieder auf die Bühne geschafft hat. Dieses Stück haben wir einst im Französischunterricht durchgenommen. Ich mochte die Version sehr, die damals von einer Kassette abgespielt wurde. Vielleicht war es sogar das Original von Herrn Ferrer, ich weiß es nicht. Meine Lehrerin war keine Frau, der man zum Unterrichtsmaterial Fragen stellte. Und 1992 gab es noch kein Internet. Ich hatte also im letzten Sommer ein wunderbares Déjà-entendu und habe mir den Titel umgehend heruntergeladen.

Wenn ich vom französischen Frontmann schreibe, darf ich die Bühnenansagen nicht unerwähnt lassen. Es gab während beider Shows immer mal wieder etwas sarkastische Anspielungen auf seine Erläuterungen. Waren sie im letzten Jahr eher autobiographisch, haben Sie mir heute noch besser gefallen. Mit einer Prise Humor gewürzt und gelernt habe ich auch wieder was. Bowies „Space Oddity“ hätte ich zum Beispiel viel später angesiedelt, als zur Zeit der ersten Mondlandung.

Die singende Frontfrau hat mich dieses Mal noch ein wenig mehr begeistert, weil ihre Performance noch mutiger geworden ist. Schon die Songauswahl finde ich gelegentlich ganz schön anspruchsvoll. Aber sie kann ihre Stimme virtuos verändern und einsetzen, ohne die Unverwechselbarkeit einzubüßen.

Ebenso markant spielt der Pianist. Er hat seinen ganz eigenen Stil. „Jazzig“ hört er in diesem Zusammenhang glaube ich nicht gern. Und hotellobbymäßig klingt nicht angemessen. Ich mag den Anschlag jedenfalls gern, er hat mehr von einem Glenn Gould als von einem Lang Lang.

Alles in allem hat das Konzert wieder großen Spaß gemacht!

Wenn Ihr also die Gelegenheit bekommt, bei „Gin Kiss“ zu Gast zu sein, dann ergreift die Chance. Die Karten waren innerhalb weniger Minuten restlos ausverkauft. Und in diesem Fall spricht der kommerzielle Erfolg für die Band.

Armer Azubi

Die Erstbehandlung der Waschtischarmatur am frühen Morgen war noch vielversprechend. Etwas justieren und fester anziehen – fertig. Aber kaum waren die Handwerker weg und der Insbürogeher wieder am Arbeitsplatz am Hafen, tropfte der Hahn erneut. Er war also doch defekt. Notfallbehandlung durch das Ferienkind, dass sich anschließend auf den Weg zu einem Termin machen musste und für den Vater nun doch ein Heimarbeitstag (wieder zurück nach Hause). Die Handwerker kamen auch schnell zurück, allerdings mit deutlich schlechterer Laune. Man würde daraus lernen, dass die Dinge nicht mehr repariert, sondern besser immer sofort ausgetauscht werden sollten. Der Kunde musste die Laune natürlich nicht abfangen, denn dafür stand der Azubi bereit. Armer Tropf. Kann ja niemand etwas für den Defekt.

Ich bin nur froh, dass die Sache sich werktags ereignete. Hoffentlich stammt der zweite Hahn aus einer anderen Charge und hält durch. Nächste Woche wird dann das neue Teil geliefert. Bis dahin schaut uns dieses „Gesicht“ an:

Fragiler Komfort

Gestern Nachmittag begann es unvermittelt an einem Wasserhahn am Badezimmerwaschbecken zu Tropfen. Erst ganz sachte, so dass ich dachte, jemand hätte nach dem Händewaschen Tropfen verteilt. Aber dann tropfte es unentwegt und nicht zu wenig. Das setzte eine Maschinerie in Gang, die bis heute nachwirkt, mutmaßlich sogar bis in die nächste Woche. Um heute Morgen den Klempner in die Wohnung zu lassen, müssen wir im Schichtbetrieb arbeiten. Gegen Mittag treffen wir uns dann im Büro. Mal sehen, ob ich anschließend das Staffelholz übernehmen muss, oder ob es einfach bei einem sehr frühen freitäglichen Arbeitsbeginn bleibt.

Jedenfalls mussten wir aus der Not heraus gestern das Wasser abdrehen, um nicht all unsere Handtücher zum Abfangen verwenden zu müssen. Wasser also nur in Notfällen und jeweils nur kurz. Und wie abhängig wir doch vom Wasser sind. Das muss ständig laufen. Unglaublich. Das war früher um Campingurlaub auch anders möglich. Was bin ich doch inzwischen verwöhnt.

Na, jedenfalls ist der Frieden, den ich inzwischen mit dem immer noch unfertigen Bad geschlossen habe, wieder bedroht. Auch ohne diese Panne gibt es ja diverse Kleinigkeiten, die mich stören. Für manche habe ich auch noch keine echte Lösung. Alles nur minimal, aber perfekt ist es eben nicht. Und das war mein Anspruchsgedanke, der sich ob des Gesamtpreises eingeschlichen hatte. Verwöhnt, ich sagte es ja bereits.

3 Wochen + 1

Die Baustelle ist ja immer noch nicht abgeschlossen. T-minus 3 Wochen noch bis zur Lieferung der Glaswand. Also ist nach wie vor Geduld gefragt.

Aber heute wird die Spanndecke eingezogen. Eingeföhnt trifft es wohl eher. Ein die Outdoorgastronomie neidisch werden lassendes Heizgerät hat die Wohnung innerhalb von wenigen Minuten in eine 38 Grad warme Bikram-Yoga geeignete Umgebung verwandelt. Ironischerweise sieht das Gerät eher wie eine Schneekanone aus. Die provisorische Kunststoff-Duschvorhanghalterung hat es gleich in die Knie gezwungen. Ich bin ins Wohnzimmer geflüchtet und habe die Balkontür aufgemacht. Mein Körper ist noch nicht auf Sommer eingestellt. Im Gegenteil, ich genieße doch gerade das isländische Hochsommerwetter in Hamburg. Immerhin war die künstliche Hitze trocken und draußen schien auch die Sonne.

Ich hatte auch bereits einige von meinen heutigen Aufgaben erledigt. Da stand nämlich noch so einiges drauf. Vom Schränke wieder einräumen bis Löcher bohren waren die unterschiedlichsten Sachen dabei.

Am Wochenende habe ich mich mehr auf den Haushalt konzentriert. Endlich wieder waschen. Und weitestgehend den Staub beseitigt. Den Sonntagabend hatten wir mit der Sichtung eines Klassikers unserer Filmwelt abgerundet: „Gone in 60 Seconds“. Es ist immer wieder interessant, wie abhängig meine Allzeit-Hitparade amerikanischer Filme auch davon abhängt, wann und wo ich einen Film erstmals gesehen habe. Diesen hatte ich seinerzeit im inzwischen leider nicht mehr existenten Odeon Cinema am Londoner Leicester Square gesehen. Und es ist am Ende des Tages auch nur ein durchschnittlicher Actionkracher mit mittelmäßigen Dialogen. Oder besser war, denn er stammt bereits aus dem Jahr 2000. Heute läuft er wohl nur noch im Nachtprogramm. Für die beste Fernsehzeit reicht es sicher nicht mehr. Obwohl sich 12jährige vielleicht immer noch daran erfreuen können. Keine Spezialeffekte oder Animationen, die 20 Jahre später nur noch Mitleid erregen. Nur ehrliche Prügeleien und Verfolgungsjagden, während derer sich die Polizei traditionell ziemlich ungeschickt anstellt, nach jedem noch so heftigen Zusammenprall der Fahrer aber immer noch aus dem Wrack klettert. Ich fand den Film allerdings schon damals klasse und das hat sich auch nach 22-maliger Sichtung nicht geändert. Es liegt sicher in der Hauptsache an den Darstellern wie Nicolas Cage, Angelina Jolie oder Vinnie Jones. Die hatten damals ihre Blütezeit und sind für mich in ihren Rollen nach wie vor über jeden Zweifel erhaben. An Herrn Cage habe ich ohnehin einen Narren gefressen. Ich mag den einfach. Ich glaube, er ist gar kein so guter Schauspieler, er spielt wie so viele andere immer sich selbst. Aber das macht er mit so viel Ironie, dass es mir einfach gefällt. Er wurde während seines Schaffenstiefs, das leider bis heute anhält, oft mit Negativpreisen ausgezeichnet für seine Leistungen in vielen B-Movies. Aber ich sehe ihn immer gern. Vielleicht liegt es daran, dass wir am gleichen Tag Geburtstag haben. Ich weiß es nicht. Einzig seine oscarprämierte Darstellung in „Leaving Las Vegas“ gefällt mir nicht. Der Grund dafür ist aber die deprimierende Geschichte des Films. Sowas gucke ich mir eben nicht gern an. Ansonsten bekommt jede Cage-Produktion bei mir eine Chance. Der Mann muss ja Geld verdienen, er gibt gerüchtehalber viel davon aus. Ich hoffe also auf baldigen Nachschub auf Netflix.

Und nun ohne Umschweife der Schwenk zur Oscar-Verleihung 2019. Ein Jahr, in dem ich nur sehr wenig mitgefiebert habe, weil ich, wie schon erwähnt, nur wenig von dem gesehen habe, was nominiert war. Aber Rami Malek hat ihn bekommen für seine Darstellung als Freddie Mercury. Und seine Leistung war ohne Zweifel preiswürdig. Frau Colman habe ich bisher nur in „Broadchurch“ gesehen, aber sie ist Britin und das allein ist ja schon super. Ihr Film über eine fiktive Intrige am Hofe von Queen Anne steht ja ebenso wie der diesjährige beste Film „Green Book“ unter dem Motto „Diversität“. Das hat die ganze Veranstaltung insgesamt auch ausgestrahlt. Irgendein Thema versucht man dabei ja immer zu transportieren. Mal mehr, mal weniger subtil. In diesem Jahr aber durchaus gelungen. Es war eine gefällige Show mit durchaus guten Laudatoren und weniger Gezwungenheit als sonst. Vielleicht ist es ohne Moderator sogar besser? Vielleicht sind die Moderatoren inzwischen so gefangen in den Zwängen der Veranstalter, dass kaum noch echter Biss und Witz möglich sind. Die Freiheiten, wie Frau Goldberg oder Herr Chrystal sie hatten, sind jedenfalls inzwischen undenkbar. Zu oft ist das auch schon nach hinten losgegangen.

Für das nächste Jahr fiebere ich nun auf den 30. Mai hin. Dann startet „Rocket Man“, die verfilmte Lebensgeschichte von Elton John mit dem anbetungswürdigen Taron Egerton. Mal sehen, ob der auch preisverdächtig ist. Ich kenne ihn ja nur als „Kingsman“ und die Reihe ist Geschmackssache. Meinen trifft sie aber definitiv.

Finale

Nach einer zweitägigen, unerklärlichen Pause wurden heute endlich alle Sanitärstücke installiert und auch der Waschtisch. Es fehlen nur noch die Steckdosen in den Schubladen und die Decke. Am Wochenende besorgen wir einen Spiegel. Das alles wird dann am Montag eingebaut. Anschließend noch drei Wochen warten auf die Glasduschwand. Bis dahin muss eine Kunststoffrohrhalterung diese Aufgabe übernehmen:

Wir können also noch nichts wirklich einräumen. Aber wieder duschen!

Im Schlafzimmer haben wir schon wieder viel eingeräumt. Ich glaube, dass das Ausräumen viel weniger Zeit in Anspruch genommen hat. Es steht noch immer sehr viel herum. Das werden wir am Wochenende in aller Ruhe erledigen. Vielleicht kann auch wieder einiges ganz weg. Das kann ja nie schaden.

Am Donnerstagabend sitzen wir endlich wieder bequem vor dem Fernseher. Die Models sind peinlich wie erwartet. Nur wenige Ausnahmen. Das Beste an der Sendung ist die Programmvorschau, denn in der Nacht zum Montag wird die Oscar-Verleihung übertragen. Das ist schon eher was für mich. Auch wenn ich kaum etwas Nominiertes vorab gesehen habe. In diesem Jahr gibt es keinen Moderator. Schade. Leider durften weder Neil Patrick Harris noch John Steward ein zweites Mal als solcher antreten. Dann müssen wohl die Laudatoren mehr erzählen. Ich bin gespannt. Manche davon präsentieren den Oscar erstaunlich schlecht. Obwohl sie eigentlich gute Schauspieler sind. Vielleicht müssen sie ihren Text selbst schreiben. Das sind ja zwei ganz unterschiedliche Baustellen.

Schönen Freitag!

Sonntag

Der Sonntag verlief wie geplant: Ausschlafen (das erste Mal seit zwei Wochen), Blinis frühstücken (Teig Samstagabend vorbereitet), Wände im Bad zumindest bis zu einer für mich gut erreichbaren Höhe streichen, den Rest muss der Bauherr erledigen, viel fluchen, weil auch die feste Farbe natürlich spritzt und ich es schnell wieder wegwischen muss, ins Schwimmbad gehen, Wäsche waschen.

Im Waschcenter ist es sehr voll, ich musste auf eine Waschmaschine warten und anschließend auch auf einen Trockner. Also normalerweise wüsste ich was Besseres mit meinem Sonntagnachmittag anzufangen. Aber gut, nächstes Mal komme ich wieder in einer Randzeit. Und vergesse mein Buch nicht. Nur herumsitzen ist ganz schön langweilig.

Auch wenn es ein ungemein gutes Gefühl ist, mit einer Tasche frisch gewaschener Wäsche wieder nach Hause zu gehen, bewältige ich den nicht enden wollenden Wäscheberg lieber in den eigenen vier Wänden. Bis das wieder möglich ist, muss ich mindestens noch zweimal im Waschcenter einkehren. Kaum habe ich die frische Wäsche einsortiert, ist der Korb für die schmutzige Wäsche schon wieder halb voll. Und das bei nur drei Verursachern.

Morgen geht’s wieder weiter. Hier im Bad und im Büro. Ich bin gespannt, wie die nächsten Fortschritte aussehen.

Start in den Samstag

Tag 11 beginnt früh für einen Wochenendtag. Die Handwerker kommen um 8 und ich wollte dann längst aus der Schusslinie sein. Ich saß also um 7 im Eco-Express-Center mit der ersten Schicht Wäscher. Es waren weit mehr Maschinen belegt, als am letzten Samstag zu späterer Stunde. Ob nun wegen der Happy Hour, oder weil die Leute den Rest des Tages lieber woanders genießen möchten, kann ich nicht einschätzen. Alles normale Menschen, die spießig-normale Wäsche waschen. Sie sehen allerdings recht routiniert aus und scheinen sich hier öfter aufzuhalten. Wenn es nicht so ein Aufriss wäre, würde ich gern auch mal auf dem Kiez waschen. Dort sieht man sicher viel interessantere Wäsche. Aber mutmaßlich nicht vor 15 Uhr. Das Bezirksamt St. Pauli jedenfalls ist zwar öffentlich etwas sperrig zu erreichen, aber bis zum späten Vormittag muss man sich dafür über Wartezeiten keine Gedanken machen. Der gemeine Paulianer geht vor Mittag nicht aus dem Haus. In Eimsbüttel ist aber samstags um 7 Uhr schon wieder reges Treiben zu beobachten. Väter, die mit ihren kleinen Kindern Brötchen kaufen gehen. Bauarbeiter, die Kranarbeiten durchführen und schon mal eine kleine Kaffeepause einlegen. Menschen auf dem Weg zur Arbeit, die wochentagshektisch in die U-Bahn entschwinden. Und Menschen, die bereits hinter den Verkaufstresen arbeiten: Beim Bäcker, im Kiosk oder im Blumenladen.

Interessant sind die Outfits der Menschen an diesem Morgen. Ich hatte schon gestern meine Winterjacke gegen ein Sommermodell getauscht. 13 Grad und Sonne – da reicht ein Schal und es ist angenehm kuschelig. Für heute ist ähnliches angesagt. Trotzdem sehe ich dicke Daunenjacken, Handschuhe und Mützen. Vielleicht wollen die alle noch mit dem Rad fahren, dann wäre das nachvollziehbar.

Mal sehen, womit der Tag für uns heute aufwartet. Ich muss jetzt das Gerät weglegen. Es ist so voll im Center, ich muss meinen Platz auf der Bank räumen.

ohne Musik

Tag 10 und 11 gingen fast ohne mich über die Bühne. Es wurde gefliest und eine Glaswand geplant und ausgemessen. 4 Wochen Lieferzeit.

Die Hostelzeit ging heute zu Ende. Aus meiner Sicht leider, denn nun haben wir keine Duschmöglichkeit mehr. Den morgigen Tag müssen wir auch ohne Toilette auskommen, weil die Fliesenleger ihre Arbeit beenden wollen.

Heute Abend haben wir das Schlafzimmer grob sauber gemacht, um darin wieder schlafen zu können. Außerdem mussten rund 100 Gardinenrollen wieder eingefädelt werden. Das Aufhängen ist für den Bauherrn ja kein großes Problem.

Auch in der Küche haben wir den Staub grob beseitigt.

Alle außer mir sind froh, wieder hier zu sein. Ich muss ab und zu ins Badezimmer gehen, um mir ins Gedächtnis zu rufen, warum die ganzen Unannehmlichkeiten ertragen werden müssen:

Auch noch nicht ganz sauber, aber immerhin fast fertig.

Die Farbe ist ganz schön dunkel. Gefällt mir. Mit Grau wird leider nichts Positives verbunden. Es sei langweilig und nichtssagend. Eine Grauzone oder ein grauer Himmel stehen auch nicht für das blühende Leben. Aber ich mag die Farbe gern.

Zu mehr Ausschweifungen bin ich heute Abend nicht in der Lage. Wenigstens das angekündigte Wetter am Wochenende wird sicher zur Stimmungsaufhellung beitragen.