Sweet but…

Heute sind nur die Fliesenleger aktiv. Die hören Radio Hamburg und deshalb erklingt Ava Max mit „Sweet but Psycho“. Damit das für mich Schlimmste, was derzeit angesagt ist. Darüber kann ich nicht einmal lächeln.

Wir Mädchen waren heute wegen des didaktischen und damit schulfreien Tages im tiefsten Dithmarschen und haben bei Festmoden Laue (mir bisher nur bekannt aus dem TV) ein Konfirmationsoutfit gekauft. In Hamburg hing in den vier Läden, die wir aufgesucht hatten, immer das Gleiche und das leider in den falschen Farben. Es soll ja wunschgemäß hell sein. Darauf haben die Mädchen der Gruppe sich verständigt. Und üblicherweise sind die Kleider eher schwarz oder blau. Schön, aber eben nicht das, was gewünscht ist. Also ein Ausflug. Der sich durchaus gelohnt hat. Es ist schon bemerkenswert, was Familie Laue dort mitten in der Pampa geschaffen hat: Wahrlich ein Paradies für Kleiderkäufe.

Pünktlich um 09:00 standen wir auf dem noch leeren Parkplatz und waren die dritte Kundschaft. Die Abteilung für Konfirmationskleider (ein etwa 80qm großer Raum voller bunter Kleider) stand uns ganz allein zu Verfügung. Die Konfirmandin wählte vier Exemplare aus und dann hat die Verkäuferin die Kleider vorbereitet und in die Riesenumkleidekabine gehängt. An Stangen, die für etwa 5-8 Kleider dimensioniert sind. Für mich stand ein plüschiges Sofa bereit. Ohne Sekt (den ich sicher hätte bekommen können – Kaffee wurde mir angeboten), ansonsten ganz wie „Zwischen Tüll und Tränen“. Bei uns allerdings ausdrücklich kein Tüll und Tränen gab es auch keine. Alle Kleider waren hübsch. Nach den ersten zwei, die beide gleich in die engere Auswahl kamen, gab es einen Dämpfer und dann noch eine Steigerung, die allerdings wegen des Preises wieder verworfen werden musste. Aber einmal in ein Kleid verliebt…. Und glücklicherweise konnte noch eines herausgefischt werden, dass noch besser war und viel weniger kostete. Nur geändert werden musste es. Aber das ist in dem Laden kein Problem. Sogleich erschienen zwei Schneiderinnen, die es abgesteckt haben und ihr Ergebnis 60 Minuten später wieder abliefern konnten. In dieser Zeit haben wir erst den ortseigenen Dekoladen aufgesucht, der auch riesig und gut sortiert ist. Anschließend waren wir im Café. Das allerdings erscheint ziemlich provinziell und hat eine übersichtliche Karte, die auf eine ländliche Zielgruppe 70+ abzielt und der Service ist eher lustlos. Wir vergeben dafür nur 5 von 10 Punkten.

Nach dem Kleiderkauf sind wir noch nach Neumünster gefahren in das Outletcenter. Dort haben wir uns Taschen gekauft und Unterwäsche. Alles sehr erfolgreich!

Zurück auf der Baustelle konnten wir schon ein paar Fliesen an der Wand bewundern. Die haben wir auch sehr schön ausgesucht. Gefallen mir immer noch. Der Rest der Woche wird auch mit den Fliesen verbracht werden. Einschließlich Samstag. Das bedeutet, dass ich am Wochenende noch immer nicht wirklich sauber machen kann. Der Hostelaufenthalt endet am Freitag Morgen. Nach all den Fortschritten folgt also am Wochenende und in der nächsten Woche noch einmal ein Riesentief. Der Elektriker soll am Montag kommen und er wird noch einmal richtig viel Dreck verursachen. Ich will gar nicht daran denken. Ich schau mir lieber meine neue Tasche an.

Wenn nicht wir.

Am heutigen Montag startete Tag 7 der Baustelle.

Um 07:10 Uhr habe ich die Klempner hereingelassen. Den Schlüssel hatten ja noch die Allrounder, die erst gegen 08:00 Uhr anfangen.

Das Radio wurde eingeschaltet und Howard Carpendale erklang. Die Stimme habe ich erkannt, das Lied musste ich erst suchen.“Wenn nicht wir.“ aus dem Jahr 2017.

Ein kurzer gemeinsamer Blick auf das Bad und dann haben wir besprochen, wo genau gefliest werden soll. Grundsätzlich sind wir uns einig und ich leitete die Info gleich an den Bürogänger weiter. Damit nicht am Ende Fliesen verklebt werden, wo gar keine geplant waren. Unser Teenager hat sowieso Schwierigkeiten damit, sich mit Änderungen anzufreunden. Bisher haben Änderungsmitteilungen sofort zu einer unangenehmen Stimmungssenkung geführt und es war auch nur eine minimale Bereitschaft zu erkennen, sich mit einer Alternative anzufreunden. Aber wie immer gehen bauliche Veränderungen mit unvorhergesehenen Problemen einher.

Manchmal erledigen sich auftretende Probleme auch wieder von allein. Der Durchlauferhitzer wird ja unter der Spüle in der Küche eingebaut. Ein erster Blick auf die Gegebenheiten wurde von der Ankündigung begleitet, dass unsere Mülleimer dann nicht mehr hineinpassen und wir uns etwas anderes einfallen lassen müssen. Heute bei Einbau des Gerätes hieß es aber, dass die Eimer vielleicht doch wieder Platz finden. Das wäre schön, denn in beiden Räumen, Küche wie Schlafzimmer möchten wir so wenig wie möglich investieren. Die Räume sollen in Abständen und mittel- (Schlafzimmer) bis langfristig (Küche) ebenfalls renoviert werden. Also muss alles noch ein wenig bleiben. Die Gardinen und Vorhänge des Schlafzimmers wurden gerade heute im Eco-Express-Center gewaschen. Der Teenager findet sie zwar abstoßend und kann nicht verstehen, warum die nicht gegen etwas cooles Neues ausgetauscht werden. Aber ich denke, der skandinavisch nüchterne Charme ist noch ok. Der Stoff stammt aus dem Jahr 2001 und dafür könnte es schlimmer sein. In erster Linie sind die Vorhänge auch zweckmäßig.

Am Abend war der Waschtischrahmen verkleidet und ist bereit, gefliest zu werden. Für die Waschmaschine wurde ein Sockel gemauert und die Duschwanne liegt an ihrem Platz. Die Heizung im Schlafzimmer wurde installiert.

Überall verteilt liegen die Wand- und Bodenfliesen in Stapeln. Dann geht es wohl bald los!

Eco-Express

Tag 5 auf der Baustelle haben wir weitestgehend verpasst. Gestern Abend habe ich nach Feierabend noch einen kurzen Ausflug dorthin gemacht. Verlegte Abflussrohre waren wieder eingemörtelt, die Heizungswand im Schlafzimmer war ordentlich verputzt, die Schlafzimmertür eingebaut und in der Küche waren die Vorbereitungen zur Installation des Durchlauferhitzers getroffen worden. Ansonsten steht immer noch alles voll und ist staubig.

Heute Morgen um neun waren die Allrounder auch schon wieder aktiv und bereiteten alles für den Estrich vor. Ich habe nur kurz die Wäsche eingesammelt und mich zum Waschcenter chauffieren lassen (lag auf dem Weg). Das „Eco-Express-Center“ liegt zwischen Eimsbüttel und Lokstedt unweit der Lenzsiedlung. Die Lenzsiedlung ist ein Hochhauskomplex aus den 70ern und heute ein Problemviertel. Diese Tatsache und die Ankündigung des Internets, dass samstags um 10 Uhr eine Stoßzeit im Center zu erwarten wäre, machten mich etwas unruhig.

Zum Thema Schrullen habe ich ja hier bereits etwas geschrieben. Wenn ich also nur „ich“ wäre und nicht ein Teil meiner kleinen Familie, lebte ich nach einem ganz anderen Zeitplan. Ich bin mir sicher, ich hätte das Center gleich um 6 Uhr zur Öffnungszeit aufgesucht.

Aber die Zweifel an einem reibungslosen Ablauf der Waschaktion waren wie so oft unbegründet. Lediglich zwei weitere Damen waren vor Ort und zusammen haben wir sechs der 11 funktionstüchtigen Maschinen belegt. Ich habe nur wenige Minuten gebraucht, um mich mit den Abläufen vor Ort vertraut zu machen und schon liefen die Miele-Maschinen. Ich habe übrigens noch die Happy-Hour bis 10:00 Uhr erwischt, während dieser kostet eine Waschladung nur € 2,50 statt € 3,00. Ein wenig sentimental dachte ich an meine Azubizeit zurück, als das noch wöchentliche Routine war. Die Preise sind stabil geblieben! Seinerzeit kostete mich die Wäsche DM 5,00. Damals bin ich mit der Wäsche zwar immer 5 Kilometer weit gefahren, aber dafür hat mich der Schnellbus Nr. 37 von Tür zu Tür gefahren. Das war den Schnellbuszuschlag durchaus wert.

Das Publikum im Waschcenter war weit weniger von meiner Welt entfernt, als ich es in dieser Nachbarschaft erwartet habe.

Die anderen Damen jung und und hip. Ich war die Älteste und ich trage dieser Tage keine Hipster-Sachen. Vielleicht besitze ich nicht einmal welche. Es kamen noch zwei Herren, die die Maschinen nur in Gang gebracht haben und dann wieder verschwanden. Die waren schon etwas abgerissener. Die Wäsche in Müllsäcken befördert. Einer davon nicht zum ersten Mal im Einsatz und schon etwas lädiert.

Die Wartenden haben sich die Zeit mit ihren Handys vertrieben. Das war 1996 natürlich noch nicht möglich. Mobiltelefone (nur mit Telefonfunktion) waren ja noch ganz großes Kino. Es sollte weitere fünf Jahre dauern, bis ich mir eins leisten konnte.

Das Trocknen erforderte etwas mehr Einarbeitungszeit. Man kann immer nur in 15 Minuten-Einheiten trocknen. Dann müssen weitere Münzen eingeworfen werden. Sonst wäre der Preis von 1€ wohl auch nicht zu vertreten. Es piepte also unentwegt: Bezahlt, aber nicht aktiviert – Piep – Zeit abgelaufen, aber Wäsche nicht entnommen – Piep – Wieder bezahlt … und so fort. Aber die Trockner sind offenbar Hochleistungsgeräte, sie trocknen wesentlich schneller als das heimische Gerät. Leider sind sie auch wesentlich größer, andernfalls hätte so ein Turbo seinen Reiz auch zu Hause.

Am Montag werde ich wiederkommen und die Schlafzimmervorhänge und Gardinen waschen. Die Wartebank ist ausreichend bequem und ich kann lesen.

Auf dem Rückweg zur U-Bahn habe ich dann aber doch erlebt, warum dieses Quartier einen so schlechten Ruf hat. Direkt vor der Station waren einige Typen versammelt, die sich ob ihrer unterschiedlichen Muttersprachen in gebrochenem Deutsch angepöbelt haben. Samstagmittag und sie hatten gewiss schon diverse alkoholhaltige Getränke konsumiert. Wenn solch ein Szenario nicht derart unangenehm wäre, täten diese Menschen mir sehr leid. Aber so spurtete ich nur schnell daran vorbei und wusste wieder, warum wir uns bei der Schulwahl vor einigen Jahren der sozialen Abschottung schuldig gemacht hatten. Die Siedlung gehört zum Haupteinzugsgebiet der Schule, der auch wir zugeordnet werden. Der Ansatz: Wenn sie es dort schafft, schafft sie es überall – klang schon damals besser als die Wirklichkeit gewesen wäre. Zu viel harte, geballte Realität für meinen Geschmack.

Zu Hause auf der Baustelle werden die letzten Vorbereitungen des Estrichgusses getroffen. Anschließend muss der Belag trocknen. Wir werden es uns dann spät abends oder Morgen ansehen.

Albany von Roger Whittaker

Tag 4 auf der Baustelle. Ich war kaum dort. Nach dem Büro habe ich nur kurz einen Blick darauf geworfen. Das Schlagerradio lief heute dezent im Hintergrund. Das Bad hat schon eine schöne neue Türzarge. Es wurde noch mehr verlegt, eine provisorische Toilette für das Wochenende vorbereitet, der Rahmen für den Waschtisch konstruiert und ein paar Schächte wieder zugemörtelt. „Mörtel“ – ein schönes Wort! Mörtel hat seinen Ursprung wie gewohnt bei den alten Römern. Die haben das sogenannte „opus caementitium“ erstmals angemischt aus Bruchstein und Bindemittel.

Die beiden Allrounder sind übrigens Polen. Die polnische Sprache klingt eigentlich ganz süß. Viele niedliche „dsch“-Laute. Ich verstehe leider kein Wort. Die beiden werden sogar am Samstag arbeiten und den Estrich auftragen. Estrich ist auch eine Form des Mörtels, habe ich gerade gelesen. Polnisch heißt der Mörtel „Mozdzierz“. Ganz schön schwer, das dreimal hintereinander auszusprechen.

Da heute nicht sehr viel zu berichten ist, gibt es ein paar Bilder:

Waschtischrahmen

Blick ins Schlafzimmer

Verfrühter Valentinsgruß aus der zukünftigen Dusche

Ansonsten warten wir heute Abend alle drei auf den Start der neuen GNTM-Staffel. Also der Teenager fiebert darauf hin. Die Erwachsenen ergeben sich ihrem Schicksal und mussten versprechen, nicht über die Sendung im Allgemeinen und das Ansehen derselben zu lästern.

Völlig wertfrei haben zwei Studenten im Jahr 2011 das Finale der damaligen Staffel wie ein Schauspiel in ein Reclam-Heft verwandelt:

Über eine Suchmaschine nach „gntm finale reclam“ suchen. Die „issuu.com“- Seite wird recht schnell angezeigt.

Leider kann ich hier keinen echten Link einfügen, das darf ich vielleicht nicht? Aber das Werk ist lesenswert! Sollten alle Teenager lesen. Es offenbart fast alles, was in der Fernsehwelt ganz falsch läuft. Jedenfalls glaube ich, dass die Produzenten die Sache ernst meinen und die Sendung nicht satirisch angelegt haben. Allerdings zweifle ich manchmal an mir: Bin ich zu kritisch? Die Massen können doch nicht immer irren? Immerhin läuft die Sendung wie viele andere schon über 10 Jahre. Und die Gastgeberin ist seit langer Zeit ziemlich dominant in der Regenbogenpresse vertreten. Kaum eine der jährlich 52 Ausgaben der „Gala“ zeigt nicht wenigstens ein kleines Bildchen von ihr. Etwa 20 Ausgaben werden mit ihr auf dem Titel veröffentlicht. Das muss doch was bedeuten.

In diesem Sinne einen schönen Donnerstagabend.

Mit einem Taxi nach Paris

Tag 3 auf der Baustelle. Heute habe ich weniger Zeit vor Ort verbracht. Es ist zu voll und zu staubig. Am frühen Morgen habe ich nur schnell Kleidung für die nächsten Tage eingepackt, zwei Fragen beantwortet und mich dann wieder entfernt.

Meine Hoffnung, dass am Abend wieder Wasser zur Verfügung stehen könnte, war leider vergebens. Die gebrauchten Kaffeetassen werden nicht ansehnlicher…

Unterwegs fühlte ich mich zum einen wie im Städteurlaub – jede WC-Möglichkeit wird in Betracht gezogen. Zum anderen fehlte mir die Gewissheit, jederzeit in mein Badezimmer gehen zu können. Was noch nie mein Traum war, aber jetzt wirklich vollkommen ausgeschlossen ist: Ein altes Haus kaufen, einziehen und die Räume nach und nach renovieren. Das würde mich wahnsinnig machen.

Die Türrahmen wurden vorbereitet, sie sind jetzt wirklich größer. Ich kann das obere Ende mit ausgestrecktem Arm nicht mehr berühren. Die neuen Türen stehen nun neben einigen anderen noch verpackten Elementen herum. Noch weniger Platz.

Sonst gibt es nicht viel zu berichten. Es sieht immer noch nach Rohbau aus.

Schlager liefen natürlich auch heute. Ich kannte den größten Hit von Felix De Luxe (Taxi nach Paris). Eine Hamburger Band, wusste ich gar nicht. Ich hätte auch eher getippt, dass es die Gruppe noch gibt und sie David Guetta-mäßige Sachen macht, oder Hip-Hop. Aber weit gefehlt, der Taxi-Song ist aus dem Jahr 1984. Lange her.

Nicht ganz so lange her, aber immerhin auch schon 20 Jahre alt war übrigens unser Badezimmer. Gerade heute hat mich ein Freund wieder ungläubig gefragt, warum wir das denn jetzt renovieren. Das alte war doch noch prima. Ein Klempner, der ein Angebot abgegeben hat, fragte bei der Besichtigung das Gleiche. Er hat den Auftrag nicht bekommen. Natürlich sieht man bei täglicher Benutzung ganz andere Mängel, als sie ein Gast wahrnimmt. Der initiative Grund war sicher die Badewanne bzw. die fehlende Dusche. Der notdürftige graue Anstrich der neunzigerjahrelastigen Terrakottabordüre hat das Gesamtbild zwar ein wenig verbessert, konnte aber dennoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass das gesamte Ensemble vollkommen überholt war. Und uns nicht mehr gefallen hat.

Den Bauherrn wird es freuen: Das neue Bad sollte länger Bestand haben. Eine derartige Aktion möchte ich so bald nicht noch einmal starten.

McKenzie

Als ich heute Morgen die Tür aufgeschlossen habe, begrüßte mich Vicky Leandros mit „Joe McKenzie“. Die Arbeiten waren schon wieder in vollem Gange.

Gestern Abend im Hostel musste ich noch einmal einkaufen, weil wir gar nichts zu trinken hatten. Ich bin also zum nächstgelegenen Supermarkt gegangen. Und weil ich meinen Urlaubsrucksack dabei hatte und Hostelzimmergetränke besorgen wollte, fühlte es sich ein wenig nach Urlaub an. Die Kieler Straße hat natürlich nicht viel vom Flair der Earls Court Road in London, aber sonst stimmte alles. Und heute Morgen nun ein irisch-schottischer Gruß von Frau Leandros.

Auf der Baustelle werden beide alten Heizkörper entfernt. Im Badezimmer und auch im Schlafzimmer. In beiden Räumen gibt es was hübsches neues. Bei den Modellen habe ich noch keine Vorstellung, wie sie aussehen werden. Wenn die Profis darüber sprechen, klingt es für mich eher nach Zahnarzt: „Achter flach“ oder so ähnlich. Ich habe es mir nicht gemerkt und muss mich nun überraschen lassen.

Beim Hören des Senders „Radio Schlagerparadies“ bin ich überrascht, dass ich kaum etwas kenne. Es ist zwar alles erwartungsgemäß eingängig und einfach im Rhythmus, aber dennoch kenne ich die wenigsten Stimmen oder Texte. Die Welt dreht sich auch dort weiter. Manchmal denke ich, dass auch viele Pop-Songs ganz schön nach Schlager klingen. Aber der echte Schlager zeichnet sich durch einen Grundbeat aus, der in fast jedem Stück nahezu gleich klingt. Man kann wohl gut dazu mitklatschen. Wie in jeder guten Samstagabendshow des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. In meinen Augen der Tod jeder Veranstaltung. Wenn ich in einem Publikum sitze, in dem plötzlich jeder anfängt mitzuklatschen, ist es eine Mischung aus Scham und Bedauern, die mich überkommt. Ich mache dann nicht mit und hoffe, dass es schnell wieder aufhört. Oliver Welke hat sich nach einem schlagerhaften Einspieler mal bei seinem Publikum dafür bedankt, dass niemand klatschend mit eingestimmt hat. Geplant oder nicht, darüber habe ich mich amüsiert!

Außerdem werden heute die Zargen und Türen ausgebaut und die Höhe um 10cm erweitert. Einige Tage keine Tür im Schlafzimmer. Da wird es wohl ganz schön staubig. Ich hoffe, die Kleiderschranktüren lassen nicht allzu viel davon durch.

Nach chinesischem Kalender beginnt am 5. Februar 2019 auch das Jahr des glücklichen und vergnüglichen Erd-Schweins. Ich habe im Hausflur schon Neujahrswünsche mit unseren chinesischen Nachbarn ausgetauscht und freue mich über die vielen süßen Bilder, die überall in der Stadt zu sehen sind. Es gibt durchaus auch schöne Seiten der Globalisierung.

Das kann alles aber nicht davon ablenken, dass heute nicht so viel Sichtbares passiert. Im Wohnzimmer und im Keller werden zwar bereits einige Installationsartikel gelagert, aber bis die Teile ausgepackt werden, vergeht noch viel Zeit. Meine Langeweile steigt in etwa proportional zum Staubaufkommen in der Wohnung. Für Morgen habe ich mir einen Friseurtermin gebucht, der mich dann schon eine Weile beschäftigen wird. Was ich hier in der Wohnung erledigen wollte, habe ich vertagt. Es ist kein Platz vorhanden und die vorhandenen Türen sollen lieber geschlossen bleiben.

In Anbetracht der augenblicklichen Lage, ist es ganz gut, dass das Projekt Fußboden im Kinderzimmer bereits abgeschlossen ist und hier nicht zwei weitere Handwerker arbeiten müssen. Das wäre gar nicht so einfach. Die Abstellflächen sind jedenfalls erschöpft.

Gelegentlich werde ich etwas gefragt. „Wollen Sie die Ecke so nutzen?“ oder „Die Türzargen also wirklich 210cm hoch?“ Ich bin mir unsicher, ob das nicht eher rhetorische Fragen sind. Es ist ja alles entsprechend geplant und wurde am Montag auch noch einmal angesprochen. Vielleicht wollen sie nur nett zu mir sein.

Am frühen Nachmittag dann die erste unvermeidliche Beschwerde von Nachbarn. Allerdings nicht wegen des Lärms, sondern wegen der Dixi-Toilette, die aufgestellt wurde. Wir haben das schändlicherweise nicht angemeldet. Ich habe es nachgeholt und hoffe nun, dass es damit erledigt ist.

Ein letzter Blick auf die Baustelle hat einige neue Leitungen offenbart. Es wurden größere und kleinere Schächte ausgestemmt. Der Rahmen für die WC-Spülung steht schon. Das sieht durchaus nach Arbeit aus, es ist nur nicht so deutlich wie gestern. Ich schätze, so geht es Morgen noch weiter. Im Schlafzimmer wurde der Heizungshohlraum gedämmt und verkleidet. Leider ist nun eine kleine Schimmelecke am Fenster sichtbar. Darum muss ich mich Morgen kümmern, wenn es geht. Es steht nämlich auch im Schlafzimmer überall Material und Werkzeug herum. Die neuen Türen brauchen einen richtigen Sturz, den sie bisher nicht haben.

Auch die Wände im Flur werden nach dieser Aktion eine Nachbehandlung brauchen. Ob die Tapeten die Wochen unbeschadet überstehen, weiß ich noch nicht. Die Handwerker sind allerdings sehr umsichtig. Soweit es geht, wurde alles abgedeckt und die Bauschuttbeseitigung in übersichtlichen Wannen ist zwar mühsam, schont aber die Umgebung.

Kurz vor dem Feierabend klingelte ein Handy mit den Worten: „Ekkehart – ich will nach Hause!“

Wachgeküsst

Heute! Endlich! Die Badrenovierung startet! Eigentlich eher Kernsanierung, denn es bleibt nichts, wo es war. Alles muss raus. Das hätten wir in dieser Form niemals selbst regeln können. Abgesehen davon, dass wir das Klempnergewerk nicht beherrschen, hätte ich mir auch nicht zugetraut, alles herauszureißen und im Grunde alle Leitungen neu und anders zu verlegen. Aber der Reihe nach. Am Morgen um neun Uhr fuhren zwei sehr große Transporter und ein Anhänger in unsere Straße. Heute musste erst Material und Werkzeug aufgeladen werden, deshalb die späte Stunde. Ab Dienstag geht es schon um sieben Uhr los. Die Nachbarn werden sich freuen. Den Wagen entstiegen sind zwei Handwerker. Auch der sagenumwobene 205cm große Mann, der uns aus verschiedenen Gründen bereits angekündigt wurde. Zum Beispiel, weil er ganz wunderbar austesten kann, ob etwas die richtige Höhe für den hier wohnenden Mann hat. Nach einer Startbesprechung kamen dann noch zwei weitere Herren für das Grobe dazu. Trockenbauer – oder Allrounder, wie RTL2 sie nennt. Gegen zehn Uhr dreißig hieß es aber zunächst: „Dann legen wir mal los!“

Es wurde sofort sehr laut. Aber nicht unbedingt wegen des Abrisses. Auch wegen der Musik. Wie bereits von vormaligen Kunden berichtet, hört der Große mit Hingabe Schlagermusik. Begleitet wurde der Start also von Vanessa Mai mit Ihrem Stück „Wachgeküsst“. Ich weiß noch nicht, was anstrengender sein wird die nächsten Tage: Baulärm oder Musik. Die Kollegen jedenfalls müssen ganz schön leidensfähig sein, oder sie mögen das auch. Ich gehe am Donnerstag ja wieder ins Büro…

Nach der Mittagspause ergab sich eine erste Kollateralschadenplanänderung. Ein Wandstück, das eigentlich eine Begrenzung der Dusche werden sollte, hatte nach der Fliesenentfernung ein mächtiges Loch. Es war auch nur eine Hohlwand, durch die an einer Seite die Leitungen führten. Die Wand wird jetzt wohl nicht neu aufgebaut, sondern auf ein notwendiges Minimum eingekürzt und dann kann an dieser Stelle der Eingang zur Dusche sein. Finde ich super, denn dann wird die Dusche noch größer und in die Nische kommt viel mehr Licht.

Dies war der Stand zur Mittagspause:

Dort stand die Badewanne und man kann den Schatten der (ehemaligen) Wand rechts gut sehen.

Insgesamt offenbart unser Haus auch bei dieser Baustelle wieder seinen bemitleidenswerten Zustand. Rätselhaft und schräg verlegte Leitungen haben sich ja schon öfter gezeigt, wenn renoviert wurde. Diesmal sorgten einige Rohrleitungen im Bad für Kopfschütteln: „Warum?“ Und bei der Hauptwasserleitung wurden Anschlüsse verkehrt herum installiert. Was das bedeutet, weiß ich nicht, es wurde kommentiert mit: “ Gut zu wissen“. Scheint also außer falsch nicht so schlimm zu sein. Außerdem ist ein sichtbares Leitungsrohr im Keller aus Kunststoff und nicht aus Kupfer. Das scheint schon schlimmer zu sein, denn es folgten einige Beispiele von Katastrophen, die sich daraus ergeben können, wenn das Rohr einen Defekt hat. Und den wird es eines Tages haben, so viel sei sicher. Aber daran können wir jetzt auch nichts ändern.

Am frühen Nachmittag habe ich uns in unserer Baustellenunterkunft eingecheckt:

Gestern hatte ich zunächst einmal recherchiert, worin genau der Unterschied zwischen einem Hotel und einem Hostel besteht. Und ich habe herausgefunden, dass es eigentlich keinen gibt. Das Wort ist eine Zusammensetzung aus Hotel und dem lateinischen Hospitale – Gästehaus. Ich hatte falsch vermutet, dass das „S“ irgendetwas bedeutet und eben dafür eingefügt wurde. So wie Manny aus „Modern Family“ richtig bemerkt, dass gewisse Annehmlichkeiten verloren gehen, wenn das „H“ zu einem „M“ wird. Aber in einem Hostel sind die gleichen Gegebenheiten zu erwarten wie in einem Hotel. Unseres hat keine Sterne. Es gibt also keine Seife oder Shampoo. Ansonsten kann ich sagen, dass das Zimmer die gleiche Qualität hat wie unsere Zimmer in Reykjavik oder Edinburgh, aber nur die Hälfte kostet. Wie immer bei Immobilien gilt: Lage, Lage, Lage.

Eigenes Bad und drei Betten. Sogar alle drei sind richtige Betten und kein Schlafsofa oder Klappbett. Ich werte das als Plus, denn das haben nicht alle unsere bisher bewohnten metropolesquen Zimmer geboten, obwohl meist mehrere Sterne am Hoteleingang angebracht waren. Meine persönliche Faustregel hierfür begründen die Alpen. Je südlicher davon gelegen, desto weniger sind die Sterne wert.

Ach ja, Hauptunterscheidungsmerkmal eines Hostels sind die Bewohner, die sich weltweit sehr bewusst für ein solches entscheiden. Sie können dann davon ausgehen, dass die Betreiber und Bewohner relativ jung, weltoffen und kommunikationsfreudig sind. Es geht wohl um das Lebensgefühl, jederzeit und überall willkommen zu sein. Für Backpacker in Asien zum Beispiel sicher recht wichtig, weil die wenigsten die Landessprache oder die kulturellen Gepflogenheiten beherrschen.

Unser Entscheidungskriterium war aber der sehr faire Preis für das Zimmer. Zum Frühstück kann ich noch nichts sagen, das hole ich nach.

Kurz vor dem Feierabend ergab sich dann noch eine zweite Änderung der groben Planung. Die vorhandene Abflussumgebung ist dergestalt, dass eine bodenebene Dusche in unserem Fall definitiv nicht möglich ist. Der Aufriss dafür ist zu groß und hätte wieder andere Folgen, die wir nicht in Kauf nehmen wollen. Wir bekommen nun eine ganz flache Duschwanne. Da wir uns gegen einen Sockel im Duschbereich entschieden hatten, ist das auch gar kein Problem. Und die Unterschiede zum gefliesten Untergrund kann ich mir zweifach schönreden: 1) lässt sich eine Wanne viel besser reinigen und 2) ist der Ablauf besser sauber zu halten – die Haare!!! Beide Argumente hatte ich auch früher schon angeführt, sie fielen aber der Optik zum Opfer und jetzt sind sie zurück.

Allseits einen schönen Feierabend!

(Super)helden

Der „Heldenmarkt“. Für einen LOHAS wie mich eine vielversprechende Veranstaltung. Schon die Werbeplakate haben mir gefallen:

Heute war es also soweit. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Hafen. Die Strecke fahre ich selten und die S-Bahn hat in meinen Augen leider kein charmantes Flair. Zu groß und zu laut. Ich fahre viel lieber in der gemütlichen U-Bahn. Aber zu einer Umwelt-Messe kann ich nicht mit dem Auto fahren. Wäre kein guter Start. Leider regnete es und die eigentlich entzückende Treppe zum Hafenbecken hinunter versprühte keine Begeisterung. Aber die Lage der Messehalle! Direkt am Wasser und auf der Wasserseite der Blick auf moderne, coole Gebäude mit der Köhlbrandbrücke im Hintergrund. Auf der anderen Seite die versnobte Fischfeinschmeckermeile. Am Samstag eher ausgestorben, aber dennoch bunt und sehenswert. Das ist schon mal ein touristisches Highlight und nicht die schlechteste Kulisse.

Am Eingang eine kurze Schlange, die durch die mäßig organisierte Einlasssituation verursacht wird. Schaltertresen direkt an der automatischen Schiebetür. Es passen nur zwei Personen vor den Tresen für Tageskartenkäufer. Sonst stünde die Tür unentwegt offen. Es ist für die Kassierer auch so schon recht zugig. Aber sie sind nicht langsam und deshalb müssen wir nicht lange warten. Um uns herum nur optisch Gleichgesinnte mit hochwertiger Kleidung und gemischten Alters. Keine echten „Ökos“, so wie ich sie mir vorstelle und im Biosupermarkt antreffe. Die sind wohl schon voll integriert und brauchen keine ökologische Inspiration mehr. Drinnen begrüßt uns eine relativ kleine Halle mit zu vielen Menschen. Aber das ist ja nichts schlechtes, wenn so eine Messe viele Besucher hat.

Ab jetzt wird es für mich aber enttäuschend. In der mir eigenen Art könnte ich die Halle in wenigen Minuten durchschreiten. Es spricht mich so gut wie nichts an. Eine Aneinanderreihung von wiederverwendbarer Frischhaltefolie mit Bienenwachs, intensiv riechender Naturkosmetik, Obst-, Gemüse- und Getränkelieferanten, fair produzierter Kleidung. Kenne ich alles schon, oder ich brauche es nicht. Überhaupt ist alles mehrfach und identisch vorhanden. Sehr schade. Und kaum etwas zum Sofortkauf oder -verzehr.

In der Mitte der Halle findet eine Eintrittskartentombola statt, die die Menge anzieht. Es ist eng und warm, wir haben Durst. Aber die Bar ist unerreichbar. Neben uns ein Schweizer Vitaminsaftanbieter. Wir probieren und wollen gleich eine ganze Flasche kaufen, um unseren Durst zu stillen. Aber er verkauft heute nichts. Wir könnten die Säfte abonnieren. Glücklicherweise ist er kein Verkaufstalent und lässt uns schnell gehen.

Meine Begleitung arbeitet wie geplant alle vier Finanzstände ab. Mir ist das zu langweilig. Dafür habe ich geheiratet, dass ich mich darum nicht mehr initiativ kümmern muss. Er wird sicher eine schöne Entscheidungsmatrix erstellen und mir das Ganze dann in einem enthusiastischen Vortrag vorstellen, wenn was dabei ist. Ich weiß gar nicht, ob er das wirklich gern macht. Aber er macht es super und ich genieße es sehr, dass mir diese Recherche auf Gebieten, die mir lästig sind, auf so angenehme Weise abgenommen wird.

Während ich mich woanders umsehe, werde ich Zeuge einiger wunderbarer Sätze: „Schau hier, diesen Rock hätte ich beim Pilgern gut gebrauchen können.“ Ich habe bis dahin noch nicht gedacht, dass man Menschen ansehen kann, wenn sie einen Pilgerweg gemeistert haben. Aber ich sage Euch, das ist unverkennbar möglich. Oder: „Wieviel Prozent Paprika ist denn in dem Käse enthalten?“ Letzteres fragt eine Frau, deren Mann zwei kleine Kinder auf den Armen hält und mit jeder Faser schreit: „Kauf ihn oder lass es, die beiden sind schei…schwer und ich will nach Hause.“ Ihre Frage beantwortet übrigens ein kurzer Blick in die Auslage. Da liegt der Laib und die Paprika ist durchaus sichtbar.

Schon beim Aufbruch habe ich festgestellt, dass ich keinen Lippenpflegestift dabei habe. Inzwischen ist es aber nötig. Also tätige ich meinen einzigen Kauf und erwerbe ein mittelpreisiges Exemplar. Ein ökologisch einwandfreier Pflegestift der Sorte Sanddorn. Und wie der pflegt- herrlich! Jeden Euro wert! Leider wird mir gleich bescheinigt, dass er die Lippen auch etwas orange färbt. Na gut, dann lieber nicht noch einen mitnehmen…

Nach rund einer Stunde sind wir also fertig und schlendern wieder zum Bus. Auf dem Rückweg kehren wir noch im Biomarkt ein und kaufen unser Abendessen. Bleibt alles schön nachhaltig heute! Das Publikum dort ist auch wieder wie gewohnt: Total Eimsbüttel. Einige ganz offensichtlich umweltbewusst gekleidet, andere eher outdoormarkenpraktisch. Aber die tragen ihre Plastiksachen sicher die ganze Kindergartenzeit ihrer Kinder hindurch. Und zweckmäßig sind sie nunmal. Es ist schließlich nass und kalt draußen.

Und ich bin ja immer noch im „bemüht“-Stadium meiner Umstellung zum nachhaltigen Alltag. Es gibt noch viel zu ändern. Aber der generell reduzierte Konsum zum Beispiel klappt recht gut. Heute hatte ich zwar kaum Möglichkeiten, aber ich habe immerhin dem Impuls widerstanden, nach dem Messebesuch in die Innenstadt zu fahren und einfach ein bisschen zu shoppen. Lag vielleicht an meiner Begleitung, dennoch fehlt es mir nicht.

Zum aktuellen Stand meiner Bemühungen hier noch ein Werbeplakat des Heldenmarktes:

Aber gebucht ist gebucht.

Zahnseide

Zur Zeit müssen wir im Büro die Steuerberechnungen zum Jahresabschluss durchführen. Da wir dabei unter großem Zeitdruck stehen, erfordert die Tätigkeit immense Konzentration. Da ich nicht der Typ für yogaesque Entspannungstechniken bin, habe ich mir überlegt, als Alternative den „Floss-Dance“ zu lernen, jenes Tänzchen, bei dem die Hüfte hin- und hergeschoben wird und in entgegengesetzter Richtung die durchgestreckten Arme in schneller Bewegung mal vor und mal hinter dem Körper schwingen:

Kindern soll das leichter fallen, weil sie gelenkiger sind. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich es auch lernen kann. Wir haben uns in der Familie versprochen, dass wir es bis zur nächsten Geburtstagsfamilienfeier Ende März alle können. Im Augenblick kann nur mein Neffe eine respektable Version vorführen. Schnell und sauber ausgeführt.

Den Tanz, oder eher die Bewegung, hat sich die junge US-amerikanische Internetberühmtheit, das Backpack-Kid Russel Horning, ausgedacht. Sie erfordere „Style, Präzision und Schnelligkeit“. Schon vor Jahren entstanden, hatte die Bewegung einen riesigen Auftritt beim ESC in Lissabon 2018 und war in der Szene doch schon ein alter Hut. Der junge Herr Horning hat immerhin über zwei Millionen Follower. Im Mai 2017 hat Katy Perry ihn in einem Musikvideo verwendet und die APP „Musical.ly“ war ein weiterer Trendbeschleuniger. Die restlichen Jungszimmer hat der Floss dann durch das schadenfreudige Siegertänzchen im Online-Spiel „Fortnite“ erobert. Und nun auch meine Welt. Es sieht aber auch zu schön aus!

Im britischen Unterhaus hat gestern vielleicht auch jemand den Floss…. Aber nein, kein britischer Politiker. Auch nicht im Unterhaus. Die Briten sind dafür sicher viel zu steif und konservativ. Ich habe gestern ein wenig die Debatten vor der Brexit-Abstimmung verfolgt. Die Briten haben ihren Humor dringend nötig. Sie können ja grundsätzlich auch über sich selbst lachen. Aber es ist durchaus bemerkenswert, wie sehr die britische Kultur noch im Gestern verharrt und wie wenig Lockerheit eine Chance hat. Eins ist klar: Ein Schauspieler oder jemand ohne elitäre Schulbildung könnte dort nicht die Regierung übernehmen. Selbst so ein Verrückter wie Boris Johnson hat Schulen besucht, die einem dort automatisch die eine oder andere Tür öffnen. An der Stelle ist „Der kleine Lord“ auch heute noch aktuell. Der Film gehört allerdings nur aus sentimentalen Gründen zu meinem weihnachtlichen Pflichtprogramm. Die schönste Szene ist zweifelsohne diese: Der kleine Lord und sein Großvater fahren über die Ländereien und Lord Fountleroy bedauert, dass er als Aristokrat nun nicht mehr Amerikanischer Präsident werden kann. Daraufhin stutzt sein Großvater nur: „Aber Du hast einen Platz im Oberhaus!“ und Cedric fragt: „Ist das auch gut?“ Er bekommt als Antwort: „Armer Junge, dazwischen liegen Welten.“

Wacholderrausch

Das Verfassen des Pressetextes für eine Band ist ein größeres Ringen um Worte und Formulierungen, als ich gedacht habe. Ein schottischer Gin hilft mir dabei, nicht den Schwung zu verlieren.

Leider muss ich zugeben, dass mein Abgabetermin schon Morgen ist und ich es also bis zum letzten Abend vor mir hergeschoben habe. Oder besser: Es wurde geschoben. Der Dezemberwahnsinn hat auch mich im Griff.

Aber zwei Entwürfe stehen und der dritte ist in Arbeit. Ich bin gespannt, ob etwas dabei ist.

Nebenbei laufen Netflix Weihnachtsfilme. Schlecht synchronisiert, wir schauen mit Originalton. Und die englischen Texte kann ich ignorieren, die lenken mich nicht ab. Mit deutschen Texten geht das nicht, dann muss ich immer hinschauen. In einem Elektronikmarkt könnte ich nicht gut arbeiten. Ich müsste ständig das Programm auf den Ausstellungsgeräten verfolgen.

Ich wünsche allen ein schönen zweiten Advent!