Gier

Heute hat sich der Kollege als Mensch wieder einmal von seiner beschämenden Seite gezeigt. Allerdings in Form einer Kollegin.

Wir haben im kleinen Kreis die Wundertüten für den kommenden Weihnachtsbasar gepackt. Kurz zur Erklärung: Der firmeneigene Weihnachtsbasar dient dazu, über das Jahr Angesammeltes zu verkaufen. In den Redaktionen sammeln sich Bücher, DVDs, Warenproben und dergleichen in großen Mengen. Mitarbeiter und Gäste können diese Dinge günstig kaufen und die Einnahmen aus dem Verkauf werden an lokale gemeinnützige Organisationen gespendet. In den Wundertüten werden zumeist verschiedene Werbegeschenke, DVDs und CDs verklappt. In einigen Tüten werden hochwertige Gegenstände versteckt. Und so kann man Glück haben, und für 8€ etwas viel wertvolleres bekommen. In den vergangenen Jahren habe ich immer 1-3 Tüten gekauft. Schließlich wird dieses Geld einem guten Zweck zugeführt. Der Inhalt war mal besser und mal weniger gut. Ich fand darin zum Beispiel ein Basecap, eine Einkaufstasche, Kugelschreiber (alles prima) oder ein Duftset mit Parfum und Duschgel, Armbanduhren ohne Batterie, CDs und DVDs (für mich alles unbrauchbar). Wundertüten eben. Da erwarte ich keine echten Schätze. Es geht hauptsächlich um die Geste in Form der Spende. In diesem Jahr habe ich mir fest vorgenommen, nur den Betrag für die Tüten abzugeben, weil ich aus Nachhaltigkeitsgründen nicht wieder mindestens den halben Tüteninhalt im Müll entsorgen möchte. Ob ich diese Entscheidung bereue, nachdem ich nun beim Einpacken dabei war, verrate ich nicht…

Jedenfalls waren am Treffpunkt Paletten mit riesigen Kartons aufgebaut. Jeder der Helfer nahm sich eine Tüte und füllte sie mit all den Dingen, die dort standen. Gekommen waren ungefähr 15 Kollegen und die wuselten zwischen den Kartons hin und her. Nach einer Weile hatte sich eine Art Fließband entwickelt. Ich arbeitete am Ende des Prozesses und legte die fertigen, verschlossenen Tüten in noch größere Kartons, worin sie bis Donnerstag gelagert werden. Ab und zu hat der Hauptorganisator die vereinzelten bereits gepackten Tüten mit den geheimen, tollen Inhalten in die Kartons verteilt. Es gibt sie also wirklich!

Ich erzähle das so ausführlich, weil auch meine niederen Instinkte kurz zum Vorschein kamen. Ich habe die Kartons mit den vielen bunten, kunststofflastigen Dingen gesehen und war gleich hingerissen. Ich kann mir nicht helfen, aber bunte Plastiksachen ziehen mich immer magisch an. In Läden muss ich Regale mit farbenfrohen erdöllastigen Waren immer ausgiebig erkunden. Oft habe ich auch etwas gekauft. Im letzten halben Jahr aber konnte ich diesem Impuls erfolgreich widerstehen. Heute beim Packen konnte ich allerdings nicht verhindern, bei dem einen oder anderen Gegenstand zu denken: Toll, sieht ja super aus, könnte ich sehr gut gebrauchen. Und dann standen teilweise auch noch die schönen Namen darauf: Neon, View, Geo usw.. Was genau mich faszinierte, kann ich hier nicht benennen, ohne dem geneigten Leser und Basarbesucher die Vorfreude zu nehmen. Aber zweifelsohne hatte mich die Gier wieder im Griff. Ich hätte vielleicht noch an Ort und Stelle zwei Tüten gekauft, wäre das bereits möglich gewesen und hätte ich nicht den Verzichtsvorsatz.

Immerhin war ich bereit, dafür zu bezahlen, wie in jedem Jahr.

Mein Tätigkeitsbereich war etwas ruhiger und so konnte ich einige bezeichnende Szenen beobachten. Zuerst kam eine mir bekannte Dame vorbei, die diverse Gegenstände im Arm hielt. Ich war noch arglos, als sie suchend da stand, aber dann zeigte sie ihr wahres Gesicht und fragte nach einer der Tüten. Sie könne „das Zeug“ ja so nicht fortschaffen und die anderen hätten doch auch Tüten. Zu Ihrem Verdruss wurde sie aufgeklärt und musste hören, dass „das Zeug“ für den Basar und mitnichten zum Mitnehmen bestimmt sei. Sie ist dann mit ihrer Beute ohne ein weiteres Wort von dannen gezogen. Das war ihr nicht einmal unangenehm. Beim Anblick der vermeintlichen Gratisartikel war sie einfach nur noch gierig. Wenig später kamen noch zwei Hipstergrüppchen, die auch ohne Scham über die Kartons hergefallen sind. Sie quetschten sich zwischen die Helfer, hielten dieses und jenes in die Luft und riefen verzückt Sachen wie: „Ja geil – sieh‘ Dir das an. Das nehm‘ ich auch!“ Zugeben muss ich in diesen Fällen, dass sie nach Aufklärung sofort alles zurücklegten und kleinlaut weitergegangen sind. Immerhin. Aber sprachlos macht mich so ein Verhalten trotzdem. Hemmungslose Gier.

Ich verschaffe mir doch wenigstens erst einen Überblick über die Lage und versuche herauszufinden, ob und warum dort nun etwas verteilt wird. Und ich finde, es war schnell zu sehen, dass die Helfer einen Auftrag hatten. Dass niemand im Vorbeigehen alles Mögliche an sich rafft.

Leider musste ich diese Erfahrung im beruflichen Umfeld schon des öfteren machen. Dass Menschen, die eigentlich ausreichend viel verdienen, dennoch keine Scham dabei zeigen, bei einer sich bietenden Gelegenheit alles Mögliche einzusacken.

Manchmal vergessen wir wohl unsere zivilisierten Gepflogenheiten.

Quirks

Schrullen – fester Bestandteil des Alltags, beruflich wie privat. Und Schrullen sind nicht gleich Schrullen. Schon das Wort ist so eigenartig wie seine Bedeutung. Je öfter ich es schreibe, desto schlimmer wird es…..

Nun denn, es gibt liebenswerte Schrullen: Der Queen-Fan des Hauses kann kein Lied der Band hören, ohne wenigstens den Refrain mitzusingen. Im Kino während der Queen-Biografie irgendwie schräg, weil auch ruhigere Stücke eingeflossen sind und das Publikum eher hanseatisch zurückhaltend war. Keiner verkleidet trotz des 31.10….. Aber sonst liebenswert.

Und es gibt die Schrullen, die Dich auffallen lassen: Technik-Tourette oder die Neigung zu Selbstgesprächen bei der Arbeit. Keine autobiografische Aufzählung übrigens.

Und es gibt Schrullen, die gleich ins Autistische reichen. Davon habe ich einige. Meine gern gemochte Flüssigseife wurde aus dem Programm genommen. Drei Seifen musste ich erfolglos probieren, bis ich wieder zurück bin zu einem Ökoprodukt, dass durch seinen exquisiten Zitrusduft besticht, aber leider die Hände austrocknet und mitnichten wie beschrieben pflegt. Außerdem hinterlässt sie im Waschbecken einen unsichtbaren wächsernen Film, den ich nun jeden zweiten Tag entfernen muss, weil es sonst nicht schön aussieht.

In diesem Zusammenhang zitiere ich immer wieder gern eine Hauptfigur aus der Serie „The Big Bang Theory“, Dr. Dr. Sheldon Cooper: „Was wär das Leben ohne Schrullen!“

Einfacher wäre es. Weil die Widrigkeiten des Lebens dann gar nicht so sehr auffallen würden. Das Reinigungsmittel hat die Rezeptur verändert? Egal, wähle ich unter vielen eben ein anderes, dass ebenso gut riecht. Der Lieblingssupermarkt wird durch einen Discounter ersetzt? Egal, gehe ich eben dort einkaufen. Die Lüftung über meinem Flugzeugsitz funktioniert nicht? Ach, die eine Stunde halte ich auch den Mief der fluggestressten Mitreisenden aus. Wenn es so einfach wäre. Dann würde ich das tun!

Auch kann ich an Texten nur schwer vorbeigehen, ohne sie zu lesen. In der U-Bahn oder beim Stadtbummel. Sobald ich Buchstaben fixiere, muss ich sie lesen. Nicht so schlimm, sagt Ihr? Ja, es gibt schlimmeres. Aber genervt bin ich durchaus, wenn ich Werbetexte, die nur selten ausgetauscht werden, immer und immer wieder lese. Oft gehen sie mir dann auch lange nicht mehr aus dem Kopf. Mein Beifahrer weiß hier gleich Bescheid (Yildiz Camii…).

Mann aus dem Wald

… die Bedeutung des Namens Guido

Gerade war er hier im Pressehaus: Guido Maria Kretschmer!

Er hat sein neues Magazin vorgestellt, das es ab Morgen zu kaufen gibt.

Ich fand ihn bis heute ganz nett, recht sympathisch, aber in der Sendung „Shopping Queen“ oft zu gehässig und etwas nervig. In seiner Schneidercastingshow hat er mir viel besser gefallen.

Aber seit seinem Auftritt heute Morgen bin ich geradezu verliebt! Was für ein toller Typ! Reizend. Witzig. Und nicht weniger eloquent als Barbara oder Joko, wenn auch auf eine ganz andere Art.

Im Heft finden sich großartige Rubriken, die mit viel Herz und Leidenschaft gestaltet werden. Ich freue mich sehr darüber und bin gesichert eine neue Abonnentin (von denen es übrigens bereits 900 gibt, ohne dass auch nur eine davon ein Heft in der Hand hatte). Ich bin mir sicher, er hat noch eine Menge zu erzählen. Obwohl die Welt eigentlich keine neue Frauenzeitschrift braucht, diese hier hat mir gefehlt.

Also geht Morgen an den Kiosk und kauft und lest „Guido“! Es wird Spaß machen. Versprochen!

Pause

Gestern bin ich lange mit dem Auto gefahren. Es war eine Autobahnstrecke und auf dem Rückweg war zwischen 20 und 22 Uhr selbst auf der A7 nicht viel los. Im Prinzip 1,5 Stunden Durchrauschen. Wegen einiger Baustellen mit geringerer Geschwindigkeit. Aber die LKW waren bereits auf den Rasthöfen und so musste ich nur selten die Spur wechseln. Nach 30 Minuten ertönte und erschien dabei erstmals die Anzeige: „Pause empfohlen“ nebst Kaffeebohnenpiktogramm. Kaffee finde ich abscheulich. Es müsste schon ein eisgekühltes koffeinhaltiges Getränk sein, dass mich verlocken würde, anzuhalten.

Das ist mir mit dem noblen Dienstwagen auch öfter passiert. Die Pausenempfehlung meine ich. Sehr zur Schadenfreude des Fahrzeughalters neben mir, der die Meldung wohl nie ausgelöst hat. Da der Dienstwagen mit beunruhigend vielen elektronischen Funktionen und Kameras ausgestattet war, habe ich seinerzeit schon überlegt, was da im Hintergrund wohl geprüft wird. Wurden meine Augen zu Schlitzen? Oder ist es der omamäßige Fahrstil, der mir regelmäßig unterstellt wird? Im Audi aber tauchte die Meldung gestern erstmals (und insgesamt zweifach) auf und ich habe mich direkt darüber geärgert. Ich war nämlich topfit und habe die entspannte Fahrt sogar genossen. Also bin ich im Netz auf die Suche nach den Prüfparametern gegangen, weil das Bordbuch lediglich eine sehr allgemeine Erläuterung gibt:

„Das serienmäßige Fahrerinformationssystem mit Pausenempfehlung zieht aus verschiedenen Fahrzeuginformationen Rückschlüsse auf die aktuelle Aufmerksamkeit des Fahrers.“

Es ist immer wieder lustig, wie viele Menschen im Internet mit Rat dienen. Für alles gibt es ein Forum und unheimlich viele geben sich wirklich viel Mühe mit den Kommentaren. Vielleicht hätte ich sogar ein Youtubefilmchen finden können, wer weiß. Dank der vielen fleißigen und findigen Schreiber auf Seiten wie „Auto-talk “ u.ä. weiß ich jetzt, dass es meine besonnene Fahrweise ist, die die Meldung auslöst und ich sie eigentlich als Kompliment auffassen könnte. Zunächst prüft die Elektronik bereits ab einer Geschwindigkeit von 65 km/h – und so schnell fahre selbst ich auf der Autobahn, auch in der Baustelle. Außerdem wird die Lenkung beobachtet. Je länger keine deutlichen Lenkbewegungen zu messen sind, desto müder scheint der Fahrer zu sein. Ich denke, das bedarf in den USA einer Anpassung, denn dort gibt es ja viel mehr kurvenarme Strecken als hier. Und als weiteres Kriterium für die Teilentmündigung des Fahrers wird die Bedienung der elektronischen Funktionen am Lenkrad und im Cockpit registriert. Da ich während der Fahrt nur sehr selten daran herumfingere, schlußfolgert der Wagen, dass ich vermutlich kurz vor dem REM-Schlaf bin. Das halte ich zwar für übertrieben, aber mit dem Ergebnis kann ich leben. Jedenfalls werde ich jetzt nicht anfangen, während der Fahrt öfter zu telefonieren, das Navigationsgerät zu bedienen oder die Klimatisierung anzupassen, um in der Statistik vermeintlich cooler zu erscheinen. Sollen die Datenkraken doch auswerten was und so oft sie wollen!

Bei uns stand vor Jahren mal ein Beauftragter der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) vor der Tür, der uns gern in die Panelgruppe für die Auswertung der Fernsehgewohnheiten (also Messung der Einschaltquoten) aufgenommen hätte. Leider muss das Messgerät an die Telefonleitung angeschlossen werden, damit die Daten übermittelt werden können. Und diese Verbindung war damals noch nicht kabellos möglich. Wir waren nicht gewillt, dafür ein Kabel quer durch den Flur zu verlegen und so wurde nichts aus unseren Plänen, es denen mal so richtig zu zeigen: Niemals RTL gucken (wär nicht schwer), um die unsäglichen Shows endlich zu beenden. Samstagabends gern mal 3Sat und ARTE (je älter wir werden, desto häufiger ist das ohnehin der Fall) laufen lassen. Eine Opernaufführung oder Tanztheater gucken. Die hätten sich sicher gewundert über die Verschiebung der Verhältnisse. Es werden nämlich nur rund 5000 repräsentative Haushalte in die Gruppe aufgenommen. Da macht sich jede Veränderung bemerkbar. Dass die Fernsehindustrie und vielmehr noch die Werbeindustrie sich nach wie vor bei der Programm- und Preisgestaltung nach diesen Messdaten richten, finde ich bedenklich. Ich weiß aber natürlich nicht, inwiefern man inzwischen auch auf Netflix und Google reagiert. Ein Einfluss ist ja unumgänglich, ansonsten hätte das alles mit der Realität nicht viel zu tun.

Viertes Quartal

Für mich ist das Wort „Quartal“ fast ein Reizwort. Mindestens ist es negativ belegt. Viermal im Jahr sind in der Firma Berechnungen zum Quartalsergebnis durchzuführen. Und da die Termine schon immer sehr eng getaktet waren und diese Taktung in diesem dritten Quartal noch einmal um zwei Tage gekürzt wurde, gilt zu diesen Zeiten eine relative Urlaubssperre. Jedenfalls versuchen wir stets alle anwesend zu sein, damit es möglichst reibungsarm über die Bühne gehen kann. Natürlich fallen die meisten Schulferien in diese Zeiten. Das macht es nicht besser. Ich stelle mir manchmal vor, dass es einen gehässigen kleinen Manager gibt, der in seinem schwarzen drehbaren Lederstuhl sitzt, seine fette Katze streichelnd, und der überlegt, dass es witzig wäre, aus der 18 eine 15 zu machen. Sollen die Untergebenen doch mal zeigen, dass es auch schneller geht. Leider geht es auch immer. Das ist Teil des Problems. Es gibt niemanden, der dem Einhalt gebietet. Es muss immer versucht werden, mit noch weniger Zeit auszukommen. Und wenn es dann geklappt hat, dann kann es auch gleich so bleiben. Aber ich wollte an dieser Stelle gar nicht jammern. Ich will eigentlich nur einleiten, dass das kalendarische vierte Quartal begonnen hat! Dieses Quartal hat immer so viel zu bieten: Herbstliche klare Luft, tolle Farben, der erste Lebkuchen der Saison, die Weihnachtszeit und dergleichen mehr.

Und als Abschluss des Jahres steht Sylvester vor der Tür! Die beiden Urlauber haben aus Spanien eine Sylvestereinladung mitgebracht. Obligatorischerweise steht dafür Raclette auf dem Programm. Aus diesem Grund werden wir heute unserem Raclettegrill noch einmal eine Chance geben. Es ist zwar ein Markenprodukt, aber kein Schweizerisches. Leider lässt die Leistung zu wünschen übrig. Die Fleischgrillerei lassen wir schon mal weg. Das hat keinen Sinn und sollte im Zweifel lieber der Grill übernehmen. Aber auch beim Käseschmelzen braucht es umangemessen viel Geduld. Sollte das Gerät heute wieder nicht überzeugen, wird es entsorgt und ein neues muss her. Rechtzeitig zu den Feierlichkeiten.

Ja, so muss es wohl geschehen: Ein Raclettevergnügen mit angezogener Handbremse ist einfach kein Vergnügen. Und das 30 Jahre alte Erbstück, das möglicherweise immer noch existiert, sollte auch nicht mehr verwendet werden. Die Grillplatte ist mir unsympathisch ob des Alters und Zustands.

Ich habe danach gesucht. Aber leider habe ich die Sylvesterfragebögen 2017/2018 nicht fotografiert. Ich kann mich auch leider nicht mehr an alle Fragen geschweige denn Antworten erinnern. Und ehrlich gesagt, kommen mir immer nur Antworten in den Sinn, die schon ein Jahr älter sein müssen. Schade, wollte ich doch ein Resümee ziehen. Da muss ich mich besser organisieren, denn das ist doch der eigentliche Spaß: Zu sehen, wie die Dinge sich entwickelt haben und was ich dazu beigetragen habe.

Deshalb habe ich mir für die letzten Monate des Jahres einfach noch ein paar Dinge vorgenommen. Zum Beispiel die Schränke auszuräumen, zu reinigen und anschließend nur noch wieder einzuräumen, was wirklich benutzt wird. Und auf keinen Fall neue Dinge anzuschaffen, wenn sie nicht notwendig sind. Ich weiß ja, dass mich irgendwann wieder etwas so bezaubert, dass ich es kaufe. Aber nicht mehr im Jahr 2018! Für die kommende Saison habe ich Dekoration genug. Einiges auch erst zum Ende der letzten angeschafft und deshalb noch gar nicht richtig genossen. Verbrauchsmaterial wie Kerzen und Ähnliches sind davon natürlich ausgenommen.

Meine Mutter, mit der mich vieles verbindet, nicht zuletzt die Fähigkeit, sich von Dingen trennen zu können, oder sich gar nicht erst an sie zu binden (übrigens auch an die dritte Generation weitergereicht), hat mir vor einiger Zeit einen Auszug aus einer „unserer“ Zeitschriften geschickt:

Das Loslassen von nicht mehr benötigtem sollte zur Gewohnheit werden

Wenn wir in unserem Heim Raum und Ruhe erzeugen, dann schaffen wir damit auch Platz für unsere Gedanken. Sortieren und Aussortieren ist daher auch ein Prozess, der zu mehr Klarheit führt – und genau deswegen regelmäßig praktiziert werden sollte.“

Auch wenn die Formulierung leicht esoterisch daherkommt, sie stimmt und das herrlich befreite Gefühl nach dem Aufräumen ist Bestätigung genug.

Dienstag fahre ich zum Recyclinghof und gebe unsere diversen Farb- und Lacktöpfe ab. Sie sind ohnehin leer, fast leer, oder die Farbe längst überstrichen. Aber in den Hausmüll dürfen sie ja nicht und ich kann sie nur dort loswerden, damit sie fachgerecht entsorgt werden. Wie auch immer diese Entsorgung aussieht. Ich suche mal nach einem entsprechenden Maus-Beitrag. Hoffentlich gibt es sowas. Das Spiegel-Abklebe-Rätsel ist nämlich nicht gelöst. Der Sperrmüllmann hat auf meine Frage nur verdutzt geguckt und gesagt: „Abgeklebt?!? Keine Ahnung – scheißschwer ist die Tür!“ Da habe ich lieber nicht weiter nachgefragt….

Finale

Die Phasen einer Renovierung:

1. Vorbereitung, Planung und Materialkauf, Terminkoordination

2. Start, meist Abriss oder andere destruktive Handlungen

3. Bauschuttentsorgung, Problemlösung für Unerwartetes – geht meistens mit 2. oder 4. einher

4. Wiederaufbau – endlich was Schönes sehen! Evtl. weitere Materialbeschaffung

5. Aufräumen, Resteentsorgung und Wiedereinrichten

6. Nochmalige Entsorgung von Dingen, die doch keinen Platz mehr finden

Meine Lieblingsphase ist 1. und am Besten fühle ich mich nach 3. und 6. – wenn also alles Alte und Überholte weg ist. Herrlich!

Heute konnte 5. fast abgeschlossen werden.

Ansonsten bringt der Freitag: Warten Teil II. Die Spermüllmänner waren von 09:30 Uhr bis 12:30 Uhr angekündigt. Um 12:49 Uhr war leider immer noch keiner hier.

Die Tochter eines Schwiegercousins ist aber mit ihrer kleinen süßen Tochter aus Heide zum Schuhekaufen gekommen. Der örtliche Kinderschuhladen ist entzückend und gut sortiert, keine Frage. Aber dass es in Heide nichts Adäquates gibt, ist doch traurig. Auch in Hamburg gibt es kaum noch Schuhläden. Der eine große nur (Görtz) mit seinen diversen Filialen, in denen aber hauptsächlich Mittelmaß (Gabor, Tamaris etc.) steht und zur Wintersaison regalweise mit „vegan – 100% lederfrei “ geworben wird. Natürlich stehen da auch die unvermeidlichen Uggs. Schon wieder. Ob die auch mal wieder unmodern werden? Ich werde dort nur selten fündig. Dann gibt es noch Deichmann, dazu muss ich nichts schreiben – außer: Gibt es da überhaupt Lederschuhe? Selbst die Elefantenkinderschuhe sind so bunt, dass ich bezweifle, dass sich der Lederanteil bei über 10% einpendelt.

Jedenfalls konnte ich nicht mitgehen, weil der Sperrmüll noch nicht abgeholt wurde. Wir konnten sogar später noch gemütlich ein Mittagessen kochen und verspeisen. Als ich die Sache gedanklich schon abgehakt hatte, kamen sie – um 15 Uhr. Ich hatte angenommen, dass dann längst das Wochenende eingeläutet wäre. Aber nein, ich war nicht einmal die letzte Station. Ein netter junger Mann interessierte sich brennend für den Couchtisch, den Verlobungsringersatz. Und er fragte, ob ich den stehen lassen könnte. Sie hätten noch einen weiteren Kunden und danach käme er und würde sich den Tisch abholen. Aber gern, so wird er tatsächlich noch weiter verwendet. Habe ich nicht erwartet. Um halb sechs war dann wirklich alles abgeholt, was weg sollte. Der Keller ist natürlich immer noch nicht leer. Irgendwie beängstigend, was wir ansammeln und lagern. Aber Weihnachtsdekoration, Werkzeug und das Fahrrad müssen irgendwo bleiben. Ich glaube jedenfalls, dass ich keine Anlagen zum Messie habe. Solange ich nicht in den Keller gucke.

Warten

Für heute waren die Bodenverleger angekündigt. Leider habe ich das Datum nicht schriftlich bekommen. Hätte ich es schwarz auf weiß lesen können, hätte es mich ungemein beruhigt. Aber so saß ich seit 8 Uhr bereit und wartete auf die Ankunft. Bis 9 Uhr noch ganz entspannt. So früh muss es ja nicht losgehen. Nicht einmal die Badezimmerbaustelle unserer Nachbarn im ersten Stock war schon hörbar. Aber ab 9:30 Uhr wuchs mein Unmut. Verschiedene Szenarien liefen vor meinem geistigen Auge ab. Die Firma hätte den Termin gar nicht verzeichnet. Oder die Klingel wäre defekt (habe ich geprüft, das war nicht der Fall). Was sollte ich tun, wenn heute niemand mehr auftauchte? An wem sollte ich das auslassen? Unterbrochen wurden diese Gedanken nur von gelegentlichen Bohrgeräuschen aus dem ersten Stock. Die hätte ich auch lieber hier unten gehabt.

Die Folgen des Nichterscheinens wären auch fatal. Denn das Zimmer ist nicht bewohnbar, alle Möbel sind ausgelagert und verteilt. Nicht einmal eine nächtliche Notstätte könnte ich herrichten. Alles steht voll.

Die Schranklieferung war außerdem für den Nachmittag angekündigt. Und diese Firma hat mir den Termin gleich mehrfach bestätigt und sich gleichzeitig entschuldigt, das Vierstundenfenster nicht noch weiter eingrenzen zu können. Ich war der Verzweiflung nahe. Derart unsicheres Warten kann ich nur schwer ertragen. Dafür bin ich zu ungeduldig.

Schon in der Schule konnte ich mit „Warten auf Godot“ so gar nichts anfangen – Absurdes Theater soll das sein. Ja, total absurd.

Ich hatte mir vorgenommen, um 11 Uhr dort anzurufen, und mich zu erkundigen, ob es denn noch losgeht. Aber um 10:31 Uhr wurde ich erlöst: Die Schelle ging!

Nach 15 Minuten war der alte Boden weg und der neue lag in 12 Paketen um Flur. Und der Spediteur rief um 10:50 Uhr an, ob er auch schon um 12 kommen könnte, um den Schrank zu liefern. Geplant war hierfür 14-18 Uhr. Kommen konnte er. Auf die Schnelle habe ich das Schrankzimmer so gut es ging leer geräumt für den neuen Schrank (Zwischenlager). Um 11:30 Uhr war er dann auch schon da, der Schrank und sein Innenleben. Direkt Stress. Auch wenn ich nur koordinierte. Schleppen und schuften mussten andere.

Ich versuchte derweil, die Bügelwäsche abzufertigen. Das hatte ich zwei Wochen immer wieder aufgeschoben. Das rächte sich natürlich böse. So viele Hemden (15) und Blusen (6)!

15:04 Uhr – alle waren fertig. Die Verleger und die Bügelwäsche. Herrlich! Wenn auch weiterhin viel Arbeit da war, denn die Möbel mussten zurück ins Zimmer und das auch bald. Das Chaos ging mir schon ein wenig auf die Nerven. Also ein altes Haus zu kaufen, einzuziehen und alles nach und nach zu renovieren, steht ja ohnehin nicht auf meiner Liste. Das ginge aber wirklich nur ab einer Quadratmeterzahl von 120. Sowas benötigt ausreichend Ausweichfläche, damit der Nervfaktor nicht zu hoch wird.

Am Abend des Donnerstag stehen die Möbel noch nicht wieder an Ort und Stelle. Der Schrankkorpus ist aufgebaut. Und dann wollte ich zunächst das Altpapier entsorgen. Denn wohin damit? In der Wohnung ist es im Weg. Im Keller auch. Und wenn es erst mal im Keller liegt….. Für die ordnungsgemäße Entsorgung musste ich nach Lurup fahren. In der näheren Umgebung waren alle Container voll. Freitag ist Abholung. Und zum Verursacher wollte ich nicht fahren, denn da ist in den Abendstunden zu viel los und ich wollte nicht noch mehr kaufen. In Lurup konnte ich auch gleich noch zum Supermarkt gehen und ein wenig einkaufen – Lebensmittel. Oder besser Getränke, denn da gibt es die größte Auswahl.

Wieder zurück zu Hause habe ich dann entschieden, dass es Zeit für Feierabend ist. Also habe ich den Fernseher eingeschaltet. Im regulären Programm lief nicht viel. Ich habe mich dann mit der Auswahl im Bezahlfernsehen vergnügt. Wenn man bei „Broadchurch“ von Vergnügen sprechen darf.

El color y la bodega

Die Wände sind fertig. Ich habe meinen Teil erledigt. Wenn sich keiner krank meldet, wird Morgen ein neuer Fußboden verlegt. Und ich muss eingestehen, der kommt keinen Tag zu früh. Rund 10 Jahre Kindheit haben den vorhandenen Boden regelrecht ruiniert. Wobei ich das nicht der menschlichen Beanspruchung zuschreibe, denn die war meines Erachtens nicht überdurchschnittlich rabiat. Nein, das überwiegend aus Naturstoffen hergestellte Linoleum, dass wir als ökogesteuerte Hipstereltern eben deshalb als Belag für das Kinderzimmer ausgewählt haben, ist offenbar nicht strapazierfähig. Eine Idee war ja, die intakten Elemente, die wir zahlreich erwarteten, in unser Schlafzimmer zu überführen. Unliebsamere Farbquadrate unter den Schrank zu legen und zum Beispiel nur das in meinen Augen immer noch frische Limonengrün sichtbar zu verlegen. Fehlende Quadrate sollten nachgekauft werden. Nun ist das Fabrikat an sich aber nur noch schwer zubekommen, von den angebotenen Farben ganz zu schweigen. Wir hatten im Vorwege also schon entschieden, dass der Boden entsorgt werden soll. Und spätestens jetzt, nachdem alle Platten sichtbar geworden sind, zeigt sich, dass ohnehin kaum noch welche vorzeigbar sind. Unzählige Dellen und von den Möbeln verursachte Druckstellen, außerdem deutliche Verfärbungen sind nicht gerade ein Zeugnis von hochwertigem Bodenbelag. Die Platten waren nicht günstig, das Preis-Leistungsverhältnis ist also keineswegs eine gute Werbung. Meine Gefühle dafür bewegen sich in etwa auf dem gleichen Niveau wie die, die ich für unseren Naturwollteppich habe, der derzeit noch unseren Schlafzimmerboden bedeckt. Natürliche Materialien in allen Ehren – das reicht nicht! Gerade dort, wo wir schlafen, möchte ich nach wie vor gesundheitlich möglichst Unbedenkliches, keine Frage. Aber eine gewisse Nachhaltigkeit setze ich auch voraus. Und zwar gleichermaßen unter finanziellen wie auch ökologischen Gesichtspunkten.

Hier noch einmal ein Bild eines gut erhaltenen Teils.

Ich weiß leider überhaupt nicht mehr, wie wir zu der Farbauswahl gekommen sind. Das panafrikanische Trio aus Grün, Gelb und Rot, dass in vielen afrikanischen Flaggen das Zusammengehörigkeitsgefühl dieser Nationen zum Ausdruck bringen soll, wird auch außerhalb Afrikas von verschiedenen Ländern als Flaggenfarbe verwendet. Mal sind die Bedeutungen der Farben (Vegetation, Reichtum, Blut) identisch, mal gibt es andere lokale Gründe für die Wahl. Aber die meisten dieser Länder liegen nahe oder unterhalb des Äquators. Es passt also gar nicht zu uns.

Der neue Boden wird bezeichnet mit „oak grege“. Ein seltsames Wortgemisch. Die Eiche erklärt sich noch. Und sie passt auch sehr gut, denn die Eiche gilt hierzulande seit jeher als Nationalbaum. Ihre Bedeutungen in der Heraldik wiegen allerdings schwer, denn sie steht für Kraft, Beständigkeit, Stärke und Königlichkeit. Aber wir treten sie ja nur mit Füßen, wir wollen kein Wappen damit schmücken.

Bei „grege“ wird es wage. Soweit ich es herausfinden konnte, wird es im Englischen so nicht verwendet. Es stammt eher aus dem Französischen und bezeichnet dort den Farbton hellbeige, abgeleitet von der Farbe eines Seidenfadens. Sollte das die Verbindung sein, fehlt jedoch ein accent grave auf dem ersten „e“. Vielleicht sollte ich nicht so streng mit dem Preisschild sein. Aber wenn es um Sprache im Alltag geht, neige ich wohl zur Arroganz. Natürlich bin ich selbst alles andere als unfehlbar. Aber ich zähle meine Ergüsse immer noch zum Privaten. Und sobald etwas öffentlich ist, oder schlimmer noch als Werbung oder Orientierung dient, setze ich einen sensiblen Umgang voraus. Es sollte dann einfach korrekt sein. Oder Sinn ergeben. (Wie auf Bestellung habe ich nun wieder zu schnell getippt und irgendeine Funktion aktiviert. Leider ist die Auswirkung im Schreibmodus nicht sichtbar. Das wird sie erst, wenn ich den Beitrag publiziert habe. Und natürlich hat es sich mir bisher nicht erschlossen, wie ich das wieder korrigieren kann. Alle dahingehenden Versuche waren erfolglos. Vielleicht hat sich der eine oder andere bereits über die sinnlosen Aufzählungspunkte gewundert, die einige Texte durchziehen. Sie sind nur Zeugnis meiner Unzulänglichkeit.)

Ich habe mich früher oft mit einem Jazz-Kenner über die Qualität von Gesang gestritten. Ella Fitzgerald hielt er für eine Göttin des Gesangs. Sicher konnte sie gut singen, aber ihre Texte waren weitestgehend langweilig und allenfalls lyrisch. Sie hat ihre Texte wohl selten selbst geschrieben. Ich mochte und mag Sänger wie Morrissey, Robbie Williams oder Amy Winehouse im Besonderen für ihre Texte. Echte Geschichten exzellent formuliert. Jedenfalls ist diese Liste länger, als die der Sänger, die ihre Stimme außerordentlich gut einsetzen können, aber leider nichts zu erzählen haben.

Ich schweife wieder ab. Seidengraubrauner Boden mit homöopathischem Eichenanteil. Ich freu mich schon.

Außerdem habe ich die Sperrmüllabholung vorbereitet. Im Keller wird es langsam ungemütlich. Kühl und dunkel. Am Freitag aber hoffentlich wieder etwas übersichtlicher. Da wird so einiges abgeholt. Unter anderem eine Schranktür mit Spiegel. Den Spiegel soll ich vorher „abkleben“. Ich muss unbedingt fragen: Warum? Sind die Abholer Vampire und wollen nicht durch ihr fehlendes Spiegelbild entlarvt werden? Oder sind sie abergläubisch und wollen nicht sehen, wie der Spiegel im Schlund zerbricht?

Weiß

Ich habe heute viel weiße Farbe verstrichen. Dabei ist mir aufgefallen, dass mir Weiß wirklich gut gefällt. Schon das Öffnen des Farbbehälters hat Endorphine freigesetzt, so schön war der Anblick. Und das liegt nicht an den Lösemitteln in der Farbe. Auf dem Deckel prangt schließlich ein Umweltengel und das Ökotestsiegel „gut“. Während des Streichens habe ich bewundert, was man damit alles überdecken kann und wie hübsch es dann aussieht. Ich streiche nie wieder was anderes als Weiß auf Wände! Wo ein anderer sagt: „Farbe egal, Hauptsache schwarz!“, muss ich in Bezug auf Wände nun sagen: „Farbe egal, Hauptsache weiß!“

Einzig eine Fototapete hat da noch ihre Berechtigung. Gern würde ich im Tapetenbereich so etwas aufbringen:

  • Aber es ist nicht mein Zimmer und deshalb wird es nur eine weiße Tapete wie bestellt.
  • Die ermöglicht natürlich eine maximale Flexibilität hinsichtlich der Deko. Das ist ja auch nicht zu unterschätzen.
  • Für heute ist Feierabend, ich habe größtenteils im Sirenenlärm des Fussball-Stadtderbys eine Menge erledigt:
  • Löcher zugeschmiert, Tapeten entfernt, 1 Komplettanstrich alle Wände, Fensterbretter lasiert, Tapeten angebracht, Schranktür zerlegt und in den Keller gebracht
  • Der Farbtopf ist leer, jetzt muss ich Morgen sehen, ob es reicht, oder ob ich auf dem Rückweg vom Flughafen noch mehr besorgen muss.
  • An dieser Stelle viele Grüße an die Costa Blanca!
  • Die heißt übrigens so, weil die Tourismusmanager vor über 60 Jahren einen passenden Namen für die Region gesucht haben. Angelehnt an die weiß gestrichenen Häuser und die Lichtverhältnisse, die den Sand am Strand weiß erscheinen lassen in der Provinz Alicante (Stadt des Lichts).
  • Home alone

    So, gestern Abend zwei von uns am Flughafen abgesetzt. Auf dem Weg nach Hause noch im Supermarkt angehalten, um den Kühlschrank singlemäßig zu bestücken. Ungewohnt wenig fand sich daher im Wagen. Dafür war im Markt so viel los! Warum nur kaufen die Leute ein, wenn doch das maximalste Wochenende am Samstag Abend so viele schönere Tätigkeiten ermöglicht? Ist mir ein Rätsel. An der Kasse eine Schlange von rund 25 Kunden und Wagen. Also nicht nur noch schnell der Sekt gekauft. Nein, die Wagen waren voll. Meine Wartezeit wurde wohl in dem Moment nur noch von der Zeit und Schlangenlänge am Ryanairschalter übertroffen. Eine Stunde standen die beiden nun schon dort, konnte ich lesen. Es hat aber dann alles noch geklappt. Wenn auch sehr knapp und nervig. Gut, dass ich nicht dabei war, das ist ja nichts für mich.

    Eigentlich sollte an dieser Stelle mein Baustellentagebuch starten. Sollte doch das Badezimmer ab Montag kernsaniert werden. Leider sind drei Mitarbeiter krank. Deshalb kann es am Montag nicht losgehen. Es klärt sich dann erst einmal, wann denn die Bauarbeiten beginnen können. Wir hoffen sehr, noch im November. Vielleicht kann der Ärger und Frust vom Schlangestehen noch bis zum Telefonat bewahrt werden, um sich nicht erweichen zu lassen, mit einem späteren Startzeitpunkt zufrieden zu sein.

    Für mich bedeutet dass nun, dass ich ins Büro gehe. Insbesondere übernächste Woche werde ich dort auch für die Arbeiten am Quartalsabschluss gebraucht. Meine Kollegin hat die geänderten Urlaubspläne mit einem erleichterten Lächeln entgegengenommen. Da geht es uns wie dem Klempner. Zu Spitzenzeiten ist jeder Verzicht auf Arbeitskraft, ob nun geplant oder unerwartet, nur schwer zu organisieren. Der Urlaub der nächsten Woche ist auf zwei Tage zusammengeschrumpft. Aber an den drei verbliebenen freien Tagen gilt es, eine lange Liste von Aufgaben abzuarbeiten. Das Teeniezimmer muss für die Verlegearbeiten ausgeräumt und gestrichen werden. Der Sperrmüll im Keller muss bereitgelegt werden, damit er abgeholt werden kann. Es soll ja nicht alles weg aus dem Keller. Und schließlich muss auch der neue Kleiderschrank aufgebaut werden.

    Ich bin gespannt, wie es mir dabei ergeht. Ich glaube, ich war noch nie länger als 24 Stunden ganz allein in der Wohnung.

    Das Frühstück jedenfalls ist wenig gemütlich. Da gehe ich lieber frisch ans Werk!