cinis me pelagus

Inselzeit 8.14.2018.2

Die hier veröffentlichten Texte spiegeln im Zweifel ausschließlich meine Meinung wieder. Alle Übereinstimmungen in Bezug auf Verhaltensweisen oder Beschreibungen sind kein Zufall und sind beabsichtigt.

Wem also der Stiefel passt – veröffentlicht ist veröffentlicht.

Ich gehöre dem Opferkreis ja auch an. Aber als eingetragenes Mitglied und stolz darauf!

Flotter Flair

Inselzeit 8.14.2018

Kleidung verrät das Alter. In diesem Jahr fallen mir die Rentner hier besonders auf. Es scheinen sich mehr davon unter die jungen Familien gemischt zu haben. Schon kleidungstechnisch sind sie sofort auszumachen: Sie kleiden sich immer in gedeckten Farben. Selbst modernere Marken wie Ralph Lauren oder Lacoste vertreiben pastellierte unifarbene Poloshirts. In den Superdryladen verirren sich diese Leute gar nicht erst. Geblendet von neonfarbenen Kombinationen und Aufschriften werden sie ferngehalten.

Ein maximales Zugeständnis an den Wandel der Zeit sind die bretonisch, maritimen Streifenshirts, auch auf der Insel erhältlich. Die Farbe darf aber nicht zu progressiv sein – marineblau oder weiß im Grundton, dabei von feinen Streifen durchzogen, welche die gesetzte Eleganz betonen.

Wenn die Kleidung noch nicht reicht, erledigt die weibliche Kopfnote den Rest. Es riecht so, aber wird „Tosca“ noch verkauft? Wenn ja, heißt es wohl weiterhin: Mit Tosca kommt die Zärtlichkeit. Hat meine Oma schon geglaubt.

Einige Modeerscheinungen machen wir ja noch mit, aber um angesagt zu sein, ist unsere Palette sicher auch schon zu festgelegt. Ich trage keine grellen oder bunten Muster. Ertrage ich nicht. Mein heutiges Hemd ist schon das äußerste: Blau mit weißen Punkten. Mag ich auch nicht jeden Tag. Kaufe ich nicht wieder. Uni ist noch immer das Beste. Keine große Aufschrift, höchstens der Markenname, der aber eine gewisse Größe auch nicht überschreiten darf. Im Damensegment ist das auch gar kein Problem. Bei den Herren ist es schon schwieriger. Lesen Männer gern Kleidungsstücke? Viele Marken bedrucken Herren T-Shirts mit Texten unterschiedlichster Art. Da werden historische Ereignisse benannt, Orte gefeiert oder Marken bzw. Produkte abgebildet und beworben. Ist ok, sofern es sich nicht um zweifelhafte Sachen handelt (Camp „Bohlen“ David). Manches amüsiert mich ungemein. Aber Männer: Wollt Ihr das, oder ist die Alternative oft zu umständlich?

Der Samstag:

Schon sehr früh (08:40 Uhr) gab es wie geplant ein Müslifrühstück, weil um 10 Uhr eine Reitstunde anstand.

Gegen 10 Uhr dann die Meldung des Tages:

Der Koffer ist da! Also gleich auf zur niedlichen Poststation beim Edeka. So ein Pappgestell für den Tisch mit Fächern und Schublädchen, mit dem man Post spielen kann, gab es ja schon in meinen Kindertagen. Schön, dass das 40 Jahre später aktueller denn je ist. Eine Pop-Up-Post sozusagen. Ich muss dort am Schalter jedenfalls gleich wieder lächelnd daran denken, wie viel Spaß mir das Sortieren und Stempeln im zarten Alter von 4 Jahren gemacht hat. Damals wollte ich nie der Kunde sein, das wär ja bloß der halbe Spaß gewesen. Heute aber ganz anders, denn heute ist Weihnachten! Heute ist der rote Koffer da!

Er wurde auch gleich ausgepackt und hat fast alle glücklich gemacht! Endlich mehr Unterhosen, Spiele, Saunatücher und das Einhorn!

Inzwischen Willie getauft, war das Einhorn schon am Strand, im Wasser und nun wieder zu Hause.

Bereits nach einer knappen Stunde wurde der Jogger unruhig und brach auf, um zu laufen. Ein bisschen von gestern nachholen und dann das heutige Pensum abarbeiten. Es wollte heute niemand mit. Einige leiden schon bei dem Gedanken daran an akuter Ermüdung und machen heimlich die Augen zu hinter der Sonnenbrille.

Ach so: Vor der Strandeinheit gab es ein feudales englisches Frühstück Schrägstrich kontinentalen Brunch. Heute Abend gibt es ein echt italienisches Vergnügen:

Das war auch wirklich lecker! Anschließend noch: Duschen, Schnaps kaufen beim Lidl und Abwaschen vor dem geselligen Teil des Abends: Ein Brettspiel und dann der dritte Star Trek Film. Ich könnte jetzt ausrufen: Yeah! – der schöne Idris Elba! Leider aber ist er bis zur letzten Viertelstunde bis zur Unkenntlichkeit geschminkt. Dann also: Yeah! der schnuckelige Simon Pegg!

War super- yeah!

Bergfest

Inselzeit 7.14.2018

Eine gerade veröffentlichte Studie beschäftigt sich mit den Folgen des Verhaltens der „Drinnen-Generation“. Wo das Lesen des Landlust-Artikels über die Salzwiesen Norddeutschlands den Urlaub ersetzt und auf der anderen Seite die Hardcorecamper Schwierigkeiten haben, ihre verschrobenen Verhaltensanpassungen in der U-Bahn wieder abzulegen (Bitte auch an Werktagen Socken in den Trekkingsandalen tragen, nackte Füße von Naturliebhabern sind für die Mitmenschen eine echte Herausforderung, mindestens aber zu viel Realität für einen frühen Montagmorgen.

Auf der Insel drehen wir Dank des hervorragenden Wetters die Statistik in die andere Richtung. Von Stunde 8 bis Stunde 18 halten wir uns überwiegend (80%) an der frischen Luft auf. Mit Aktivitäten und allem, was das süße Leben so zu bieten hat für uns. Im Hamburger Alltag entspricht wohl nicht einmal das umgekehrte Verhältnis den Tatsachen. Dort bekomme ich schon einen Sonnenbrand, wenn ich bei Sonnenwetter unvorbereitet 2, 3 Kilometer shoppend unterwegs bin.

Die Einweg-Leerguttasche im Küchendurchgang entwickelt sich zu einer richtigen Plastik (Ha!), die in ihrer zufällig konstruierten Fragilität für vieles stehen könnte: Den Gesundheitszustand der Erde beispielsweise, den wir durch bewusstes Vermeiden und Kaufen bestimmter vermeintlich einwandfreier Produkte zu verbessern versuchen, uns aber gleichzeitig schmerzlich bewusst sind, dass dies weniger als ein Tropfen auf dem heißen Stein bedeutet, solange die unzähligen Schurkenstaaten, allen voran die USA, Russland und China sich einen Dreck um das Wohl des Ökosystems scheren. Ich für meinen Teil kann aber nicht mehr zurück, wenn ich eine Verhaltensweise erst einmal abgelegt oder mir angeeignet habe. In diesem Punkt kann ich nur hinzufügen, nichts mehr löschen. Das trägt natürlich dazu bei, dass ich innerhalb und außerhalb der Familie angreifbarer bin, denn nicht immer stoßen meine gelebten Weisheiten auf Verständnis. Lächerlichkeit ist an der Stelle noch die geringste Folge. Aber wie Sheldon Cooper es so schön ausdrückte: „Was wär das Leben ohne Schrullen!“

Nach dem späten (10:30 Uhr) und wieder ausgiebigen Frühstück kam der heutige Rebus auf den Tisch:

Ein Klassiker! Vielversprechend!

Ansonsten kommen wir heute Vormittag nicht mehr in die Gänge. Joggen und Einkaufen werden auf den späten Nachmittag verschoben. Zuerst Minigolf und dann an den Strand. Minigolf ohne mich natürlich, das ist mir zu langweilig.

Das Einkaufen wird heute eine größere Sache, denn wir fürchten den Neuankömmlingansturm auf den Supermarkt am späten Samstag. Deshalb soll schon heute alles rangeschafft werden. Bis die Bollerwagenachse bricht! Die Schokolade kauft heute auch jemand anderes, denn ich wurde nach einem Kilogramm wiedererkannt und es ist mir etwas unangenehm, keine 48 Stunden später schon wieder Nachschub zu besorgen. Auch wenn es heute nur sein muss, weil man ja nie weiß, was Morgen an Kauflust auf die Insel gespült wird. DDR im Schokolädchen wäre fatal.

Genauso fatal und noch nie da gewesen wäre eine Unterversorgung mit Schokocreme. Die Bremer Creme gibt es wenigstens mit Haselnüssen und wurde für „ok“ befunden. Das Ostprodukt stand gestern auch noch sechsfach im Regal. Aber wenn nun viele heimatverbundene Gäste kommen am Samstag? Wie mein Geschichtslehrer schon 1988 vor dem Klassenausflug sagte: „Nehmen Sie genug Lebensmittel mit – nicht, dass die Ostzonalen uns alles wegfressen.“ Sowas darf sich heute sicher kein Lehrer mehr leisten. Das gäbe einen Aufruhr.

Sind der Respekt und das Heraufschauen zum Lehrkörper eigentlich im gleichen Maße gesunken wie die Aufsässigkeit und die mangelnde Ehrfurcht gestiegen sind?

Ich hatte früher von allem etwas. Je nach Lehrer hatte ich Respekt oder eben nicht. Wenn ja, habe ich mich gut benommen und gespurt. Wenn nein, war ich nicht die einzige, die so empfand und der arme Mensch hatte ganz schön unter uns zu leiden.

Genug der Abschweifung.

Mittags ging es zum Minigolfen. Ohne Muddis, die hätten sich, wie bereits ausgeführt, bloß gelangweilt. Hätte ich einen Garten, könnte darin neben einem Zen-Sandkistchen gern eine Minigolfanlage installiert werden. Sparte die Rasenpflege (die Wege würde ich anders auslegen, Kies vielleicht, das knirscht so schön). Und wenn daran alle so viel Spaß haben, wie sie im Urlaub immer behaupten, könnte man jeden Abend trainieren. Wo der Spaß herkommt, weiß ich nicht, aber ich finde, so eine Anlage versprüht unheimlich viel desolaten Charme: Ausgeblichene Kunststoffteile, eingerissene Netze, rostige Metallteile und die unvermeidliche Schrabbelspur vom jeweiligen Abschlag. Ich stelle es mir ganz witzig vor, diesen Anblick von der Terrasse aus zu bewundern. Fast wie in Banksys Dismaland. Das hätte ich auch zu gern besucht. Es war aber leider wie die Werke vieler neuzeitlicher Künstler nur von begrenzter Dauer.

Die fünf waren ganz schön lange weg, über die Dauer eines Nickerchens im Garten, die Restlaufzeit der Waschladung (die dann unter idealen Bedingungen im Garten trocknete, weil niemand mit gesundem Menschenverstand den Trockner einschaltet und das Haus verlässt), der Fahrt über die Apotheke inklusive einer kurzen pharmazeutischen Beratung, des teilweisen Aufbaus des Strandlagers, eines tiefgreifenden Gespräches und der Abwägung, ob der Gang ins Strandbüdchen lohnt oder nicht.

Die heutigen Köche hatten dann die A-Karte gezogen: Sie haben den Monstereinkauf zu zweit bewältigt. Allerdings irgendwie freiwillig und als ich nach Hause kam, war der Kühlschrank sehr voll! Schön, dass wir noch so viele Tage vor uns haben. Es schleicht sich ja schon immer etwas Wehmut ein, wenn die Tage gezählt sind und nicht mehr nach Lust und Laune eingekauft werden kann, sondern es ans Resteverwerten geht.

Während ich schreibe, weht ein BBQ Duft herüber und der Tisch füllt sich mit leckeren Speisen wie zweierlei Nudelsalat und einem exotisch anmutenden blattgrünen Salat mit Erdbeeren. Außerdem erklingt kubanische Musik und ich lege erstmal eine Pause ein.

Satt und zufrieden sind wir ins Wohnzimmer umgezogen. „Draußen“ heute also bis 19:30 Uhr, aber dann wurde es etwas kühl.

Es wurde auch entschieden, heute Star Trek Teil 2 zu gucken. Supi – der Cumberbatch und seine bösewichtigen Monologe. Es geht zwar nicht im Original, aber Sascha Rotermund ist eine würdige Synchronstimme.

Es dauert allerdings noch etwas, denn die Jogging-Einheit hatte heute noch keinen Platz, die wird noch vor dem Hauptfilm nachgeholt.

23:30 Uhr – alles erledigt !

Morgen auf ein Neues!

Kopiert: Mein Leben in Logos

Inselzeit 6.14.2018

Beim Bummel durch die Borkumer Shoppingmeile sind mir zwei alte und offenbar wiederbelebte Markennamen aufgefallen. Das hat mich an die wunderbare Zeitschrift „JWD“ erinnert. Dort gibt es eine Rubrik, die einen jeweils Prominenten anhand der Logos seines Lebens portraitiert. Tolle Idee!

Kommen wir auf eine gemeinsame Logo-Markennamen-Chronologie, oder sind die wenigen Jahre Altersunterschied hier ein Hindernis? Und welche Rolle spielen die Geschlechter? Ich will es mal mit mir versuchen. Chronologisch.

Playmobil:

Eine lebhafte Erinnerung habe ich an das Weihnachtsfest 1980. Es gab den Playmobil Bauernhof. Viele Jahre habe ich damit gespielt. Es folgten auch noch weitere kleinere Sets, die unsere Kleineplastikmännchenwelt bereichert haben, aber der Bauernhof war stets das Zentrum allen Geschehens.

Europa / Karussell

Hörspiellieferant, der mir die unzähligen einsamen Stunden am Sonntagmorgen versüßt hat, wenn meine Bücher gelesen waren und die übrige Familie immer noch schlief. Und die unbändige Freude, wenn ich das Abspielgerät nach der Rückkehr aus dem Sommerurlaub endlich wieder in Betrieb nehmen konnte!

Sparkasse

Als Inhaber eines Knax-Klub-Kontos habe ich mich immer auf das neueste Knaxheft gefreut. Blöde Geschichten, Gags von geringer Qualität, aber gratis und nur eine Straßenüberquerung entfernt! Und zum 31.Oktober eines Jahres ein minderwertiges Geschenk abgreifen für das Ersparte. Das Schweinderl war gar keins und musste erst noch von meinem Opa notdürftig gefüllt werden, weil ich vom Sparen noch nie viel gehalten habe.

Benetton

Meine ersten Erfahrungen mit Gruppenzwang und dem Verlangen, dazuzugehören hat mir der Pullover mit dem Benetton-Schriftzug beschert. Es gab auch einen Riesenkrach mit meiner Mutter, als meine Pickelcreme eine Stelle am Kragen entfärbt hatte und ich das gute Stück in der Maschine färben wollte, aber nicht durfte. Hab’s dann im Eimer gemacht.

Lufthansa

Meine ersten bewussten Flüge (an den Urlaub 1979 in Bulgarien und den Flug dorthin habe ich nur bruchstückhafte Erinnerungen) hat die Lufthansa durchgeführt. Zunächst ging es etwa fünf Mal nach München und zurück. Das war ab 1992, als meine Schwester nach München gezogen war und ich gemerkt hatte, dass das Fliegen nicht teurer war als die sechsstündige und recht einsame Zugfahrt. Der Billigflug war geboren. Für 99 Mark hin und zurück! Ich war ein echter Fan der Lufthansa, zumal sowohl meine Schwester als auch ich beide Ambitionen hatten, für die Lufthansa zu arbeiten. Wir haben aber gleich nach den Sternen gegriffen und wollten Fluglotse oder Pilot werden. Für die Flugbegleitung hätte mein Grips vielleicht gereicht, am Eignungstest für eine Tätigkeit mit längerer Ausbildung bin ich gleich in der ersten Runde gescheitert. Nur Englisch zu sprechen reichte nicht. Es gab zu der Zeit aber eine tolle WDR Reportage über den Frankfurter Flughafen. Darin sagte eine Ausbilderin den Begleiteranwärtern: „Sie haben den schönsten Beruf der Welt gewählt, Sie werden jeden Tag die Sonne sehen!“

Alfa Romeo

Ich habe für den 147er und auch für die Giulietta mehr Emotionen aufbringen können, als jetzt für den Q2, obwohl ich den auch sehr mag. Aber der Markenname aus Italien weckt wesentlich mehr. Und sieht auch schöner aus. Und es fühlt sich viel besser an, sagen zu können: „Ich fahre einen Alfa“ als „Ich fahre Audi“. Vielleicht stellen die ja in ein paar Jahren wieder mal was passendes her. Im Augenblick ist das nicht der Fall und der Händler um die Ecke ist alles andere als empfehlenswert.

Apple

Im Jahr 2002 bekam ich meine letzte Eigenheimzulagenrate, weil ich noch keinen Ring am Finger trug. Ich habe dann überlegt, wie ich das Geld unter die Leute bringe. Sollte es ein IPod sein? Der neueste Streich auf dem Markt – so ein winziges Gerät mit unfassbar viel Fassungsvermögen. Es wurde dann aber ein Rudergerät. War auch cool. Kurz danach gab es über den Prämienverkauf der Firma aber die Möglichkeit, einen IPod Shuffle zu erwerben. Habe ich insgesamt 5 Mal gemacht. Von da an war Apple nicht mehr wegzudenken aus dem Alltag. Später gab es einen IMac, der hat mich überhaupt nicht überzeugt, aber er war hübsch anzusehen. Noch viel später habe ich ein Jahr gespart und dann 2013 ein IPad gekauft. Seit dem bin ich den Produkten verfallen und es gibt in dem Bereich keine Alternative mehr. Auf dem Handysektor habe ich Umwege über Siemens, Samsung und Nokia genommen, bis ich dann endlich auch so ein formvollendetes Gerät mein Eigen nennen durfte. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist aber leider immer noch eine Zumutung.

Hachez

Spätestens seit wir 2001 unsere Verlobungsreise nach Bremen unternommen und im Hachezladen am Rathaus Schokolade von feinstem Geschmack gekauft haben, war diese Marke aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Nach wie vor der leckerste Luxus, der für einen fairen Preis zu haben ist.

Das Inselleben plätschert vor sich hin. Heute Morgen ein sehr entspannter Start. Frühstück erst wieder um 10 Uhr und bis dahin war auch kaum jemand aktiv.

Der Tagesverlauf wird uns in unterschiedliche Richtungen treiben. Eine Familie wird das Schwimmbad aufsuchen, die andere den Ortskern (Lesestoff und Schokolade kaufen). Zwischendurch fahren alle mit dem Fahrrad, teilweise zum Spaß, teilweise zielgerichtet.

Die Waschmaschine läuft, die Spülmaschine auch.

Während die Kinder uns ausgesperrt haben, um ihren heutigen Menüplan zu erstellen, sitzen wir auf der Terrasse und lesen und spielen (digital). Auch hier ist auf unseren Barden Verlass: Zu jeder Situation stimmt er ein Liedchen mit passendem Text an!

Herausgekommen ist folgendes Gericht:

Klingt vielversprechend!

Der Nachmittag plätschert nicht einmal mehr, er mäandert nur zart.

Ein Nickerchen, von Loungeklängen untermalt und wieder viel Lesen. Der Abkömmling zieht sich eine Filmempfehlung rein: Percy Jackson. Habe ich auch noch nicht gesehen, steht schon eine Weile auf meiner Liste.

Kurz vor 18 Uhr bahnt sich der Hunger langsam seinen Weg. Hoffentlich kommen die Schwimmer bald zurück und die versammelte Jugend kocht ein schmackhaftes Curry. Oh, da habe ich „Curry“ direkt richtig geschrieben. Bei bestimmten Wörtern habe ich nämlich sicher Legasthenie. Meist fange ich an: Cyr… Ebenso bei „Archivierung“ Ausnahmslos schreibe ich: Archiverung, bevor der rote Unterstrich mich deutlich mahnt, es so auf keinen Fall stehen zu lassen.

Das Curry war sehr lecker und weil wir alles fein aufgegessen haben, scheint Morgen auch wieder die Sonne!

Nach dem Essen wurde Star Trek geguckt. Spaß mit Schkotty und Schpocky. Wenn keiner Alpträume hat, werden wohl auch Teil 2 und 3 folgen und das hieße: Ein Wiedersehen mit Benedict Khan Cumberbatch! Mal sehen, wie lange die Mädels noch bei der Stange gehalten werden können.

Hello

Inselzeit 5.14.2018.2

Nachtrag: Um 22:10 sind alle in ihren Schlafräumen. Schon wieder alle so müde, jedenfalls müde genug, um bereitwillig den Gemeinschaftsraum zu verlassen. Außer dem Größten unter uns. Er rätselt noch eifrig weiter und lässt Adeles „Hello?“ unbeantwortet.

Unterhaltende Unterhaltungen

Inselzeit 5.14.2018

Die Insel ist ja voller Rheinländer. Da ist es nicht zu verhindern, Zeuge der einen oder anderen Skurrilität zu werden:

„Ker, watt is datt dann – ich find mein Geld nich.“

„Kumma da, hat die Omma Dir nich jesacht, datt de das lassen sollst!“

„Hömma, da gehn wa gleich wacker nachem Häusken, woll.“

Für die Menschen auf Borkum sicher längst Normalität. Für mich fast so exotisch, wie kleinen britischen Kindern zu lauschen. Irgendwie süß. Zumal die hier zwar überall sind, aber eben nicht im Geusenweg 4.

Leider ist es mir nicht möglich, meine eigenen sprachlichen Eigenheiten aufzuschreiben. Ich höre sie schlichtweg nicht. Das ist sehr schade. Ich biete sicher auch Angriffsfläche. Und dann könnte ich weiter an mir arbeiten. Korrekte Weil-Sätze und korrekte Antworten auf verneinende Fragen sind inzwischen selbstverständlich für uns. Mit letzteren können wir die Mitmenschen außerhalb unserer sozialen Gruppe noch immer verwirren.

Heute bin ich schon um sechs aufgewacht. Es deutete sich bereits sechs Stunden vorher an: Halsweh und ein Schnupfengefühl. Ätzend. Vielleicht fehlte gestern doch der Gin?

Die voreingestellte Wettervorhersage verheißt weiterhin nur Gutes: 20 Grad und Sonne. Wo die Temperatur gemessen wird, ist mir allerdings ein Schleier, es wird deutlich wärmer, auch im Schatten. Aber ich klage nicht wirklich, habe ich doch heute sogar mein schwarzes Shirt angezogen. Irgendwann muss ich ja, denn die Auswahl ist naturgemäß begrenzt. Einer trägt hier bislang nichts anderes – harter Kerl!

Bevor es im Programm weitergeht, das heißt noch weitere Personen auf der Bühne erscheinen, lese ich mein analoges Strandbuch weiter. Liegt vielleicht an der Urlaubsstimmung, aber es ist wirklich gut. Die letzten Wochen in Hamburg konnte mich nichts so recht begeistern (außer der American Hero). Jedenfalls ist der „Memory Man“ von David Baldacci spannend und gut erzählt. Der Titel ist eher blöd und es klebt so ein Aufkleber auf dem Cover, der mir mitteilt, dass dieser Autor schon einmal einen Platz auf der Bestenliste einer Zeitschrift landen konnte, deren Autoren es regelmäßig nicht schaffen, mich bei der Stange zu halten. Sie können sich nicht kurz fassen, obwohl die meist hochpolitischen Inhalte dringend eine klare und knappe Aufbereitung nötig haben, damit sie gern gelesen werden. Ich fühle mich beim Lesen immer gleich belehrt und kann mich der Arroganz, die die Texte immer ausstrahlen, nicht erwehren. Gekauft habe ich das Buch trotzdem, weil Herr Baldacci mich schon zweimal überzeugen konnte. Er enttäuscht mich auch diesmal nicht. Der Protagonist ist ein ziemlich derangierter ehemaliger Detective, dem das Leben übel mitgespielt hat. Solche Typen sind mir immer gleich sympathisch, besonders wenn sie noch dazu intelligent sind und einen leicht morbiden Humor haben. Bei den skandinavischen Ermittlern fehlt es mir oft an der Stehaufmännchenmentalität. Die suhlen sich meist in ihrem Elend und lassen sich immer so leicht von ihrem Fall ablenken, wenn die Verlockungen des Alkohols oder anderer Rauschmittel ihren Weg kreuzen. Oder sie verbreiten den ganzen Fall hindurch so eine depressive Stimmung, dass es mich immer derart runterzieht, dass ich hinterher keinen Krimi, sondern etwas lustiges lesen muss. Im Prinzip lasse ich inzwischen die Finger von den skandinavischen Krimireihen um eine solche Hauptfigur herum.

Beim heutigen Frühstück mit Brötchen und Pancakes! nahm unsere Konversation den Weg von Ovids Metamorphosen über Kingsman bis hin zu Herrenhaarschnitten. Leider verfüge ich nicht über ein so gutes Gedächtnis, dass ich mir diese Entwicklung im Detail besser merken kann. Daraus ließe sich sicher eine gute Geschichte schreiben.

Mittags wurde gedöst, gelesen und gespielt (digital). Nach dieser Einheit sind wir alle zum Oststrand gefahren. Vor Ort trennte sich sogleich die Spreu vom Weizen: Eine Familie suchte den Schatten, die andere die pralle Sonne. Ein Snack wurde aber von allen im Schatten eingenommen.

Der Strandspaziergang führte ob der schutzlosen weiten Fläche dann zur endgültigen Trennung. Für die Islandliebhaber oder Jammerlappen bedeutete es Abbruch und Rückkehr zur textilbedeckten Zivilisation. Schnell noch ein paar Dinge einkaufen und das Essen vorbereiten! Auf die Strandläufer wartend konnte einer von uns sogar noch mehr Textil in Form einer Jacke anlegen, weil das Klima auf der Terrasse so herrlich war!

Gegen sieben dann das Abendessen:

Als alle satt und zufrieden waren, kam die unvermeidliche Frage: Spielen wir was? Und ja, es folgten zwei Runden SkipBo. Die Muddis haben gelesen. Mein Buch ist nun ausgelesen. Ich muss Morgen nach Teil zwei im Buchladen suchen. Hoffentlich erfolgreich – diese 🐷 🐷 vom Verlag – haben gleich eine Leseprobe eingeheftet. Die haben mich in der Hand. Buchstaben können einen Suchtfaktor haben.

Ich bezweifle, dass noch ein Film geguckt wird. Und wieder kein Alkohol.

Wann kommt endlich unser Koffer mit zwei Büchern? Wenn er noch kommt, dann wird es wie Weihnachten: Einhorn, Unterhosen, Bücher, Saunazubehör, Pürierstab. Vielleicht noch mehr, ich bin nicht Amos Decker (Ermittler siehe oben) und habe nicht alles im Gedächtnis gespeichert.

Kassengebahren

Inselzeit 4.14.2018

Einkaufen – eine Tätigkeit der zivilisierten Gesellschaft, die dringend effektiver gestaltet werden sollte.

Erscheint es nicht furchtbar aufwändig und wenig sinnvoll, erst alle Artikel in den Wagen zu legen, sie dann an der Kasse wieder alle auf das Band zu drapieren, schon währenddessen darauf achten zu müssen, dass schwere Gegenstände keine empfindlichen beschädigen (wer will schon eingedrückte Pfirsiche oder Joghurtdeckel), anschließend nimmt die in 80% der Fälle weibliche Kassiererin alles auch noch einmal in die Hand, ich lege alles wieder in absteigender Gewichts- und Größenreihenfolge in den Wagen zurück, am Auto oder manuell muss wieder alles sorgfältig verstaut und dann nach Hause transportiert werden, um zuletzt ein sechstes Mal berührt, im häuslichen Zwischenlager verstaut zu werden und auf Verwertung zu warten? Sehr lästig.

Selbst in Hamburg habe ich keine echte Alternative. Liefernlassen kann ich nicht von jedem Supermarkt. Außerdem habe ich in dem Fall keine Kontrolle über den angemessenen Umgang mit meinen Einkäufen. Ich kann noch nicht einmal auswählen, welche Gurke ich kaufe. Das geht also nicht.

Amazonläden gibt es noch nicht in Europa, glaube ich. Die Idee finde ich aber recht charmant: Alles einladen und direkt zum Auto. Bezahlen auch ohne Kontakt zu Menschen oder dem Portemonnaie. Dabei würden schon einmal zwei Bewegungsvorhänge eingespart. Aber um welchen Preis? Vielleicht wäre es doch unangenehm, dem amazonschen Junktim vollkommen ausgeliefert zu sein. Heute kann ich während des Einkaufsprozesses noch ganz gut ausblenden, inwieweit alle meine Bewegungen überwacht und gespeichert werden.

Ich muss wohl weitermachen wie bisher.

Hier auf der Insel ist aber die Geschwindigkeit, mit der kassiert wird, einem Entspannungsurlaub angemessen. Anders als ich es aus Hamburg gewohnt bin, arbeiten hier alle im britischen oder dänischen Stil. Mit gemäßigter Geschwindigkeit und es wird auch schon mal der eine oder andere Artikel kommentiert: “ Der oder das ist aber wirklich lecker oder hübsch oder günstig – ne!“. Eile ist zu keinem Zeitpunkt geboten.

Nun aber zum Inselgeschehen:

Waschen gehört hier mehr noch zum Tagesablauf als im Alltag. Ich muss zugeben, ich fürchte mich ein wenig vor den möglichen Folgen eines Maschinenschadens, insbesondere durch die Koffersituation.

Aber zum Waschen gehört auch immer das Trocknen und deshalb muss ich mal die Frage stellen: Wer entwickelt eigentlich die Fusselsiebe in Wäschetrocknern? Verschiedene Personen wahrscheinlich. Aber wer das auch sein mag: Versagen auf ganzer Linie und das schon immer. Die Dinger sind IMMER schlecht zugänglich, umständlich zu öffnen, meist mehrteilig, so dass ich zur Entleerung eine Ablagefläche brauche, oder sie sind mit einer Sollbruchstelle ausgestattet, die mich zu viele Nerven kostet. Es kann doch nicht so schwer sein, hier etwas besseres zu bieten. Wo sind die engagierten Produktentwickler, die die moderne Hausfrau schon seit über 50 Jahren glücklich machen sollen? Wenigstens sehe ich keine Werbefilmchen oder Plakate, die mir hierzu etwas anderes vorgaukeln.

Nach zwei Exxpress-Ladungen, die Bosch ohne zu murren bewältigt hat, startete das Frühstück erst gegen 10 Uhr. Wir haben alle schön ausgeschlafen. Am Tisch wurde zunächst eine kurze Platzwechseldich-Choreografie dargeboten. Es galt zu klären, wer in der Sonne sitzen muss und wer schattengekühlt frühstücken darf. Die selbstlosen Männer der Runde haben erst den Schirmstandort optimiert und die Sache dann unter sich ausgemacht. Nach der Frittataorgie am Vorabend heute ohne Rührei. Das Frühstück, nicht die Platzverhandlungen.

Der Rebus des Tages:

Geilomat! Ganz ironiefrei – endlich wieder Fleisch! Mehr Eisen und dann übermannt mich die Müdigkeit auch nicht vor 23:30 Uhr. Wie jedes Jahr wird mein Biorhythmus erst etwa zum 25.7. im Urlaubsmodus sein und Montag, der 30.7. insofern ein harter Tag.

Wie an den beiden letzten Tagen, lief die weitere Tagesprogrammplanung sehr gemächlich ab. Niemand hat nach großen Unternehmungen verlangt. Es ging bislang nur darum, welche Shoppingziele auf dem Weg zum Strand noch abgearbeitet werden. Unsere Ergebnisse können sich nach rund 20 Ladenöffnungsstunden (Obacht: kurfreundliche Mittagspause) durchaus sehen lassen:

2 Badehosen, 3 Shorts, 2 T-Shirts, 3 Pullover, 1 Jacke, 1 Ring, 1 Jeans, 1 Unterhose

Und der Rubel rollt sicher noch weiter. Wenn nicht für bleibendes, dann für Luxusartikel wie Hachez-Schokolade oder Spirituosen.

Anschließend also zum Strand. Dort kam ich ziemlich verschwitzt an. Aber schon nach wenigen Minuten kam eine mittlere Brise auf, die wunderbar abkühlte. Eine Teilmenge von uns ist dann zum Wasser gelaufen und hat dort eine Stunde verbracht. Die verbliebenen drei haben gelesen und gedöst. Danach habe ich auf dem Weg nach Hause noch ein paar kleine Besorgungen erledigt und bin mit – huuiii – Rückenwind nach Hause gedüst.

Es gab heute zum Abendessen leckere Burger. Der Herr über den Grill hatte die Flammen voll unter Kontrolle, es gab keinen Flächenbrand auf dem steppengleichen Rasen. Auch der Schirm ist nicht geschmolzen, wie ich fürchtete, ich alter funk (keine deutschen Schimpfworte hier).

Nach dem Essen wurde gespielt – endlich die „Werwölfe“. Alle haben mitgemacht und alle Schuld wurde beglichen. Ich wüsste gern, ob die Kinder unsere Spielweise ok fanden oder eher peinlich. Wir haben ja immer zu viel gelacht.

Im Anschluss gab es nach kurzen Verhandlungen „Guardians of the galaxy volume 2“. Wie bei den guten Animationsfilmen gab es kinderkompatiblen Brachialhumor gespickt mit Gags, für die man schon ein paar Lenze mehr zählen muss. Sehr schön!

Heute ist Tag des Emojis, habe ich gehört. Deshalb schließe ich mit dieser Zusammenfassung:

🥐🛍🏖🍔🎲🎬😴

Sameign

Inselzeit 3.14.2018.2

Sameign = isländisch für „gemeinsamer Besitz“

Unser gemeinsamer Besitz sind ja unsere gemeinsamen Erinnerungen. So auch die im Urlaub gesammelten.

Der Montag startete sehr gelassen. Es waren alle früh wach, weil der Sonntagabend ohne Alkohol und ohne visuelle Herausforderungen recht früh beendet wurde. Moment – das klingt wie eine logische Folge. Nein, wir haben Spieleklassiker gespielt, gelesen und uns bestens amüsiert. Ein gelungener Abend. Wir waren einfach früher müde.

Heute am Morgen also früher wach. Einer joggte, ein anderer ließ sich massieren und das Frühstück deshalb erst gegen 10.

Während der Mahlzeit ließ sich feststellen, dass wir inzwischen auch viele generationenübergreifende Erinnerungen teilen: Gespräche über die Dreifaltigkeit der Bücher und Filme und Musik sind kein Problem. Finden wir zwar nicht alle die selben Sachen super (Achtung Alliteration), so können wir doch über die meisten Gags zusammen lachen. Für jeden ist etwas dabei. Selbst beim Tschick.

Die Teenager sind bislang auch sehr tolerant gegenüber der musikalischen Untermalung. Aus der Richtung kamen noch keine Klagen. Vielleicht zeigt jahrelange Prägung Wirkung, vielleicht sind sie sich auch der Aussichtslosigkeit bewusst, die derlei Anstrengungen auszeichnen dürften. Am Ende singt nur wieder einer laut zu Ende, was ein anderer abwürgen wollte.

Das heutige Abendessen wurde enträtselt, hat aber noch keine Begeisterung ausgelöst. Doch satt und zufrieden nach dem Frühstück war das wohl nicht zu erwarten.

Was ist noch passiert? Radeln, Shoppen, Strand und Terrasse. Alles, was den Urlaub ausmacht!

Heute Abend gab es noch einen Film, in dem die Guardians alle mindestens einmal zum Lachen gebracht haben.

„Lasst uns mehr Flüssigkeit in unsere Körper füllen! Wir sind Groot!“

Gute Nacht 😘

Eign

Inselzeit 3.14.2018

„Eign“ = isländisch für „Besitz“

Von Anbeginn meiner medialen kapitalistischen Existenz, also mit dem Erlangen meines ersten Kassettenrekorders zum Weihnachtsfest 1983 hatte ich großes Vergnügen daran, Kassetten mein Eigen nennen zu dürfen. Zunächst habe ich mir „???“ und „TKKG“ und „Fünf Freunde“ schenken lassen. Ich habe mir weder welche von Freunden geliehen, noch hätte ich meine aus der Hand gegeben. Es war schließlich stets zu befürchten, dass unsachgemäße Behandlung einen Kabelsalat zur Folge gehabt hätte. Außerdem hätten Entleihungen eine schmerzhafte optische Lücke in das liebevoll arrangierte Regalfach gerissen. Jeder Neuzugang musste schließlich wohl überlegt einsortiert werden.

Dann bekam mit den Jahren die Musik eine größere Bedeutung. Welchen Aufwand ich betrieben habe, um das Tape des Monats zusammenzustellen! Erst recht stümperhaft mit zwei aneinander gestellten Rekordern. Diese Aufnahmen hatten durch die unvermeidlichen Nebengeräusche einen unwiderstehlichen Charme. Später mit dem luxuriösen Doppeldeck (auch mit Autoreverse-Funktion, die meine Schwester nicht nur einmal in der Nacht in mein Zimmer kommen ließ: „Wenn Du noch EINMAL diese Sch…kassette anmachst, bring ich Dich um!“ Ich bin ja immer gleich eingeschlafen. Geht mir noch heute so. Hinlegen und einschlafen). Was für eine Freude, wenn der Moderator den Song mal ansatzweise ausgespielt hat.

Ich habe die Tapes so oft gehört, dass ich noch heute genau weiß, welcher Song folgt, wenn ich einen Oldie wie Laura Branigans „self control“ im Radio höre – das war „such a shame“ von Talk Talk.

Darauf folgte eine Zeit, in der ich das Besitzen von Platten mit meiner drei Jahre älteren Schwester geteilt habe. Sie hat sie gekauft, ich sie kopiert. So hatten wir auch gleich was für die langen Autofahrten in die Urlaube. Die Italiener und Franzosen haben nämlich immer nur gequatscht und viel zu selten Musik gespielt. Verstanden haben wir davon seinerzeit auch nicht viel.

Mit der Konfirmation 1990 und dem daraus resultierenden Geldsegen bin ich aus der Hörspielwelt für einige Jahre ausgestiegen (die Kassetten habe ich aber nie wegsortiert und durchaus noch, wenn auch seltener, gehört). Ich habe eine Hitachi-Kompaktanlage gekauft. Mit Kassettendeck und CD-Spieler. Eine Vinyl-Platte habe ich nie besessen. In Bremervörde gab es nur zwei Läden mit unterschiedlicher, aber leider sehr überschaubaren Auswahl an CDs. Meine erste CD war „Welcome to the beautiful south“ von „Beautiful South“:

Ich kannte die Band nicht, aber das Cover hat mich gleich angesprochen. Glücklicherweise kam die Musik einer Offenbarung gleich. Derartige Musik hatte ich noch nicht gehört und die Texte haben mich restlos begeistert! In diesem Augenblick haben sich die geschmacklichen Wege meiner Schwester und mir vorerst getrennt. Sie konnte und kann bis heute meistens nicht viel mit dem anfangen, was ich mag. Sie hat viele Jahre später „Tropic Thunder“ gesehen und mich nach dem Kinobesuch angerufen: Das sei ein total kranker Film, der würde mir sicher gefallen. Was soll ich sagen: „Tropic Thunder“ ist ein Geniestreich und einer der besten Filme meiner letzten Dekade. Aber mit dem Alter nähern wir uns wieder an. Immer öfter mögen wir dieselbe Musik und auch die Schnittmenge der Filme wird wieder größer.

Ab meinem 15. Lebensjahr bin ich also immer mal wieder in die große weite Welt namens Bremen (Ostertorviertel) und Hamburg (Michelle Records am Hauptbahnhof) gefahren und habe mir viele CDs gekauft. Die Sammlung wuchs und die entsprechenden Regale wurden gewechselt.

1995 kam der Umzug nach Hamburg. In meiner ersten Zeit der Ausbildung habe ich viele Abende allein in meinem 17qm-Appartement verbracht. Der Zimmerantennenfernsehempfang brachte es nur auf fünf Programme. ARD, ZDF und N3 recht akzeptabel, SAT1 und RTL mit Schneegriesel alle drei bis fünf Minuten, wenn die U-Bahn am Fenster vorbeifuhr. Dankenswerterweise lag auf dem Weg vom U-Bahnhof und der Wohnung eine Videothek. Ein Rekorder wurde angeschafft und nachdem das entstandene Loch in der Kasse wieder einigermaßen gestopft war, habe ich auch gern mal in der Grabbelkiste gewühlt und die eine oder andere Videokassette gekauft. Zu oft waren die sehenswerten Filme nämlich gerade alle ausgeliehen, wenn ich danach gefragt habe. Das hat tierisch genervt. Zu meinem stolzen Besitz konnte ich so unter anderem folgende Werke zählen (alles Filme, die im Movietrack meines Lebens eine wichtige Rolle spielen):

Pulp Fiction, Die Maske, Der letzte Kaiser, Der Club der toten Dichter, Forrest Gump, Die Truman Show, Toy Story.

Das ist die Auswahl der Filme, die ich unzählige Male gesehen habe, einfach weil ich es konnte. Für aktuelleres bin ich dann oft ins Kino Mundsburg gegangen. Bis zum möglichen Kauf der Kassette vergingen ja noch viele Monate.

Im Jahr 2000 haben wir dann gemeinsam erst unsere Videokassettensammlung zusammengelegt: Es gab so viele Doppelexemplare auch im Musiksektor (siehe Beautiful South), dass wir unsere Zusammenkunft schnell als Bestimmung, mindestens aber mediale und humoristische Seelenverwandtschaft ansehen konnten. Im Frühjahr 2000 haben wir einen DVD-Spieler angeschafft. Zum Kauf dazu gab es zwei DVDs. Wir wählten: „Payback“ und „Verhandlungssache“. Der Grundstock unserer Sammlung, die zu Spitzenzeiten rund 800 Scheiben umfasste, Serien als je 1 Scheibe gerechnet.

Wir haben es beide genossen, DVDs und CDs zu besitzen. Sie jederzeit nutzen zu können, weil sie zu jeder Zeit verfügbar waren. Letztlich durch die Familienerweiterung haben wir die vielen bunten Kunststoffboxen dann mehr und mehr aus dem Sichtfeld verbannt (Stichwort FSK). Gekauft wurden immer noch viele Scheiben. Das streamen war irgendwie noch nicht 100%ig zufriedenstellend: Was tun bei Netzproblemen oder im Urlaub mit veralteter Technik und schwachem Empfang?

Vor etwa einem Jahr kam für mich der Sinneswandel. Das Mobiltelefon bot so viele Funktionen und Möglichkeiten, dass der analoge Besitz nicht mehr als das einzig Wahre erschien.

Bücher: An jedem Ort und zu jeder Zeit den nächsten Band runterladen! Sofort weiterlesen! Kein schweres gebundenes Buch mehr in der Hand balancieren!

Musik: Nur einzelne Lieder kaufen, nicht das ganze Album. Im Bereich Filmmusik war das bis dahin kaum möglich. Alte Raritäten finden, die niemand mehr im Regal hat.

Filme: Amazon TV und Netflix hielten Einzug. 18 Monate später nicht mehr wegzudenken. Jedenfalls nicht für mich.

Insbesondere diese beiden Dienste haben mich überzeugt, dass ich Filme nicht kaufen und besitzen muss. Die wenigen herausragenden, die ich sicher mehrfach ansehe, kann ich kaufen. Aber die große Masse nicht mehr. Unsere Sammlung von Scheiben ist auf zwei Zehntel geschrumpft. Es störte mich auch nicht mehr, Scheiben wegzugeben. Die standen nur noch herum und es ereilte sie das Schicksal alter Filme: Sie hatten ihre Zeit, überzeugen mich aber heute nicht mehr. Natürlich gibt es einige wenige Ausnahmen.

Im Bereich Musik stört es mich überhaupt nicht mehr, Stücke nicht zu kaufen, sondern quasi nur noch zu leihen. Es ist ja kein Besitz und währt nur so lang ich die monatliche Gebühr zahle. Ist für mich aber völlig in Ordnung. Ich muss diese Besitztümer auch nicht mehr sehen und anfassen können. Die virtuelle Biblio- und Videothek hat ihren ganz eigenen Reiz.

Lacht ruhig darüber, aber ich empfinde diesen Sinneswandel als gewaltig, geradezu epochal. Das Mobilgerät übt eine riesige Faszination aus. Allein das Fotoarchiv! Grandios!