Der Mittwochabend im Hotel war leider weniger entspannt als geplant. Geplant war, während des „ModernFamily“-Farewellathons gemütlich die Koffer zu packen. Dazwischen kam aber die Rede des Präsidenten zur Lage der Nation und seine Anordnung, ab Freitag keine EU-Bürger mehr ins Land zu lassen. Das würde bedeuten, dass keine Flugzeuge aus der EU mehr landen und ohne Flugzeuge aus der EU auch keine mehr zurück in die EU. Entsprechend schlecht haben wir in der Folge geschlafen. Zwar konnten wir unsere Flüge noch auf dem Plan sehen und Bordkarten generieren, aber was heißt das schon in Zeiten der Krise.
Wir haben dann in Santa Monica noch gefrühstückt bei „Barneys Beanery“ und es war mein bestes Frühstück des gesamten Urlaubs, abgesehen vom Griechischen Joghurt. Dann haben wir noch Abschied genommen von der Pier und dem Strand. Kaum haben wir im Hotel das Taxi gerufen, begann der Regen, der schon für die letzten Tage angekündigt war. Und es sollte bis zum Abend stark weiterregnen.
Am Flughafen waren wir dann schon um 12:00 Uhr. Die Swiss-Schalter noch nicht geöffnet, aber die ersten waren wir nicht. Es bildete sich bereits eine Schlange, die innerhalb von Minuten beachtlich länger wurde. Natürlich gab es noch einige andere Flüge vor dem unseren. In der Schlange konnte ich zwei Pärchen ausmachen, deren Rückflug vorverlegt wurde. Weil ab Freitag der Ausnahmezustand droht.
Nun, wir checken ein und haben anschließend eine Wartezeit von 8 Stunden vor uns, die wir auf dem Flughafen verbringen. Jede Stunde mal kurz einen Blick auf die Anzeigetafel: Bitte kein rotes „cancelled“…. Aber nein, unser Flug noch immer „on time“. Die Warterei ist ok, die Zeit vergeht einigermaßen schnell. Noch was essen, die Augen zumachen, umherlaufen. Shoppen ist hier uninteressant. Es gibt nur Nobelläden (Bulgari, Prada und dergleichen) und sehr teure Süßwaren (ein Macaron für 3 Dollar plus Steuern).
Immer mal wieder piept es sehr laut und penetrant. Als ob jemand einen Türalarm ausgelöst hat. Und es dauert einige Minuten, bis das wieder aufhört. Es macht mich verrückt, es ist unerträglich. Und irgendwie scheint es sonst kaum jemanden zu stören. Es bleiben alle ruhig. Bemerkenswert.
Dann landet unser Flugzeug aus Zürich! Ich habe es beobachten können. Noch zwei Stunden, dann dürfen wir wohl einsteigen. Ja, so kommt es. Es ist auch gar nicht ausgebucht, einige Plätze bleiben tatsächlich frei. Vielleicht schon Absagen? Mir soll es recht sein. Wir starten und dürfen das Land noch verlassen. Meines Erachtens in letzter Minute. Unter diesen Umständen kann ich Urlaub kaum genießen. Zumal die Meldungen aus Deutschland nicht ermutigend sind. Dort spitzt sich die Krise zu. Vom Notstand in Kalifornien haben wir nicht allzu viel mitbekommen. Am Flughafen wird zwar unentwegt sauber gemacht und es gibt sehr viele Desinfektionsmögkichkeiten. Aber in L.A. war es noch ruhig. Bis Mittwoch fanden sogar noch Großveranstaltungen statt. Ab Donnerstag wurden auch die abgesagt. Keine Premieren und keine Gala mehr in Hollywood. Bis auf Weiteres.
Trotz Alldem möchte ich die vergangenen zwei Wochen mal zusammenfassen: Kalifornien hat mir sehr gut gefallen!
San Francisco ist eine coole Stadt, die ich mir zwar in besserem Zustand vorgestellt hatte, die aber noch viele weitere Tage Programm geboten hätte. Unsere Tage haben wir optimal genutzt, es hätten gern noch mehr sein können.
Die Fahrt in den Süden war notwendig, um nach L.A. zu gelangen. Und ein Flug wäre sündhaft gewesen. Wir hätten die schöne Landschaft verpasst und die schönen Orte! Carmel allein ist einen Urlaub wert. Von Santa Barbara hätte ich mir noch mehr angesehen, als nur die Einkaufsmeile und den Bahnhof (obwohl das Beides sehr schön ist). Die Küstenstraße ist wahrlich ein Traum. Wie jede Küstenroute, denke ich.
Und dann L.A.. Eine der beeindruckendsten Städte, die ich bisher besucht habe. London, New York, Berlin, Reykjavik, Rom, Stockholm … und Los Angeles sind alle nicht miteinander vergleichbar. Sie sind zu unterschiedlich und das macht einen Trip dorthin jeweils auch aus.
Ich bin froh, dass wir in L.A. ganze sechs Tage hatten. Das war zwar auch nicht genug. Aber weniger hätten so gar nicht gereicht und nach sechs Tagen war die Urlaubskasse auch einfach mal leer. Wir haben viele tolle Orte in der Stadt besucht und ich hatte die Möglichkeit, in einigen Stadtteilen einfach nur umherzulaufen und die Athmosphäre einzusaugen. Das versuche ich in jeder Stadt zu machen. Nicht nur von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten zu laufen. Und meistens ergibt es sich mindestens am Wohnort, weil man von der Unterkunft ja die öffentlichen Verkehrsmittel erreichen möchte. Schön, dass ich Los Angeles sowohl per Auto als auch mit der Bahn entdecken konnte. Es hat beides wie immer Vor- und Nachteile. Und auch wenn ich die Fahrten auf den aufregenden Straßen nicht missen möchte, ziehe ich die Metro doch vor.
Los Angeles ist laut und spannend und sehr spanisch geprägt: Die Architektur, viele ihrer Einwohner, die Sprache (fast überall sind Hinweisschilder und Durchsagen zweisprachig), das Essen – an der Kultur der Südamerikaner kommt hier keiner vorbei. In ganz Kalifornien ist das zu spüren, am Deutlichsten aber in Los Angeles. Auch wenn es sicher dauern wird, ich komme gern mal wieder hierher.
Der Urlaub ist nun vorbei. Ab Montag müssen wir als Reiserückkehrer zwei Wochen lang zu Hause arbeiten. Wenn es interessant wird, berichte ich davon. Bis dahin: Alles Gute und schön gesund bleiben!

