Thursday

Der Mittwochabend im Hotel war leider weniger entspannt als geplant. Geplant war, während des „ModernFamily“-Farewellathons gemütlich die Koffer zu packen. Dazwischen kam aber die Rede des Präsidenten zur Lage der Nation und seine Anordnung, ab Freitag keine EU-Bürger mehr ins Land zu lassen. Das würde bedeuten, dass keine Flugzeuge aus der EU mehr landen und ohne Flugzeuge aus der EU auch keine mehr zurück in die EU. Entsprechend schlecht haben wir in der Folge geschlafen. Zwar konnten wir unsere Flüge noch auf dem Plan sehen und Bordkarten generieren, aber was heißt das schon in Zeiten der Krise.

Wir haben dann in Santa Monica noch gefrühstückt bei „Barneys Beanery“ und es war mein bestes Frühstück des gesamten Urlaubs, abgesehen vom Griechischen Joghurt. Dann haben wir noch Abschied genommen von der Pier und dem Strand. Kaum haben wir im Hotel das Taxi gerufen, begann der Regen, der schon für die letzten Tage angekündigt war. Und es sollte bis zum Abend stark weiterregnen.

Am Flughafen waren wir dann schon um 12:00 Uhr. Die Swiss-Schalter noch nicht geöffnet, aber die ersten waren wir nicht. Es bildete sich bereits eine Schlange, die innerhalb von Minuten beachtlich länger wurde. Natürlich gab es noch einige andere Flüge vor dem unseren. In der Schlange konnte ich zwei Pärchen ausmachen, deren Rückflug vorverlegt wurde. Weil ab Freitag der Ausnahmezustand droht.

Nun, wir checken ein und haben anschließend eine Wartezeit von 8 Stunden vor uns, die wir auf dem Flughafen verbringen. Jede Stunde mal kurz einen Blick auf die Anzeigetafel: Bitte kein rotes „cancelled“…. Aber nein, unser Flug noch immer „on time“. Die Warterei ist ok, die Zeit vergeht einigermaßen schnell. Noch was essen, die Augen zumachen, umherlaufen. Shoppen ist hier uninteressant. Es gibt nur Nobelläden (Bulgari, Prada und dergleichen) und sehr teure Süßwaren (ein Macaron für 3 Dollar plus Steuern).

Immer mal wieder piept es sehr laut und penetrant. Als ob jemand einen Türalarm ausgelöst hat. Und es dauert einige Minuten, bis das wieder aufhört. Es macht mich verrückt, es ist unerträglich. Und irgendwie scheint es sonst kaum jemanden zu stören. Es bleiben alle ruhig. Bemerkenswert.

Dann landet unser Flugzeug aus Zürich! Ich habe es beobachten können. Noch zwei Stunden, dann dürfen wir wohl einsteigen. Ja, so kommt es. Es ist auch gar nicht ausgebucht, einige Plätze bleiben tatsächlich frei. Vielleicht schon Absagen? Mir soll es recht sein. Wir starten und dürfen das Land noch verlassen. Meines Erachtens in letzter Minute. Unter diesen Umständen kann ich Urlaub kaum genießen. Zumal die Meldungen aus Deutschland nicht ermutigend sind. Dort spitzt sich die Krise zu. Vom Notstand in Kalifornien haben wir nicht allzu viel mitbekommen. Am Flughafen wird zwar unentwegt sauber gemacht und es gibt sehr viele Desinfektionsmögkichkeiten. Aber in L.A. war es noch ruhig. Bis Mittwoch fanden sogar noch Großveranstaltungen statt. Ab Donnerstag wurden auch die abgesagt. Keine Premieren und keine Gala mehr in Hollywood. Bis auf Weiteres.

Trotz Alldem möchte ich die vergangenen zwei Wochen mal zusammenfassen: Kalifornien hat mir sehr gut gefallen!

San Francisco ist eine coole Stadt, die ich mir zwar in besserem Zustand vorgestellt hatte, die aber noch viele weitere Tage Programm geboten hätte. Unsere Tage haben wir optimal genutzt, es hätten gern noch mehr sein können.

Die Fahrt in den Süden war notwendig, um nach L.A. zu gelangen. Und ein Flug wäre sündhaft gewesen. Wir hätten die schöne Landschaft verpasst und die schönen Orte! Carmel allein ist einen Urlaub wert. Von Santa Barbara hätte ich mir noch mehr angesehen, als nur die Einkaufsmeile und den Bahnhof (obwohl das Beides sehr schön ist). Die Küstenstraße ist wahrlich ein Traum. Wie jede Küstenroute, denke ich.

Und dann L.A.. Eine der beeindruckendsten Städte, die ich bisher besucht habe. London, New York, Berlin, Reykjavik, Rom, Stockholm … und Los Angeles sind alle nicht miteinander vergleichbar. Sie sind zu unterschiedlich und das macht einen Trip dorthin jeweils auch aus.

Ich bin froh, dass wir in L.A. ganze sechs Tage hatten. Das war zwar auch nicht genug. Aber weniger hätten so gar nicht gereicht und nach sechs Tagen war die Urlaubskasse auch einfach mal leer. Wir haben viele tolle Orte in der Stadt besucht und ich hatte die Möglichkeit, in einigen Stadtteilen einfach nur umherzulaufen und die Athmosphäre einzusaugen. Das versuche ich in jeder Stadt zu machen. Nicht nur von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten zu laufen. Und meistens ergibt es sich mindestens am Wohnort, weil man von der Unterkunft ja die öffentlichen Verkehrsmittel erreichen möchte. Schön, dass ich Los Angeles sowohl per Auto als auch mit der Bahn entdecken konnte. Es hat beides wie immer Vor- und Nachteile. Und auch wenn ich die Fahrten auf den aufregenden Straßen nicht missen möchte, ziehe ich die Metro doch vor.

Los Angeles ist laut und spannend und sehr spanisch geprägt: Die Architektur, viele ihrer Einwohner, die Sprache (fast überall sind Hinweisschilder und Durchsagen zweisprachig), das Essen – an der Kultur der Südamerikaner kommt hier keiner vorbei. In ganz Kalifornien ist das zu spüren, am Deutlichsten aber in Los Angeles. Auch wenn es sicher dauern wird, ich komme gern mal wieder hierher.

Der Urlaub ist nun vorbei. Ab Montag müssen wir als Reiserückkehrer zwei Wochen lang zu Hause arbeiten. Wenn es interessant wird, berichte ich davon. Bis dahin: Alles Gute und schön gesund bleiben!

Wednesday

Nachtrag vom Tuesday:

Während der Studio Tour haben wir auch eine Halle besucht, in der alle im Besitz von Warner befindlichen Batmanfahrzeuge ausgestellt sind. Die sind ganz schön groß! Der „Tumbler“ von Christian Bale alias Master Wayne soll eine Mischung aus Lamborghini und Hummer sein. Nur viel größer. Die Reifen haben Treckergröße und sind eine Spezialanfertigung. Das ganze Fahrzeug ist fahrtüchtig und hat rund 1,4 mio. € gekostet. Es gibt zwei Exemplare. Fahren dürfen diese Monster nur Stuntdoubles. Die Schauspieler setzen sich nur kurz rein und sehen gut aus. Einem Darsteller wurde es vor vielen Jahren mal erlaubt, selbst zu fahren. Er hat das Fahrzeug dann in die Dekoration gesteuert. Der Schaden war so groß, dass man seit dem immer auf Profis zurückgreift.

Mit der Metro sind wir auf halbem Wege nach Downtown immer am Shrine Auditorium vorbei gefahren. Ich musste kurz überlegen, woher ich das kenne. Aber dann fiel mir ein, dass die Veranstaltungshalle schon einige Male für die Oscarverleihung genutzt wurde. Dann wollte ich wissen, warum sie so heißt. Die Shriners sind die amerikanischen Freimaurer. Über die Freimaurer weiß ich nicht viel. Diese Vereinigung kam mir wegen der Geheimhaltungsregeln immer etwas mysteriös vor. Mein Ausbilder war Freimaurer. Es sind wohl Menschen, die Gutes tun wollen. Und die Geheimhaltung ihrer Rituale und Feste ist in der Absicht begründet, den Mitgliedern einen Raum völliger Meinungsfreiheit und Verschwiegenheit nach außen zu bieten.

Heute Morgen wollen wir den Teenager ausschlafen lassen. Wir stehen um acht Uhr auf, schwimmen und duschen und dann machen wir uns auf zum Strand. Wir laufen auf dem Pacific Walk Richtung Venice Beach. Dorthin führt ein schöner Strandweg mit Palmen, Joggern, Scatern und Radfahrern. Auf halber Strecke steht ein nobles Strandhotel – sehr schick. Je näher wir Venice Beach kommen, desto heruntergekommener wirkt alles. Der Walkway ist zwar von Palmen gesäumt, dazwischen campiert allerdings eine große Zahl von Obdachlosen. Venice Beach selbst ist in einem traurigen Zustand. Finde ich jedenfalls. Schrabbel total, gemischt mit Armut und diesem widerlichen Cannabisgestank, der uns in ganz Kalifornien immer wieder penetrant um die Nase weht. Ich bin inzwischen gegen eine Legalisierung und freien Verkauf. Der Geruch ist mir sehr unangenehm.

Leider trainiert gerade niemand im Muscle Beach Käfig, einem umzäunten Bereich mit Trainingsgeräten. Darum herum hängen Siegerplaketten (die Hall of Fame der Bodybuilder). Scheinbar gibt es einen jährlichen Wettbewerb. Die Cannabiskomsumenten bauen ihre Buden auf. Henna Tattoos kam man sich malen lassen, oder Jointwerkzeuge individuell geschnitzt kaufen, oder Motiv-T-Shirts. Für uns alles uninteressant. Ich kaufe mir eine Zitronenlimonade. Die Limonaden und Eistees sind hier wirklich lecker. Man hat immer die Wahl, ob mit oder ohne Zucker. Schmecken wirklich hausgemacht und sind mit dem Junk in Deutschen Regalen nicht zu vergleichen.

Nach einer halben Meile Venice-Strand biegen wir ab und laufen zu den Venice Canals. Das ist eine entzückende Wohngegend um künstlich angelegte Kanäle herum (Boschs Freundin in der ersten Staffel wohnt dort). Und obwohl die Sonne sich gerade hinter ein paar Regenwolken versteckt, sieht es hier sehr schön aus. Wir knipsen ein paar Bilder und machen uns auf den Rückweg. Hier gibt es keine Restrooms und Busse sind keine zu sehen. Wir müssen die 3 Meilen wieder zurücklaufen. Im Hotel ist das Zimmer immer noch dunkel. Wir wecken jetzt doch mal, damit wir zum mittäglichen Frühstück zu „Go Greek“ kommen.

Nach dem Joghurt gehen wir wie versprochen Shoppen in Santa Monica. Die Einkaufsstraße ist lang und wir tragen vier Tüten zurück. Obwohl die nur einer zurückträgt. Die Mädchen gehen noch einmal zum „ULTA“ Beauty Laden. Das ist ein langer Marsch, aber ich höre keinerlei Gemecker. Das Ziel muss stimmen. Ich laufe hier auch ganz gern, weil ich mir die tollen Wohnstraßen von Santa Monica gern ansehe. Alles hübsch und sehr gepflegt. Hier wohnen keine armen Menschen, nehme ich an. Nur die Entfernungen zu Supermärkten und anderer Infrastruktur ist direkt so angelegt, dass man ein Auto braucht. Es gibt zwar Fußwege, aber andere Fußgänger treffen wir hier nirgends. Auf den recht kleinen Parkplätzen der Supermärkte ist es dafür umso voller. Beim Ökosupermarkt, den wir schon einmal besucht hatten, kann man leere Wassergallonenkanister auffüllen. Dafür muss man noch nicht einmal aussteigen, das geht im Drive-In-Modus. Fenster runter, Flasche einstellen, Knöpfe drücken, fertig.

Im Hotel treffen wir wieder zusammen und dann machen wir uns auf zum Strand. Am Nachmittag hat die Kalifornische Sonne die Wolkendecke aufgerissen, so dass wir nun noch einen einwandfreien Sonnenuntergang genießen können. Das machen noch eine Menge Leute, aber an diesem Strand ist Platz genug für alle. Anschließend suchen wir uns ein Lokal für das Abendessen. Der Italiener, den wir ausgesucht hatten, hat leider schon geschlossen. Warum auch immer. Aber so landen wir an der Promenade in einem Restaurant und genießen ein durch und durch Amerkanisches Abendessen mit Steak und Süßkartoffeln.

Tuesday

Heute steht noch einmal ganz im Zeichen von Hollywood: Wir fahren nach Burbank und besuchen die Warner Brothers Studios.

Frühstück gibt es bei Mc Donalds. Das ist in Deutschland tatsächlich besser als hier. Hier ist es nur in Ordnung. Anschließend schaffen wir es trocken zur Metro-Station. Denn heute ist es sehr regnerisch. Auf ein Neues an das andere Ende der Stadt. Leider sitzt in unserem Wagen ein armer Mensch, der lange keine Dusche mehr gesehen hat. Es müffelt fürchterlich. Anders als zum Beispiel in London, wo die U-Bahn das einzig sinnvolle Verkehrsmittel ist und deshalb Arm und Reich nebeneinander sitzen, fahren in L.A. überwiegend arme Menschen mit der Bahn. Und eben auch einige, bei denen ich davon ausgehe, dass sie kein gültiges Ticket mit sich führen. Sehr viel Realität zu jeder Tageszeit. So richtig harmlos war hier kaum eine Fahrt. Irgendjemand fällt uns immer unangenehm auf. Aber wenigstens spricht uns niemand an. Es gibt nämlich auch sehr kommunikative Leute in der Bahn, die mit sich selbst diskutieren, oder mit anderen einen lauten Streit anfangen.

Wir fahren bis nach North Hollywood kurz vor den Hollywood Hills, die heute eher schottisch anmuten: Dunkelgrün und wolkenverhangen. Es nieselt auch ein wenig. Von der Station Universal City müssten wir eigentlich mit dem Bus bis zu den Warner Studios im Herzen von Burbank fahren. Aber die recherchierten Buslinien fahren hier nicht sichtbar ab. Es steht allerdings ein Taxi bereit, das uns die etwa fünf Meilen weit fährt. Und am Ziel erwarten uns Bugs Bunny und Daffy Duck (in Bronze) zur Warner Brothers Studio Tour!

Wir sind eine Stunde früher dort, als wir gebucht sind (keine Überraschung), aber dieser Termin ist mir wichtig, hier wollte ich kein Risiko eingehen. Ohne Taxi hätten wir laufen müssen und das hätte mehr Zeit gekostet. In der aktuellen Tour sind aber auch noch drei Plätze frei und wir schaffen es gerade noch, die Restrooms zu nutzen, dann geht es auch schon los.

Zunächst gibt es einen Zusammenschnitt vieler WB-Produktionen der vergangenen Jahrzehnte zu sehen, der von Ellen DeGeneres moderiert wird. Ihre tägliche Show wird hier auch aufgezeichnet. Sie ist mir schon immer sympathisch gewesen, sie hat einen herrlichen Humor. Leider kann man ihre Show in Deutschland nicht sehen. Danach nehmen wir in Stretchgolfcaddies Platz. Wir sind 16 in der Gruppe und wieder sind wir Deutschen die Exotischten. Also das muss ich sagen: Unsere Antwort auf die Frage, woher wir kommen, wird immer sehr positiv bewertet. Ja, negativ ist hier sowieso keiner, jede Bestellung ist „excellent“, oder eine „great choice“ und man wünscht uns täglich mindestens sechs Mal: „Have a good one“. Und ich weiß auch, dass die Amerikaner wie die Briten eben sehr höfliche Menschen sind. Aber unsere Herkunft bleibt eigentlich nie unkommentiert. Manche finden es einfach nur „great“, andere waren auch schon einmal dort und erinnern sich an tolle Städte wie Frankfurt oder Berlin (einer fragt sogar, wie weit Hamburg von Berlin entfernt sei, denn Berlin würde er kennen. Was auch immer es ihm bringt). Andere antworten mit niedlichem Akzent auf Deutsch: „Guten Tag“ oder „Auf Wiedersehen“. Eine Dame, die uns schon vorher aufgefallen war, weil sie Glitzer zu lieben scheint (Glitzerrucksack, Glitzercap, Glitzerportemonnaie) berichtet uns, sie heiße Ursula (arme Frau, aussprechen kann sie ihren Namen nämlich nicht gut, sie stellt sich als „Uhrschuula“ vor) und sie würde gern mehr Deutsch lernen.

Aber ich schweife ab. Mit dem Gefährt fahren wir durch die 40.000 qm große Produktionsanlage mit unzähligen Hallen. Die dazugehörigen Bürogebäude stehen etwas entfernt außerhalb des Studiogeländes. Wie im Vorspann eines jeden WB-Filmes zu sehen, sind die Hallen alle beige. Es ist viel los. Unser erster Halt ist ein sog. Archiv. Es ist aber eher eine Ausstellungshalle, in der relativ aktuelle Filme vorgestellt werden: Aquaman, Wonder Woman, Fantastic Beasts and where to find them und Harry Potter (mit dem Verweis auf die „echten“ Harry Potter Studios bei London – ja, die sind auf jeden Fall einen Besuch wert). Die Auswahl kann ich nicht nachvollziehen, es wird leider nicht erklärt, warum gerade diese Werke. Vielleicht, weil die Kostüme so sehenswert sind. Alles sehr aufwändig und vielseitig. Leider darf man nichts anfassen. Die Aquamankostüme sehen toll aus, die hätte ich gern mal angefasst. Den Film habe ich nicht gesehen. Danach fahren wir durch die Straßenfassaden von New York (oder L.A. oder Washington, je nachdem, was gerade gebraucht wird. Die Türen haben alle keine Beschläge, die werden je nach Stadt und Jahrzehnt angebracht) über den Angestellteneingang aus E.R. in Chicago, durch den Central Park mit dem Brunnen aus „Friends“ bis nach Stars Hollow. In Stars Hollow sehen wir das Stadtzentrum und die Häuser der Protagonisten, die natürlich auch für andere Serien und Filme genutzt werden. Die Häuser haben auf der Vorder- und Rückseite zwei Eingangsbereiche. Dazwischen begehbare Räume. Wir gehen bei den „Gilmore Girls“ hinein und bei den „Pretty Little Liars“ wieder hinaus. Interessanterweise desillusioniert mich das nicht. Ich finde es faszinierend und werde zu Hause gleich mal wieder etwas davon laufen lassen, um zu sehen, was ein wenig Farbe und Dekoration so alles bewirken kann.

Der nächste Stopp ist das Ausstattungslager. Auf vier Etagen lagern Lampen, Regale und Dekorationsgegenstände. Wir sehen Gegenstände, die reserviert sind für laufende Produktionen und entdecken dadurch, dass es eine dritte Staffel von „Good Girls“ geben wird!

Wir gehen über in eine Halle, in der zur Zeit, aber nicht heute, eine Serie gedreht wird, die erst noch anläuft. Hier dürfen wir nicht fotografieren. Es sollen noch keine Bilder nach außen dringen. Es soll ein Teenagerdrama im Highschoolfootballmilieu im Problemstadtteil Crenshaw in L.A. sein. Gucke ich mir dann natürlich beizeiten an. Die Werbung wirkt.

Wir fahren noch durch eine riesige Halle, in der die Tischler fleißig an Wänden und Innenausstattung arbeiten.

Letzter Halt ist das große Museum und der obligatorische Gift Shop. Im Museum wird noch einiges über den Ablauf einer Produktion dargestellt. Sehr interessant. Hier finde ich auch vieles über ältere Serien und Filme, die in der nachfolgenden Generation nicht mehr bekannt sind. Manche Produktionshallen haben Plaketten am Eingang (E.R., Big Bang, Two and a Half Men). Diese Plaketten werden für Serien angebracht, die mindestens 10 Staffeln lang laufen. Sie haben die Hallen dann ja wirklich lange geprägt.

Wir können im „Central Perk“ auf dem gemütlichen Sofa Platz nehmen und uns knipsen lassen. Wer möchte, kann hier auch eine Szene nachspielen. Wir möchten lieber nicht. Auch, weil als nächstes die Kulissen aus Pasadena zu sehen sind! Wir dürfen auf Sheldons Platz sitzen und auf Leonards Sessel! Wir sehen die Caltechkantine und das Treppenhaus im vierten Stock! Großartig! Das geht nur, weil die Serie beendet wurde. Hat das Ende doch auch etwas Gutes. Sonst hätten wir die vertrauten Räume nicht sehen können.

Wir sind alle drei ganz angetan von dieser Tour. Es hat uns gut gefallen.

Vor der Tür steht wieder ein Taxi, das uns zurück zur Universal City Metro Station bringt. Mit einem Universal Shuttle Bus fahren wir von dort noch zum Universal City Walk. Das ist ein den Universalstudios und Freizeitpark vorgelagertes Einkaufszentrum. Die Mädchen werden von betörendem Duft in ein Beautygeschäft gelockt und wir erstehen eine selbskreierte fruchtbasierte Gesichtsmaske. Der Vorgang dauert recht lang, weil die nette Verkäuferin einfach nicht aufhört zu reden. Sie lobt das Englisch des Teenagers und meine pinke Jacke. Ist alles natürlich nur Verkaufstaktik, die bei uns aber wirkt. Sehr zum Entsetzen des Dritten im Bunde, den der Laden nach eigener Aussage geradezu aggressiv macht. Nach diesem Einkauf wollen wir aber alle zurück nach Santa Monica. Wir haben mit der Warner Brothers Tour die richtige Entscheidung getroffen. Hier bei Universal liegt der Schwerpunkt auf Entertainment und nicht auf den Blick hinter die Kulissen.

Der Shuttle Bus bringt uns wieder zurück zur Metro. Eine Lautsprecherdurchsage (unterstützt von Minions) bedankt sich für den Besuch und falls wir mit der Metro angereist sind, auch dafür, denn „Green is Universal“. Das ist doch ein netter Abschluss. Nach knapp 1,5 Stunden kommen wir wieder im Hotel an und machen uns kurz frisch. Denn heute Abend möchten wir gern mal etwas anderes als Fast Food essen. Am Tisch sitzend. Wir entscheiden uns für die „Cheesecake Factory“. Auch das ist eine sehr gute Entscheidung. Es gibt Nudeln, Fisch und Hackbraten. Alles sehr sehr lecker!

Monday

Heute starten wir leider wieder sehr spät. Ich habe einen anderen Rhythmus als der Teenager. Aber wenn wir hier eines machen müssen, dann Kompromisse. Nun, gegen elf sind wir endlich bei „Go Greek“ und essen wieder einen schönen Joghurt mit Früchten.

Anschließend fahren wir mit der Metro nach Hollywood. Am Montag Mittag sitzen schon ein paar mehr schräge Typen in der Bahn. Aber da müssen wir durch. Zurück am Dolby Theatre machen die Mädchen eine Celebrity Tour. Mit einem hippen Kleinbus in Luxusversion, der gestern an uns vorbeigefahren ist. Wir fanden, er sei der vertrauenserweckendste in der Auswahl. Leider haben wir uns von der Optik blenden lassen, wie es in Hollywood ja auch üblich ist. Der Touranbieter „TMZ“ betreibt eine gleichlautende Internetseite und auch ein Fernsehformat, in dem es um Promis und ihre Geschichten geht. Wenn die Herrschaften sich entsprechend blöd benehmen, werden ihre Eskapaden bissig kommentiert. Wenn sie sich kooperativ geben, wird wohlwollend berichtet. Dadurch haben die Busse, die mehr oder weniger arglose Touristen durch Beverly Hills (grenzt direkt an den Bereich um den Walk of Fame am Hollywoodboulevard) chauffieren, die Möglichkeit, vorbeilaufende Prominente anzusprechen und den Touristen Fotos und Selfies zu ermöglichen. Auch das wird dann ausgeschlachtet und im TV, Netz, oder den Bussen gezeigt. Der Guide, der zugegebenermaßen süß und einnehmend ist, hat seine Kamera allzeit bereit für etwas wie: Den Busfahrer, der die Fahrt unterbrechen muss, weil sein Lieblingsrealitytvstar aus dem Restaurant kommt. Oder die Touristin, die total ausflippt, weil sie ihren prominenten Schwarm anfassen konnte. Beides ist weit außerhalb unserer beider Comfortzone. Wir merken schnell , dass wir für die nächsten zwei Stunden viel Begeisterung zeigen und klatschen müssen. Machen wir auch tapfer. Der Bus fährt uns also kreuz und quer durch Hollywood. Man zeigt uns viele Restuarants in denen Promis gern Speisen (heute leider nicht) und diverse andere Stätten, an denen man ab und an mal einen Promi sehen kann: Hotels, Clubs, das Gerichtsgebäude (dort wohl ausschließlich Promis, Chris Brown ist dort unfreiwilliger Dauergast, Winona Ryder, Lindsay Lohan, O.J. Simpson und so fort). Wir sehen auch viele Filmschauplätze, die aber meist nur ich zuordnen kann, weil die Filme bereits als Klassiker gelten und ausnahmslos älter als 10 Jahre sind.

Was wir leider nicht sehen, sind die Wohnhäuser der Stars, denn an Beverly Hills fährt der Bus leider nur kurz vorbei. Wir kommen unserem eigentlichen Ziel also nicht näher als bereits der Kardashianwohnstätte in den Hidden Hills von Calabasas. Und genau das hatten wir uns vorgestellt. Die Tour war also ein teurer Reinfall. Wohlweislich hatte der dritte schon so eine Ahnung und hat währenddessen einen eigenen Spaziergang durch Downtown gemacht. Sein Motiv war vielleicht Sparsamkeit, aber er hat seinen Nachmittag genossen und uns später mit coolen Bildern versorgt.

Wir treffen uns wieder vor dem Chinese Theatre. Die Wartezeit nutzen wir für eine zweite erfolglose Suche nach den Big-Bang-Abdrücken. Wenigstens Star Trek ist da! Schnell noch ein Foto und dann zurück nach Santa Monica. Wir halten wieder eine Station vor unserer Heimathaltestelle. Heute, um dem Teenager einen Abstecher zum Beauty-Mekka namens „ULTA“ zu ermöglichen. Mitten im auslaufenden Santa Monica steht also eine Filiale dieser – ich nenne es mal Drogeriekette. Von außen recht unscheinbar, wenn auch sehr aufgeräumt. Wir reißen also noch ein paar Löcher in die Regale (nicht mehr) voller Beautyprodukte, die in Europa angeblich nicht zu bekommen sind. Auch hier sind sie wohl sehr beliebt. Die meisten „It-Pieces“ sind ausverkauft. Außerdem muss ich das Ganze ohnehin beschleunigen. Die Eltern haben geplant, heute noch ins Kino zu gehen und die Zeit läuft. Wir laufen den Rest der Strecke zum Hotel zurück. Und hier gibt es rechts und links so viel zu sehen, dass ich unbedingt noch einmal in Ruhe wiederkommen muss. Einer biegt schon beim Kino ab und besorgt die beiden Eintrittskarten. Ich gehe mit ins Hotel und hole meine Brille, ohne die Kino wenig Spaß macht. Der Teenager bleibt im Hotel, weil sie den Film nicht sehen will.

So genießen die Erwachsenen einen Abend zu zweit. Wir essen noch schnell einen Burger bei „Johnny Rockets“. Vielleicht liegt es daran, dass ich bis dahin nur einen Joghurt hatte, aber er schmeckt wie der beste Burger, den ich je gegessen habe. Großartig!

Dann geht es ins Kino: The Gentlemen. Der neue Geniestreich von Guy Ritchie. Nach „Lock, Stock and Two Smoking Barrels“ und „Snatch“ ist das wieder ein Hit! Jedenfalls wir sind begeistert. Im Kino mit etwa 150 Sitzen sind nur vier Plätze belegt und die beiden anderen Besucher verlassen den Film nach einer halben Stunde. Selber Schuld! Der Film ist klasse und trifft genau unseren Geschmack. Aber eben nur unseren. Eine sehr ausgewogene Mischung aus Komödie, Ganoven- und Laberfilm. Spitzendialoge, tarantinoartig, aber mit britischem Humor. Tolle Details wie schottisch gemusterte Trainingsanzüge und die erlesene Besetzung runden alles ab. Hugh Grant in seiner besten Rolle. Ganz anders als seine bisherigen. Auch Michelle Dockery überrascht mich als coole Gangsterbraut. Colin Farrell, den ich eigentlich nicht so sehr mag, weil ich immer den Eindruck hatte, dass er nur einen Gesichtsausdruck zeigen kann, ist hervorragend. Ich muss meinen Eindruck wirklich revidieren, denn er ist super! Von mir bekommt der Film 10 von 10 Hanfpflanzen! Nun muss ich wohl annehmen, dass die mir persönlich bekannten Blogleser den Film nicht ansehen werden, weil ich ihn so gut bewerte. Das Risiko gehe ich ein. Ich habe ihn jedenfalls nicht zum letzten Mal gesehen.

Sunday

Heute wurden in Kalifornien die Uhren auf Sommerzeit umgestellt. Wir wachen auf und es ist schon so spät… Schnell schwimmen und duschen und dann mal zum Zieleinlauf des Marathons spazieren. Die Profis sind schon längst fertig. Jetzt trudeln einige Halbprofis ein. Sie sehen für ihre Leistung noch frisch und wenig abgekämpft aus. Die Menge jubelt ihnen zu. Es sind zwar (noch) nicht superviele Leute da, aber es werden mehr. Die Massagezelte sind noch recht leer und die Ersthelfer noch unbeschäftigt.

Das Wetter ist heute Morgen wider Erwarten toll: Blauer Himmel und nur ein paar Wolken. Die werden leider mehr werden. Aber immer positiv denken.

Zurück im Hotel schläft der Teenager immer noch. Um zehn Uhr neuer Zeit wecken wir sie mal. Frühstück gibt es heute bei „Go Greek“. Dort wird original Griechischer Joghurt (ja, wirklich!) angeboten, den man sich mit allerlei Toppings schmücken kann. Obst in wie gewohnt großer Auswahl, Müsli und Schokolade. Der Laden befindet sich an der Promenade kurz vor dem Zieleinlauf des Marathons. Und so ist auf der Straße zwar viel los, aber beim Griechen sind wir die Einzigen. Es schmeckt köstlich.

Anschließend fahren wir mit der Metro in Richtung Downtown. In der Bahn sind auch schon viele Marathonläufer auf dem Heimweg. Einer hat sich sichtlich mühsam hingesetzt und als er nach acht Stationen aufstehen will, hat er dabei große Probleme. Ganz so wie Barney Stinson nach dem New York Marathon. Beinahe müssen wir darüber lachen, nicken uns aber nur wissend zu. Man will ja nicht unhöflich sein.

Heute haben wir Tickets für die (Achtung!) höchste Aussichtsplattform in Kalifornien. Irgendwie auch süß, dass die Amerikaner sich immer so abfeiern für ihre Leistungen. Oder es ist anstrengend, immer nach Superlativen zu leben. Wenn etwas mal nicht das Größte oder Schnellste ist, was bleibt dann noch? Wir jedenfalls fahren mit der recht neuen Bahn (Baujahr 2016) in die Stadt. Es dauert ungefähr 45 Minuten bis ins Zentrum. Mit dem Auto nicht schneller zu schaffen. Dort steigen wir am Pershing Square aus und stehen inmitten des Financial Districts mit seinen Wolkenkratzern. Es ist das Büroviertel und entsprechend ist am Sonntagnachmittag nicht viel los hier. Aber den U.S. Bank-Tower finden wir schnell. Dort fahren wir in beachtlicher Geschwindigkeit in den 70. Stock. Dort befindet sich die obere Etage der Aussichtsplattform. Die untere Etage erreicht man über eine Treppe (kann ja jeder), oder über die volltransparente 5m lange Plexiglasrutsche, die an der Außenwand des Gebäudes angebracht ist (können nur Mutige). Eine kleine Reibungsverbrennung haben wir danach zu beklagen. Aber das ist nicht so schlimm. Der Ausblick ist fantastisch! Man kann die 15 Meilen bis nach Santa Monica sehen und auch die rund 10 Meilen bis zum Hollywoodschriftzug. Und natürlich auch die restliche Stadt dazwischen. Die vielen verschlungenen Freeways und die vielen hohen Palmen, die die sehr geraden Straßen säumen. Hügelig ist Los Angeles auch, jedenfalls mehr als ich erwartet habe. Vom Bank-Tower aus können wir auch schon die Seilbahn „Angels Flight“ sehen, die am Bunker Hill betrieben wird. Wir kennen sie aus der Serie „Bosch“ und einigen anderen Filmen. Sie war lange Zeit nicht in Betrieb, weil es einen Unfall gab, bei dem auch ein Fahrgast gestorben ist. Die Bahn wurde daraufhin grundsaniert und wir fahren heute unbeschadet den Hügel herunter. Die Fahrgeräusche allerdings klingen sehr historisch. Die Sache mit dem Unfall lese ich auch erst unten auf einer Infotafel. Unten angekommen, haben wir noch einen kurzen Blick auf das Rathaus und die LAPD- Zentrale, die mir aus „Bosch“ ebenfalls sehr vertraut vorkommen. Dann schlendern wir wieder zur U-Bahn Haltestelle zurück und fahren zur Union Station, dem Hauptbahnhof von L.A.. Dafür, dass diese Stadt so unglaublich groß ist, ist der Bahnhof eher heimelig. Es gibt nur 10 Gleise und der Gleiszugangsbereich ist hell gefliest. Das Gebäude ist in Spanischem Kolonialstil gebaut und sehr schön. Die Innenausstattung ist aufwändig gefliest und mit Holz verziert. Der Wartebereich ist mit sehr bequemen Ledersitzen ausgestattet, über dessen sachgemäße Verwendung mehrere resolute Damen wachen. Hier im Bahnhof laufen nur Touristen und Reisende umher. Anders als auf der Straße, sieht man hier keine obdachlosen Menschen. Das ist in Hamburg etwas anders. In L.A. allerdings ist die Zahl der offensichtlich Mittellosen ganz schön erschreckend.

Vom Bahnhof fahren wir wieder mit der U-Bahn nach Hollywood zum Walk of Fame. Die U-Bahn-Stationen in Hollywood wurden erst 2017 im Betrieb genommen und sind hübsch anzusehen. An unserer Station wurde die Tunneldecke mit leeren Filmrollen verziert. Dazu bunte Metallpalmen. Der Walk of Fame am Hollywoodboulevard hat sich seit „Pretty Woman“ aber nicht verändert. Die Straße hat einen St.Georg-schen Flair. Die hübschen Sterne auf dem Boden fristen ihr Dasein recht schmucklos. Hier ist noch nicht einmal der Schein pompös. Der Hollywoodboulevard ist überwiegend laut und schrabbelig. Am einen Ende vor dem imposanten Dolby-Theatre weht kurz ein glamouröser Hauch. Das Oscar-Theater ist außen wie innen sehr gepflegt und beherbergt auch viele kleine Läden. Wir finden bei „Sephora“ endlich die ersehnten Produkte und damit ist auch der Teenager wieder etwas versöhnt. Sie ist von L.A. als Stadt nicht im Ansatz so begeistert wie ich. Ich finde hier alles faszinierend. Schon wegen der unzähligen Filme, die hier spielen und die ich so mag.

Im Dolby-Theatre besuchen wir auch die Restrooms. Hollywoodüblich ist der Eingang schön und optisch einwandfrei. Die Räumlichkeiten an sich eher weniger. Ob die Gäste der Oscar-Verleihung andere Restrooms haben? Wenigstens ist dieser Service in ganz Kalifornien bisher immer gratis gewesen und deshalb will ich mal nicht klagen.

Gleich nebenan steht mit dem Chinese-Theatre noch ein Premierentheater, diesmal im Pagodenstil. Auch das ist groß und toll gestaltet. Aber die Besucher hier interessieren sich weniger für die hübsche Fassade als für die in Beton gedrückten Hand- und Fußabdrücke der Stars auf dem Vorplatz. Diese Tradition wurde durch den Gestalter der Anlage begründet, der seine Abdrücke als Monogramm nach Abschluss der Arbeiten hinterließ. Dem Bauherren hat das gefallen und so hat er vor über 90 Jahren angefangen, Filmstars um ihre Abdrücke zu bitten. Der Gestalter war dann übrigens 35 Jahre lang Zeremonienmeister dieser besonderen Autogramme. Wir machen eine Menge Bilder. Nur die Abdrücke der „Big Bang Theory“- und „Star Trek“-Besetzungen finden wir nicht. Es sind wohl zu viele und irgendwann haben wir keine Lust mehr.

Der Sunset Boulevard liegt ganz in der Nähe und wir statten auch ihm einen kurzen Besuch ab. Hier reihen sich eine Menge Autos aneinander, der Parkplatz für die Hollywood-Besucher ist in der Nähe. Gut, dass das nicht mehr unser Problem ist. Die Straße finde ich sehr hübsch. Schöne Palmen mit angehendem Sonnenuntergang.

Das Hollywoodmuseum ist leider schon geschlossen, der Tag geht schon wieder zu Ende. Wir fahren Richtung Santa Monica zurück. Ich muss sagen, die öffentlichen Verkehrsmittel gefallen mir hier gut. Für unsere touristischen Touren sind sie prima. Für Einheimische sieht das wohl etwas anders aus. Auf dem Linienfahrplan ist zu erkennen, dass das sternförmig angelegte Netz ganze Quadranten ausspart. Dort fahren dann vielleicht nur Busse. Die Buslinien haben wir noch nicht erkundet. In Santa Monica sieht man sie sehr oft fahren. Vielleicht ist die Taktung auch akzeptabel. Es scheint jedenfalls so, als wollte man wirklich versuchen, die Stadt verkehrsmäßig etwas zu entlasten.

Eine Station vor unserer Heimatadresse steigen wir kurz aus, um eine „Taco Bell“-Filiale aufzusuchen. Weit und breit sind wir die einzigen Fußgänger und die Filiale ist eher als Drive In angelegt. Es gibt nur einen winzigen Verkaufsraum. Da einer der drei Tische Außenbereich durch einen kommunikativen Obdachlosen besetzt ist, essen wir im Gehen. Die Burritos und Tacos sind sehr lecker! Das werden wir vielleicht noch einmal wiederholen. Auf dem Weg zurück zur Bahn gehen wir noch in einen Supermarkt, um ein paar Kleinigkeiten zu kaufen. Es ist ein Biomarkt. Deshalb gibt es weniger Snackartiges, als wir suchen, aber dafür spannende Ökoprodukte zu saftigen Preisen. Wir kaufen nur etwas Schokolade und wagen einen neuen Cookie-Versuch. Die Cookies, die wir bisher hatten, waren leider nicht so gut. Diese hier sind auch wieder vegan, aber ausnahmsweise lecker. Vegan kann also auch schmecken.

Saturday

Die Eltern sind schon um sieben wach und schwimmen und duschen. Der Teenager muss um halb zehn geweckt werden, weil wir langsam Hunger haben. Und so sind wir um kurz nach zehn in der „Cheesecake Factory“. Das Essen ist hervorragend und moderat im Preis. Für 14 Dollars bekommen wir sehr große Portionen von: Breakfast Burrito, French Toast und Pancakes. Alles jeweils mit Bacon, Rührei und Käse. Die herzhaft-süße Mischung ist hierzulande offenbar ein Muss. Zumindest aber völlig normal.

Nach dem Essen ist das Zimmermädchen gerade in unserem Zimmer beschäftigt und so machen wir noch einen Ausflug in die Shoppingmeile. Die Einkaufsstraße von Santa Monica mutet geradezu Europäisch an. Es ist nämlich eine Fußgängerzone. Hier wird aber nur geguckt. Denn gleich fahren wir wieder in den Norden nach Camarillo. Dort wollen wir das nächstgelegene Outlet Center besuchen. Es ist wie so vieles hier in Spanischem Stil angelegt und ähnelt den Outlets in der Heimat. Aber es gibt natürlich ein paar Marken, die wir in Deutschland nicht kennen. Und – das ist überraschungsfrei – es ist etwa viermal so groß wie zum Beispiel das Outlet in Neumünster. Dafür kommen aber alle auf ihre Kosten! Wir tragen am Ende das Tages 8 mehr oder weniger große Tüten zum Auto.

Leider ist es jetzt schon dunkel und wir haben den Sonnenuntergang an der Küstenstraße verpasst. Hoffentlich sehen wir noch einmal einen. Die Wettervorhersage für die nächsten Tage ist leider schlecht. Es soll sogar regnen. Trotz der Dunkelheit fahren wir an der Küste über Malibu zurück zum Hotel. Malibu ist ähnlich wie Monaco eine geschlossene Veranstaltung. Im Ort ist der Strand nicht sichtbar, weil neben der Straße die Strandvillen und ihre Zäune den Blick verwehren. Aber die restlichen Meilen lang können wir die bunt blinkende Pier von Santa Monica schon sehen, weil beide Orte eine Bucht begrenzen.

Aufgrund des bevorstehenden Marathons am Sonntag, der für zahlreiche Straßensperrungen sorgt, haben wir beschlossen, den Wagen schon heute wieder abzugeben. Gegen acht Uhr machen sich die Erwachsenen also auf den Weg zum Flughafengebiet. Die Fahrt führt noch einmal über zwei Interstates mit vielen Spuren. Am Samstagabend ist aber nicht allzu viel los. Kein Stau mehr. Die Entfernung beträgt nur 10 Meilen, deshalb werden wir den Rückweg mit dem Taxi bestreiten. Die Metro würde uns zunächst nach Downtown fahren und dann erst wieder nach Santa Monica zurückbringen. Und zur Metrostation müssten wir einen passenden Bus suchen. Als I-Tüpfelchen auf diese Bequemlichkeit kommt noch: Das Taxi ist ein Crown Victoria, den zumindest einer von uns gern einmal fahren wollte. Noch etwas abgehakt von der Liste!

Zu meinem Vergnügen fahren wir auf dem Rückweg an einer „Randy‘s Donuts“- Filiale vorbei – vor dem Häuschen steht ein ernormer haushoher Kunststoffdonut. Toll!

Als ich heute Morgen in der SWISS-App nachsehen wollte, ab wann wir einchecken können, war der Rückflug nach Hamburg verschwunden. Wegen Corona streicht die Star Alliance massiv Flüge zusammen und scheinbar ist unserer davon betroffen. Wenigstens nach Europa kommen wir noch, jedenfalls ist das der Stand heute. Mal sehen, wie es dann von Zürich aus weitergeht. Da der wohl gestrichene Anschlussflug wieder sehr knapp kalkuliert war, kann es sich nur um eine Verschiebung handeln. Schön wäre natürlich der gleiche Tag. Wir müssen das Beste hoffen und abwarten.

Friday

Der erste, der aufwacht, geht eine Runde im Pool schwimmen. Der Pool liegt zwischen Hotelgebäude und vierspuriger Straße. Man hört also das Autorauschen am Pool. Aber er ist beheizt und nicht sehr frequentiert.

Um halb zehn sind wir frühstücksbereit und schlendern zur Mall, weil uns das Hotelfrühstück nicht so sehr reizt. Leider beginnt der Foodbereich seinen Betrieb erst um zehn. Wir müssen also etwas warten. Aber die Sonne scheint und es läuft loungeartige Musik, also ist das kein Problem. Wir essen dann sehr kalifornisch gesund: Açai-Bowl, Typ Erdbeer-Banane mit Müsli. Ich musste erst einmal fragen, wie man das ausspricht. Und dann lernen, dass es sich dabei um ein Fruchtpüree handelt. Ist nicht wirklich mein Fall, Obst esse ich lieber unbehandelt, Banane erst recht. Aber eine joghurtartige Grundlage gibt es hier nicht. Das wäre dann wohl eher Greek Style und nicht Cal Style. „Cal“ habe ich in Deutschland immer für eine ganz schlimme Abkürzung gehalten. Etwas sei „so cal“. Aber das ist hier eine durchaus gebräuchliche Fomulierung.

Nach dem Frühstück lassen wir den Wagen vorfahren und machen uns auf in Richtung Hollywood Hills. Wir wollen zum Griffith Observatory und von dort einen Blick auf die Stadt einerseits und den Hollywoodschriftzug andererseits werfen. Die Entfernung beträgt 30 Meilen und soll 1,5 Stunden dauern. Von einem Ende der Stadt zum anderen. Und es dauert wirklich eine Weile. Aber der Freeway führt mitten durch die Stadt und wir haben dadurch auch einen ersten Blick auf die Wolkenkratzer in Downtown. Die Stadt scheint im Wesentlichen aus Straßen zu bestehen. Jedenfalls erstreckt sich das Geflecht der meist zehnspurigen Straßen über das gesamte Stadtgebiet. An Kreuzungen oft zwei- bis vierstöckig. Und immer sind die Spuren voll. Ein nicht enden wollender Strom an Autos. Die Staus sind zahlreich, allerdings rollen wir stets und kommen eigentlich nie zum Stehen.

Irgendwann kommen wir am anderen Ende der Stadt an. Der kostenfreie Parkplatz befindet sich unten am Hügel, ein kostenpflichtiger wohl direkt am Gipfel. Weil wir keine Amerikaner sind, liegt vor uns noch ein 1000m langer „Aufstieg“. Ganz gemäßigt eben die Straße rauf. Und oben werden wir belohnt mit einem sagenhaften Blick über die Stadt. Etwas diesig, aber man kann alle Umrisse erkennen. Die Fotos sind natürlich nicht so gut, aber wir sind ja auch zum Gucken hier. Den Hollywoodschriftzug kann man aber prima sehen mit der Sonne im Rücken.

Cathy’s Corner, den Aussichtspunkt aus LaLaLand, oder ModernFamily (Phil und Pepper hatten dort ihre Aussprache), besuchen wir nicht mehr. Er ist rund 3km entfernt und im Gelände leben Klapperschlangen.

Also steigen wir wieder hinab und fahren nach Pasadena zur CalTech Universität, der Wirkungsstätte von Sheldon Cooper und seinen Freunden. Der Uni Campus ist leider unspektakulär. Nicht sonderlich hübsch und nüchtern präsentiert. Auch der Bookstore/Shop ist etwas ernüchternd. Jegliche Big Bang Devotionalien sind aus den Regalen verschwunden. Die Serie läuft ja nicht mehr. Schade, also machen wir uns wieder auf den Rückweg Richtung Santa Monica. Wir machen einen kleinen Umweg durch die angrenzende Wohngegend, weil es hier aussieht wie in Dunphys Nachbarschaft.

Der Rückweg verläuft recht zügig. Wir brauchen nur eine knappe Stunde. Kurz vor dem Hotel fällt uns wieder die Warnanzeige für den kommenden Sonntag auf. Es findet der L.A. Marathon statt und es ist mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen. Wir müssen dringend herausfinden, ob wir ungehindert zum Flughafen kommen, denn am Sonntag müssen wir das Auto wieder abgeben. Zieleinlauf soll direkt hier an der Ocean Avenue sein….

Zurück im Hotel benutze ich erst einmal die Münzwaschmaschine bei uns auf dem Flur. Die Maschinen wollen mit Vierteldollarmünzen gefüttert werden. Für Waschmittel und Waschmaschine habe ich gerade genug. Für den Trockner muss ich noch einmal schnell auf die Pier in die Arcade (in der Jeff aus „Chuck“ seine großen Erfolge gefeiert hat) und zwei Dollarnoten in Vierteldollarmünzen tauschen. Als ich zurückkomme, ist die Wäsche auch schon fertig. Das Programm läuft nur 30 Minuten. Der Trockner braucht 1,5 Stunden, die wir für einen Spaziergang am Strand nutzen.

Unseren Abend verbringen wir im Kino. Wir schauen „Onward“, ein Animationsfilm. Obwohl der erst gestern angelaufen ist, sind nur wenige Plätze besetzt. Vielleicht liegt es am Preis. Der Eintritt ist deutlich teurer als wir es gewohnt sind. Der Film ist aber ganz prima. Und nun sind wir alle wieder müde….

Thursday

Heute schlafen wir direkt mal aus. Bis kurz vor acht. Obwohl das Frühstück hier nur bis 09:30 Uhr serviert wird. Aber wir sind doch in Kalifornien.

Weniger entspannt ist die Coronalage in der Welt. Wir merken hier davon aber noch nichts und sind bislang überall willkommen. Hoffentlich bleibt das auch so. Eine Heimreise wäre auch schön. Aber nun freuen wir uns erst einmal auf L.A.!

Nach dem Duschen in einem mittelmäßigen Bad (es ist eben nur ein „Inn“ und kein Hotel) gehen wir zum Frühstück. Der Frühstücksraum ist die kleine Lobby. Dort stehen drei Tische mit insgesamt 13 Stühlen. Da die Herberge über ca. 60 Zimmer verfügt und der Parkplatz voll belegt ist, könnt Ihr Euch vorstellen, wie viel Platz zum Frühstücken bleibt. Wir ergattern ein Tischchen mit zwei Stühlen draußen vor dem Eingang. Die Sonne scheint, also ist das durchaus angenehm. Ich kann schließlich auch im Stehen frühstücken. Das Buffet erhält dann von uns das Siegel: Legendär. Und das ist leider ironisch gemeint. Es gibt Toast und Bagelchen, um mit dem Besten anzufangen. Ansonsten ein paar namenlose Cereals, die, wie ich später höre, wohl auch so fade schmecken, wie sie aussehen. Joghurt gibt es auch, das steht jedenfalls auf den Bechern. Aber hier in den USA ist Joghurt eher ein Fruchtpudding. Darin enthalten sind fettfreie Milch, Maisstärke, Gelatine und immerhin Zucker und kein Ersatzprodukt. Schmeckt uns Dreien nicht sooo gut. Serviert wird das Ganze mit Einwegbesteck und -geschirr. Da es leider keinen Frischkäse gibt, versuche ich die kalte Butter mit dem kleinen Plastikmesser zu verstreichen. Mit dem zweiten Messer klappt es, die Butter ist in der Sonne schon etwas warm geworden. Wir beschließen, später am Vormittag ein zweites Frühstück einzunehmen, das diesen Namen auch verdient.

Also Auschecken und dann wieder auf die Straße. Heute liegen nur noch 100 Meilen vor uns. Der nächste Zwischenstopp ist nach einer kurzen Recherche Ventura. Dort gibt es ein Einkaufszentrum mit einer „Target“-Filiale und sicher auch eine Frühstücksgelegenheit. „Target“ ist für den Teenager ein Must-See. Es handelt sich dabei um einen Supermarkt, der unserer „real“- oder „Metro“-Kette gleicht. Eine Mischung aus Lebensmitteln und Non-Food, nur eben (überraschungsfrei) sehr viel größer als in Deutschland. Unserem Teenager zufolge sei das auch überhaupt nicht vergleichbar. Hier ist alles total cool und in Deutschland eben nicht. Diese These zieht sich übrigens durch den gesamten Urlaub. Unsere Gegenargumente verhallen ungehört. Die vielen Youtuber können doch nicht irren. Mir geht es anders. Ich bin sehr angetan von unserem Urlaub und genieße Kalifornien sehr, aber mit jedem Tag weiß ich unsere heimische Ausstattung in jedem Bereich mehr zu schätzen. Vom Wasserdruck bis zu unseren Verkehrsregeln – ich mag es auch zu Hause.

Ein paar Kleinigkeiten kaufen wir dann auch im „Target“. Unter anderem eine Dose Kopfschmerztabletten. So etwas wollte ich schon immer mal haben. Eine ganze rappelnde Dose! Meine sind sogar schrill orange. In Großbritannien gibt es freiverkäufliche Medikamente ja auch im Supermarkt, aber eben nur in Blistern. Und so günstig sind die Tabletten. Am Liebsten würde ich fünf verschiedene Dosen kaufen. Aber ich schätze es gibt hier auch eine Maximalabgabmenge und ich möchte mich nicht schon wieder blamieren. In Großbritannien habe ich im Kaufrausch einmal vier Schachteln auf einmal kaufen wollen. Die Kassiererin sagte mir dann, dass sie mir nur drei verkaufen darf. Für die vierte müsste ich mich einfach schnell noch einmal anstellen und erneut bezahlen. Habe ich dann auch gemacht. Aber heute nicht.

Wir haben Wasser gekauft und wollen die Flaschen mit dem Einkaufswagen zum Auto transportieren. Wir schieben eine Weile um das riesige Gebäude herum. Wir haben leider auf der anderen Seite geparkt. Ich schaue auf den Boden und sehe eine dicke gelbe Linie mit Einkaufswagen darauf, denke mir aber nichts dabei. Plötzlich müssen wir stehen bleiben, denn der Wagen rollt nicht mehr. Um uns herum stehen auch bereits drei weitere herrenlose, leere, blockierte Wagen. So ist es eben nicht gedacht. Wir dürfen das „Target“-Gelände mit Wagen nicht verlassen. Wieder peinlich. Und wir müssen nun alles auf unsere Arme verteilen.

Während die Eltern über so viel Bräsigkeit lachen können, ist für den Teenager bald die maximal erträgliche Peinlichkeit erreicht. Ab jetzt müssen wir uns also zusammenreißen.

Nachdem alles verstaut ist, wollen die Damen ins nahegelegene Café gehen, um das geplante zweite Frühstück einzunehmen. Aber der Beifahrer sitzt im Auto und ist sichtlich irritiert darüber, dass es immer noch nicht weitergeht. Vielleicht wurde es für Absicht gehalten, aber darüber können wir alle drei lachen. In „Mimis Café“ bekommen wir schließlich ein einwandfreies Frühstück (und dann auch noch um 13 Uhr): Cinnamon French Toast, Waffles with Berries, Quiche. Das Obstangebot ist hier übrigens hervorragend. Obst kann immer als Beilage geordert werden. Sehr leckere Beeren, Ananas und Melone.

Nach dem Brunch noch schnell tanken. Wie auch im Europäischen Ausland, muss man zuerst die Kreditkarte einlesen und kann erst danach tanken. Unsere Zapfsäule verlangt aber eine Debitcard und akzeptiert keine Creditcard. Das muss mir der nette Tankwart auf Nachfrage erklären. Dann bekommen wir auch unser Benzin.

Ab Ventura beginnt schon der Großraum Los Angeles. Das merken wir zum Einen am Verkehrsaufkommen und zum Anderen an den vielen aus der Film- und Serienwelt bekannten Ortsnamen. Bis hierhin: Oxnard, Thousand Oaks, Saratoga, Malibu, Calabasas, Topanga, Pacific Palisades, Brentwood.

Und dann sind wir auch schon in Santa Monica. Das Hotel liegt direkt am Pier, wir finden es also schnell. Die Einfahrt ist sehr eng und wir rollen ganz langsam ein. Leider ist draußen nichts frei, also müssen wir weiter in die Garage, in die wir gerade so hineinpassen. Dafür sind viele Plätze frei. Gerade als die ersten Taschen ausgeladen sind, kommt ein Hotelangestellter und belehrt uns, dass wir nicht allein parken dürfen. Nur er und seine Kollegen dürfen das. Es tue ihm leid, aber wir müssen wieder rausfahren und ihm das Auto oben übergeben. Ui, ich entschuldige mich, woraufhin er sich noch mehr dafür entschuldigt, dass an der Einfahrt niemand stand, der uns gleich aufgeklärt hat. So viel Höflichkeit. Wie ich es aus vielen Filmen kenne, übergebe ich brav den Schlüssel, obwohl „Gone in 60 seconds“ einer meiner Lieblingsfilme ist. Unser Gepäck teilt sich in der Hauptsache auf drei Koffer auf. Aber durch das Auto eben auch auf einige Taschen, Tüten und das Wasser. Der Hotelpage sieht das Chaos, holt einen Kofferwagen und lädt alles auf. Sehr nett ist er. Wir aber sind alle drei erschrocken, wie wenig glamourös unsere Habseligkeiten aussehen. Und nun werden sie auch noch derart präsentiert und direkt aufs Zimmer eskortiert.

Das Zimmer ist ausreichend geräumig und wir richten uns ein. Der Safe ist nicht funktionsbereit und wir müssen den Service rufen. Nach einer kleinen Pause im Zimmer wollen wir die Pier besichtigen. Die Sonne scheint und wir gehen alle ohne Jacke. Das ist recht frisch, aber wir beißen die Zähne zusammen. Einmal zum Wasser und wieder zurück. Ich wusste nicht, dass die legendäre Route 66 von Chicago quer durch das Land führt und hier am Pier endet. Haben wir die also auch bereist. Wenigstens ein klitzekleines Bisschen. Weil uns etwas kalt ist, gehen wir in die nächste Mall, die nur ein paar Schritte entfernt liegt. Leider Open Air und in den Läden sehr gut klimatisiert. Es wird also auch nicht wärmer. Es wird noch etwas geshoppt und dann wollen wir eigentlich in der „Cheesecake Factory“ essen, aber dort müssten wir eine Wartezeit von 20 Minuten in Kauf nehmen. Im Wartebereich sitzen schon eine Menge Wartewillige. Wir sind es nicht und entscheiden uns für Fast Food bei „Johnny Rockets“. Sehr lecker. Eine halbe Stunde ist vergangen und der Wartebereich ist leer. Also werden wir an einem anderen Abend einfach etwas später einen zweiten Versuch wagen.

Zurück im Hotel gewähren wir dem Teenager etwas Erholung und gehen in Jacken gehüllt noch einmal zur Pier. Im Dunkeln ist sie viel cooler, weil die bunte Beleuchtung besser zur Geltung kommt. Außerdem ist es nun leerer und leiser hier, wir können sogar das Brandungsrauschen hören.

Und auch den Drehort des Films „Der Clou“ entdecken wir beim zweiten Besuch (obwohl der Film in Chicago spielt):

Wednesday

Heute sind wir überwiegend auf der Straße. Uns soll eine Strecke mit „dramatischen Abschnitten“ erwarten. Was immer das heißt.

Aber vorher noch das Frühstück: Es kommt in zwei Kühltaschen und steht um 07:30 Uhr vor der Tür. In den Taschen liegen Bananen, Äpfel, Muffins, Croissants, Joghurtbecher, Orangensaft und viel zu viele Aufstrichdöschen für die beiden Croissants. Es ist in Ordnung, der Verzehr auf dem Zimmer eher unpraktisch. Es gäbe Tischchen im Innenhof, aber dort rollen bereits Koffer und Servicewagen herum.

Nach dem Frühstück spazieren wir zum Strand. Der Weg ist zwar weiter, als wir dachten, aber es geht trotzdem schnell. Der Strand in Carmel ist wunderschön! So einen Strand habe ich noch nie gesehen. Die Strände auf den Kanaren oder am Mittelmeer sehen ganz anders aus. Hier mischt sich der tropisch weiße Sand mit einer skandinavisch anmutenden Vegetation, die hier aber üppiger ist und bis kurz vor die Brandung reicht. Darin dann noch Felsen und im Hintergrund teilweise eine dezente Steilküste.

Der Stopp hier hat sich wirklich gelohnt. Dem Teenager wird das erst heute Abend klar werden. Sie hadert mit den entsprechenden Wenigertagen in L.A. und hat sowieso keine Lust, irgendwohin zu spazieren.

Dann checken wir aus und fahren wieder auf die Küstenstraße. Was wir sehen, ist atemberaubend. Wie auch in Schottland oder Island kann man sich kaum sattsehen. Erst fahren wir über waldige Serpentinen und plötzlich ist der Pazifik zu sehen. Die Straße liegt weit über dem Meeresspiegel und deshalb sind die Buchten und Felsen so schön zu sehen. Es gibt alle paar Meilen sogenannte „Vista Points“: Kleine Parkplätze zum Halten und der Möglichkeit, die Aussicht zu genießen. Einige nutzen wir auch.

Dann steigt vom Meer herauf dichter Nebel, der vom Wind mal heraufgewirbelt und mal hinabgepustet wird. Zum Glück muss die Geschwindigkeit wegen der engen Kurven sowieso gedrosselt werden. Es ist ganz schön und unheimlich. So bekommen Krimiautoren wohl ihre Inspirationen. In einem Film hätte ich diesen Effekt für ziemlich übertrieben gehalten.

Beifahrer und Fondpassagier wechseln zwischendurch mal die Plätze. Auf den Vordersitzen gibt es nämlich auch eine Massagefunktion. Die kann die Stimmung aber leider auch nicht bis zum Abend heben. Irgendwann überwiegt der Bewegungsmangel.

Nach zwei Stunden pausieren wir in einer Gaststätte mit spektakulärem Ausblick. Man wirbt mit Walbeobachtung. Leider schwimmen gerade keine vorbei. Anschließend wollten wir eine Mall in einem kleinen Örtchen suchen und etwas shoppen. Die Durchfahrt durch San Luis Obispo bleibt aber erfolglos. Also weiter Richtung Etappenziel Santa Barbara. Bevor die Küstenstraße plötzlich wieder etwas mehr ins Landesinnere führt, durchfahren wir zunächst Pismo Beach – ein Ort, der einen meilenlangen Strand bietet. Rechts und links der Straße liegen riesige Campingplätze mit noch größeren Wohnmobilen. Hier ist wohl ganzjährig Saison, es sieht voll aus. Nach diesem Ort durchfahren wir noch Guadalupe. Gerade, als ich denke, dass ich diesen Ortsnamen weiter zur mexikanischen Grenze gelegt hätte, zeigt sich eine Hauptstraße, die in Mexiko wohl auch nicht anders aussähe. Sehr cool. Lässt mich gleich an „El Mariachi“ denken.

Anschließend säumen landwirtschaftliche Felder die Straßenseiten. Erst Erdbeeren, die aber noch wachsen müssen und dann Kohl, der schon ganz gut aussieht. Vor uns biegt ein Truck voller Kartons auf die Straße. Nach ein paar Meilen muss er bremsen und es fallen vier Kartons mit Blumenkohl herunter. Einen Kohlkopf überrollen wir, aber mit 22-Zoll-Reifen und einem Gewicht von 2,5 t merken wir das gar nicht. Hatte ich eigentlich schon die PS-Zahl erwähnt? 426. Da meldet sich mein Umweltgewissen. Tut mir leid. Da wäre ein Inlandsflug wohl kaum schlimmer gewesen.

Den Zug hätten wir noch nehmen können. Wir sehen die Küstenroute und auch die silbernen Wagen ein paar Mal. Sieht auch gut aus.

Gegen halb sechs sind wir dann endlich in Santa Barbara. Den weiteren Abend verbringen wir getrennt. Einer geht zum Strand: Laufen und den Sonnenuntergang genießen. Die beiden anderen laufen zur nächsten Mall. Der Spaziergang ist auch nicht zu unterschätzen, denn wir sehen einen wunderschönen und sehr gepflegten Ort mit spanischem Einschlag. Hier lebt wohl viel Geld. Einige Promis auf jeden Fall, das habe ich gelesen. Wir sehen aber keinen.

Da der Shoppingausflug von Erfolg gekrönt wird, ist auch der Teenager wieder versöhnt und findet Santa Barbara ebenfalls super.

Super Tuesday

Heute gibt es wieder ein Hotelfrühstück, weil wir anschließend auschecken und dann mit dem Auto Richtung Süden aufbrechen. Frisch angezogen fällt dem Teenager erst einmal das Rührei auf T-Shirt und Hose. Aber gewaschen werden muss sowieso noch. Bis zur Ankunft in L.A. reichen die Kleider hoffentlich.

Die Fahrt zur Leihwagenzentrale legen wir in einem sehr großen SUV zurück. Bei Türöffnung fährt ein Trittbrett heraus. Das brauche ich zwar, aber mir wird recht mulmig. Haben wir nicht auch so ein Monster gebucht? Die Autovermietung „Sunny Cars“ habe ich mir in etwa wie im WDR-Dreiteiler „Wilder Westen inklusive“ vorgestellt. Eine kleine Werkstatt mit Containerbüro und einem staubigen Parkplatz. Weit gefehlt! Wir werden an einem vierstöckigen Gebäude abgesetzt, in dem alle namhaften Autoverleiher ansässig sind. Es sieht aus wie in einer Schalterhalle im Flughafen. Mit direktem Bahnanschluss zum echten Flughafen. Der sehr nette Mann an unserem Schalter versucht wie üblich, uns zu einem Upgrade zu überreden. Wie schon in Schottland, hat er damit auch gar keine Probleme. Für ein eingebautes Navigationsgerät zahlen wir eine kleine Summe extra und bekommen dafür ein Fahrzeug der Luxury-Klasse: Einen Cadillac Escalade.

Gebucht hatten wir die etwas kleinere Variante. Cadillac selbst beschreibt den Wagen als „SUV with sophistication, strength and style“. Greta Thunberg würde sagen: „How dare you!“ Ich bin gleichermaßen beeindruckt wie beunruhigt. Was habe ich da bloß unterschrieben? Wenn ich es aus dem Parkhaus schaffe, dann wird es schon irgendwie gehen.

Ich schaffe es. Und so machen wir uns auf den Weg nach Stanford. Wir sind gespannt auf die Alma Mater von Chuck Bartowski. Das Nerd Herd T-Shirt wurde extra angezogen. Die knapp 20 Meilen sind schnell zurückgelegt, auch wenn das Navigationsgerät noch nicht rund läuft. Und das Stanford Gelände ist wahrlich schön. Die 129 Jahre alten Gebäude sind eine Mischung aus Mexikanischem und Europäischem Klassizismus. Das Wetter ist blendend und so erstrahlen die ockerfarbenen Bauten vor einem azurblauen Himmel. Unser Hauptziel ist der Bookstore, in dem wir Universitätskleidung und einige andere Devotionalien erwarten. Der Laden ist dann etwa so groß wie das Untergeschoß im Karstadt an der Mönckebergstraße. Und es gibt dort auch Bücher und Schreibwaren. Aber hauptsächlich werden die Bedürfnisse der touristischen Besucher bedient. Wir kaufen auch gleich mehrere Outfits. Unser Teenager träumt seit Langem davon, hier einmal zu studieren. Deshalb nehmen wir uns vor, wieder regelmäßiger einen Lottotippschein abzugeben. Denn die saftigen Studiengebühren sind eine erste Hürde. Eine weitere ist natürlich die persönliche Eignung. Ich muss das nochmal genau nachlesen in „Wo bitte geht’s nach Stanford“ von Isabelle Liegl. Eigentlich gehe ich aber davon aus, dass der Zug bereits abgefahren ist. Und der Lottogewinn ohnehin unwahrscheinlich. Aber heute werde ich diesen Traum nicht zerstören.

Das Parken bzw. Bezahlen des Tickets erweist sich als schwierig. Mir scheint, dass das ein erster IQ-Test ist. Wir fallen übrigens durch, kommen aber trotzdem wieder heraus aus dem Parkhaus. Allerdings musste das Kennzeichen angegeben werden. Vielleicht läuft die Uhr auch immer weiter und weiter – Bastian Pastewka kennt das.

Jetzt geht es weiter nach Cupertino zur Apple Zentrale. Die Fahrt ist kurz und der Parkplatz Europäisch klein. Im Silikon Valley ist man wohl auch eher grün als auf SUVs eingestellt. Aber ein Riesenwagen fährt raus, dann muss ich da ja auch hinein passen. Es passt. Das Visitor Center ist ein stylischer Glas-Holz-Bau. Darin quasi eine Apple-Filiale und ein großes Modell der gegenüberliegenden Firmenzentrale. Das Modell ist aus Macbookgehäusemetall gefertigt. Mit einem IPad lässt sich das Innere erkunden. Sehr cool. Die Aussichtsplattform auf dem Dach ist leider nicht hoch genug, um den 1,1 Meilen umfassenden Rundbau wirklich sehen zu können. Das gab es aber letzte Woche im TV, macht also nichts.

Geshoppt wird eine Apple Watch für den Herrn. Üblicherweise wird auf den Ladenpreis noch eine Steuer von 8,5% addiert. Das empfinde ich als sehr lästig, weil auf diese Weise auf dem Etikett nie der endgültige Preis zu lesen ist. Bei Apple beträgt der Zuschlag auch gleich 10%, was aber an der Region liegt und nicht am Anbieter, wie uns eine spätere Recherche verrät.

Jetzt geht es weiter Richtung Süden zu unserem nächsten Stopp: Carmel by the sea.

Bei dieser Gelegenheit kann ich in amerikanischem Stil einige der Luxury Features unseres Gefährts aufzählen: Ausfahrbare Trittbretter, digitale Anzeige auf der Frontscheibe, Kühlschrank in der Mittelkonsole, Klimaregulierung an jedem der sieben Sitzplätze, Parksensoren mit Kameras in jede Richtung (allerdings kein akustisches Signal, sondern Vibration im Fahrersitz), alles, was zu verstellen ist, natürlich elektrisch, eine Sitzbelüftung, die ein Gefühl vermittelt, als säße man am Bahnsteig, eine Warnung nach dem Ausstellen des Motors, man möge doch bitte sicherstellen, dass niemand im Fond vergessen wird: Kinder, Hunde u.ä. .

Die Strecke bis Carmel führt erst über einen pittoresk kurvig-waldigen Zubringer zum Küstenhighway No. 1. Das ist eine sehr schöne Berg-und-Tal-Strecke. Der Übergang zum Highway bei Santa Cruz ist sehr stauig, so dass wir den Sonnenuntergang verpassen und erst im Dunkeln in Carmel ankommen. Unser Hotel hat einen sehr britisch-plüschig-schrabbeligen Charme. Zwei sind begeistert, die dritte nicht. Es war aber eine der wenigen bezahlbaren Unterkünfte in diesem Kampen Kaliforniens. Es ist zwar schon dunkel, aber bei einem kleinen Spaziergang entdecken wir entzückende Straßen und Häuser. Die müssen wir uns Morgen früh dann noch einmal ansehen, bevor es weiter geht. Das Continental Breakfast wird uns aufs Zimmer gebracht. Wir sind gespannt, denn im Reiseführer steht, dass dieses Zugeständnis an Europäische Touristen meist nicht gut ist. Dann legen wir eben in einem Highway-Diner nach. Dieses Vergnügen wollen wir sowieso nicht verpassen, weil wir es aus unzähligen Filmen kennen. Ach ja, bei unserer Ankunft hier im Hotel musste ich kurz an das „El Royal“ und seine illustren Gäste denken. Aber hier knistert nur der Kamin in der Minilobby, wie er es auch im Dartmoor täte.

Der Super Tuesday ist an mir komplett vorübergezogen, ohne dass ich etwas davon mitbekommen hätte. Der Fernseher war heute gar nicht in Betrieb, so dass ich es in der deutschen Zeitung nachlesen muss.