Viktualien

Inselzeit 22T21Std

Heute habe ich gelesen, dass der heimische Stil in der deutschen Spitzenküche vermisst wird. Es gebe nur wenige regional orientierte Köche und Lokale, es fehle an deutscher Küchen-DNA. Die Franzosen hätten seit Jahrzehnten einen großen Einfluss und es seien auch keine prominenten Vorbilder zu finden. Die Kanzler hätten z.B. nur Saumagen, Currywurst und Grühnkohleintopf bekannt gemacht. Nun müsse man nicht gleich so brutal lokal sein wie die Dänen im „Noma“, die noch nicht einmal Olivenöl oder Zitrusfrüchte verwenden, aber eine Rückbesinnung auf regionale Lebensmittel sei doch wünschenswert.

Wir kochen auf der Insel ja nicht auf Sterneniveau. Da müssen wir uns auch nicht so beschränken. Kochen ohne Olivenöl? Kein Currygericht? Das wär doch schade. Ich muss aber zugeben, dass unsere Speisenauswahl nur ein Gericht enthält, dass als urdeutsch bezeichnet werden könnte. Alles andere hat viele Einflüsse aus Europa und dem nahen Osten. Ein wenig Amerika mischt sich auch darunter.

Ich muss außerdem sagen, dass ich das Leben in der Großstadt auch deshalb so genieße, eben weil es so viele ausländische Einflüsse bietet. Nicht nur in Bezug auf die Lebensmittel. Das griechische Restaurant und den Asia-Markt gibt es selbst in der Kleinstadt.

Die Große Bergstraße in Altona gehört zu meinen Lieblingsorten in der Stadt, weil sich dort der türkische Gemüsehändler neben dem schwedischen Café und der niederländischen Stoffhändlerin angesiedelt hat. Ein paar Meter weiter bietet eine schweizerische Kommune allerfeinste Patisseriewaren an und ein Brite verkauft Bücher, Haushaltswaren und allerlei andere Artikel aus dem Vereinten Königreich. Das sind oft Läden, die nur in einer Großstadt funktionieren, weil sich hier genug Kunden finden. Das ist mir klar und ich mag das sehr. Leider sind manche Richtungen für mich gar nicht zu finden. Da sind Städte wie Berlin, London oder New York natürlich viel mehr Schmelztiegel. Die jüdische Gemeinde zum Beispiel kommt für mich in Hamburg gar nicht vor. In Berlin aber schon. Da haben wir in Kreuzberg einen tolles Café besucht, das sehr spannende Speisen im Angebot hat. Auf meiner Weihnachtswunschliste steht seitdem „Jerusalem: Das Kochbuch“.

Auf Borkum werden erfahrungsgemäß etwa 95% der Urlauber deutsch sein. Und davon mindestens die Hälfte aus NRW. Aber das bedeutet ja nicht, dass die Leute weniger spannend sind. Mal sehen, welche Strandkorbnachbarn wir in diesem Jahr haben. Das kann ja in alle Richtungen gehen, in die witzige oder in die nervige. (Charlotte und 🌭)

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