Sogenannter Agententhriller aus dem Jahr 2017. Die Hauptrolle spielt Jennifer Lawrence und das macht sie erwartungsgemäß hervorragend. Bis auf ihre Frisur, die natürlich Geschmacksache ist, sieht sie auch in den Kostümen noch sehr gut aus. Sie spielt eine Russin, die von ihrem Onkel in den Geheimdienst gezwungen wird. Vor Beginn ihrer Tätigkeit muss sie ihre Ausbildung an einer geheimen Ausbildungsstätte absolvieren. Wie in Russland wohl üblich, kennt die Ausbilderin (Charlotte Rampling herrlich fies) keine Gnade.
Von Beginn an wird aber auch gar nichts beschönigt oder verborgen. Weder Gewalt noch Perversion wird ausgeblendet. Nein, die Kamera hält immer voll drauf. Das ist meines Erachtens eine große Schwäche des Films. Die Geschichte ist ganz gut, durch die relativ unerwarteten Wendungen (leider wird auf der Verpackung bereits erwähnt, dass diese zahlreich sind) verliert die Handlung nicht an Schwung. Aber einige Schlüsselszenen werden derart ausführlich gezeigt, dass ich eigentlich lieber wegschauen möchte. Das ist mir zu viel für FSK 16.
Darüber hinaus sind mindestens zwei Figuren nur schwach besetzt bzw. schöpfen die Darsteller ihre Möglichkeiten nicht aus: Joel Edgerton als CIA Agent und Ciarán Hinds als böser russischer Colonel. Da die beiden nicht unwichtig sind, ist das schade. Das rauszureißen, schaffen Jennifer Lawrence und Jeremy Irons trotz ihrer unzweifelhaften Performance leider nicht.
Insgesamt lässt mich der Film etwas ratlos zurück. Ich weiß nicht, warum diese von Amerikanern inszenierte Geschichte nach Russland verlegt wurde. Zu Zeiten des kalten Krieges hatte der Kampf „Ost gegen West“ vielleicht noch einen Reiz. Aber andere Filme haben das sehr viel besser umgesetzt: „Jagd auf Roter Oktober“ zum Beispiel. Soweit ich herausfinden konnte, ist die Geschichte fiktiv, es liegt nicht einmal ein Roman zugrunde. Und dass die Russen alle böse sind und auch kein Erbarmen der eigenen Familie gegenüber kennen, kann so sein. Ich möchte das aber nicht als Teil meiner Unterhaltung sehen.
Da hat Frau Lawrence schon in viel besseren Dramen mitgewirkt. „Winters Bone“ zum Beispiel. Supertragische Geschichte aus der US-Amerikanischen Pampa. Heftig, aufrüttelnd, niederschmetternd. Na gut, ist beides kein Gute-Laune-Kino.
Für den Red Sparrow vergebe ich 6/10 handliche Hauttransplantationsgeräte.