Heute verleben wir unseren letzten Tag in Großbritannien. Wir schlafen alle recht lang und gehen erst spät zum Frühstück, dass hier nur bis 09:30 Uhr serviert wird. Es ist ein kleines Buffet aufgebaut mit Cereals, Joghurt, Säften und Marmeladen. Das Übrige muss man bestellen. Toast mit Rührei, Full English Breakfast, Tostie mit Lachs und Rührei, Eggs Benedict, sowas in der Art. Schön angerichtet und stets mit einer Kresseart dekoriert. Alles sehr lecker. Zurück zu Hause in Deutschland ist mein Rühreibedarf dann aber erst einmal gedeckt. Vielleicht mal wieder ein gekochtes Ei. Das geht mir nach Auslandsaufenthalten eigentlich immer so. Ich mag die ausländische Küche meist sehr, aber das das gute alte Frühstück, wie ich es kenne oder besser noch ein Abendbrot mit kernigem Brot und eingelegten Gurken fehlt mir recht schnell.
Nach dem Frühstück fahren wir nach Widecombe in the Moor, ein kleines Dorf in der Nähe. Es gibt dort eine Kirche und zwei große Parkplätze. Sonst nicht viel. Es ist sehr hübsch, aber recht verlassen. Wir haben die Straßen schnell erkundet. Dann fahren wir zurück und halten noch an einem Parkplatz, von dem aus man ein bisschen weiter ins Moor laufen kann. Auf dem Parkplatz stehen 4 Ponys und möchten gestreichelt werden. Zwei Mütter mit ihren Fohlen. Als sie genug Streicheleinheiten bekommen haben, trotten sie auf die Straße und verursachen einen kleinen Stau, weil auf beiden Seiten nicht genug Platz zum vorbeifahren bleibt. Sie schauen sich das Treiben eine Weile an und laufen dann zurück ins Moor. Ein Moor stellt man sich ja eher düster und sehr feucht vor. Hier ist es hügelig und im Augenblick sehr trocken, es hat seit Wochen nicht geregnet. Die Pflanzenwelt sieht aber immer noch ziemlich üppig aus. Jedenfalls ist es überhaupt nicht düster und unheimlich, die Sonne brennt auch hier unerbittlich.
Zurück im Hotel setzen wir uns auf die Terasse und lesen eine Weile bei kalten Getränken. Als die Sonne soweit gewandert ist, dass uns kein Schatten mehr bleibt, wechseln wir in die Zimmer und ich mache wieder einen kleinen Mittagsschlaf. Mitten am Nachmittag erobern wir wieder einen Tisch mit Schirm und essen ein Stück Kuchen.
Nach dem Kuchen machen sich zwei von uns auf zu einer kleinen Wanderung in ein nahegelegenes Wäldchen. Wirklich nahe. Es ist sehr schön dort, vor allem schattig. Alles ist moosbewachsen und unser Ziel ist das sichtbare Stück eines Baches, das sich unaufhörlich durch Felsblöcke schlängelt.
Danach wieder ein kaltes Getränk und ein Buch auf der Terasse und dann fahren wir in den Gefängnisort Princetown, um im „Prince of Wales“-Pub etwas zu essen. Harry Bosch hat seinen Fall inzwischen gelöst und ich muss einen alten Fall hervorkramen. Aber viel weiß ich davon nicht mehr, das müsste schon wieder gehen.
Im Pub ist es sehr voll. Gerade wurde eine Busladung Reisender in den Pub geschwemmt und ein zweiter Bus steht noch aus. Dann wird es noch ein wenig dauern, bis wir etwas bekommen. Na gut, dann warten wir. Unterwegs haben wir heute wieder viele Radfahrer überholt. In meinen Augen sind die eher verrückt. Der Straßenbelag eignet sich nicht unbedingt für schmale Rennradreifen und die Steigungen sind beachtlich. Bergauf muss es unglaublich anstrengend sein und bergab sehr gefährlich, weil die engen Straßen oft nur schlecht einsehbar sind. Die Einheimischen fahren meist auch mindestens die maximalen 40mph, da kann es schnell mal zu spät sein. Mir kommt das ähnlich unattraktiv vor, wie in London mit dem Fahrrad zu fahren. Es gibt dort eigentlich keine Radwege und die motorisierten Verkehrsteilnehmer sind nicht unbedingt rücksichtsvoll, selbst Fußgänger werden angehupt, wenn sie nerven.
In Princetown steht ein altes Gefängnis, das aber immer noch im Dienste ihrer Majestät betrieben wird. Heute sitzen dort hauptsächlich White-Collar-Verbrecher ein und die haben viele Möglichkeiten: Universitätskurse oder handwerkliche Ausbildung – alles möglich. Es gibt auch wieder eine Verbindung zu James Bond. In „From Russia with love“ ist der SPECTRE-Bösewicht ein Verurteilter Mörder, der aus dem Dartmoor-Prison ausbrechen konnte.
Nach dem Essen, das doch gar nicht so lange auf sich warten ließ, packen wir schnell die Koffer und lassen uns vor dem Kamin mit einem weiteren Dartmoor-Gin nieder. Der Kamin brennt natürlich nicht, das ist dieser Tage wirklich nicht notwendig.
Mit vielen Grüßen vom Prince of Wales verabschiede ich mich für heute wieder nach L.A. zu Harry B..
