Der Montag beginnt wie immer sehr ruhig mit einem späten Frühstück. Gegen Mittag fahren wir in die nahegelegene Stadt Lucca, die uns mit ihrem historischen Charme verzaubert. Die Mischung aus Gamla stan und Rom wird von einer sehr gut erhaltenen Stadtmauer umgeben.
Es ist die Geburtsstadt von Giacomo Puccini. Der Komponist lebte in der Mitte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ich habe seine Daten immer viel weiter in der Vergangenheit vermutet. Aber nein, sein Wirken liegt erst 100 Jahre zurück. Er liebte schnelle Autos und das Reisen. Einige seiner Werke spielen in fernen Ländern, die er wahrscheinlich selbst besucht hat, weil sein beruflicher Erfolg ihn schon zu Lebzeiten zu einem vermögenden Mann gemacht hat. Jedenfalls ist sein Elternhaus heute ein Museum hier im Ort.
In der Stadt sind trotz der nachmittäglichen Hitze viele Touristen unterwegs. Auch einige Kreuzfahrergruppen werden durch die schönen Gassen geführt. Wir bummeln recht ziellos umher, kaufen ein paar Souvenirs und gönnen uns eine Erfrischung in einer Bar. Dort beratschlagen wir auch, was wir heute noch essen wollen. Ein Restaurant wird recht schnell verneint. Wir haben ja noch genug Vorräte, die vertilgt werden müssen. Ich hatte beim Großeinkauf ein Fläschchen Teriyaki-Sauce in den Wagen gelegt. Eigentlich als mögliche Fleischmarinade. Aber wir haben später beschlossen, dass wir in diesem Urlaub einmal nicht grillen werden. Nun muss die Sauce anderweitig Verwendung finden. Das löst eine Diskussion darüber aus, ob wir während des Italienurlaubes auch Speisen zubereiten wollen, die aus anderen Regionen stammen. Ein Teil sieht darin kein Problem, denn wir lassen uns schließlich auch in der Heimat nicht auf regionale Spezialitäten beschränken. Der andere Teil möchte aber in der Italienwelt bleiben. So wird das Problem erst einmal vertagt, wir werden Spaghetti Carbonara essen.
Auf dem Weg nach Hause halten wir noch einmal am Supermarkt und kaufen ein paar Kleinigkeiten. Bei acht Reisenden ist der Wagen aber auch mit Kleinigkeiten ganz gut gefüllt. Jedenfalls werden wir den Dienstag gut überstehen.
Am Dienstag bleiben wir wieder am Haus und urlauben ohne Programm. Eine Teilmenge (die sportliche Hälfte) macht sich auf, unsere meilenlange Auffahrt von Brombeerästen, größerem Geröll und Astwerk zu befreien. Sehr anstrengend, aber auch sehr löblich. Jetzt können wir wesentlich geschmeidiger hinauf- und hinabrollen.
Am Mittwoch müssen wir früh aufstehen und abfahren Richtung Florenz. Wir fahren bis zum Stadtrand und parken an der Universität. Direkt vor dem Parkhaus fährt die Straßenbahn Richtung Innenstadt. Der Ticketkauf ist ein Klacks und nach fünf Stationen sind wir schon mitten in der Altstadt. Vor uns erstrecken sich die Basiliken und Kathedralen in ungewöhnlich grün-grauem Stein. Das ist sehr schön anzusehen. Die Gebäude sind ja groß, deshalb können wir sie ausgiebig betrachten, obwohl die Stadt voller Touristen ist. Menschenmassen schieben sich durch die Straßen. Es ist Hochsaison, da darf ich mich nicht wundern. Florenz ist eine der meistbesuchten Städte Italiens. Am Nachmittag haben wir Karten gebucht für die Uffizien. Das Kunstmuseum beherbergt eine der wichtigsten kunsthistorischen Sammlungen der Welt. Ich kann auch bestätigen, dass dort viele schöne Werke zu sehen sind. Florenz selbst ist nach eigener Bewerbung eine Renaissance-Metropole. Und der Schwerpunkt der Uffizien liegt ebenfalls auf der Renaissance. Botticelli, Da Vinci, Michelangelo – alle sind sie hier vertreten. Allerdings kann mich die Präsentation nur bedingt begeistern. Meine Erwartungen waren scheinbar einfach zu hoch. Die Galleria Borghese in Rom oder die National Gallery in London können das sehr viel besser. Die Vatikanischen Museen muss ich aus diesem Ranking herausnehmen. Sie sind durch die schiere Größe und Unermesslichkeit eine Klasse für sich. Das Gebäude der Uffizien ist jedenfalls recht nüchtern, Name und Ursprung hätten es verraten können. Es gibt zwar wunderschöne Deckenfresken, aber die Säle selbst sind nicht so prachtvoll wie die Ausstellungsräume anderer Häuser. Trotzdem habe ich eine Menge weltberühmter Werke bestaunen können und die Marmorstatuen und -büsten von Sagengestalten oder alten Philosophen sind immer einen Besuch wert.
Sieht Socrates nicht wie ein sehr netter Mensch aus?:
