Heute wachen wir gegen 7 Uhr endgültig auf. Da wir alle keine große Lust auf Recherche haben, testen wir heute schon einmal das Hotelfrühstück. Ich finde es sehr gut. Es gibt eine große Auswahl an warmen Speisen, Brot, Brötchen, Bagels etc. nebst Belägen. Außerdem Obst und Müsli. Alles sehr lecker. Der Kellner hat Langeweile und möchte uns unbedingt Tipps für den Tag geben. Unsere geplante Strecke scheint ihn zu bestürzen, denn er betont mehrfach, wie viel doch zu laufen sei bei unseren Plänen. Wir schaffen das schon.
Vor der Hoteltür wabert schon wieder eine Marihuanaschwade vorbei. Es soll ja die Stadt des Nebels sein. Des Hanfnebels auf jeden Fall. Das kann in Amsterdam auch nicht schlimmer sein. Auf unsere Stimmung hat das aber keinen nennenswerten Einfluss. Weder im Guten, noch im Schlechten. Die Big Bus Haltestelle liegt nur 100m vom Hotel entfernt. Wir starten heute mit einer zweiten Tour, weil wir bei schönstem Sonnenschein noch einmal über die Brücke fahren und dann am anderen Ende mit einem weiteren Bus den kleinen Küstenort Sausalito besuchen wollen. Die Golden Gate Bridge ist für unsere Augen ja rot, offiziell lautet die Farbbezeichnung aber „International Orange“. Na gut. Die Audiobegleitung im Bus (ich entscheide mich immer für das Tonband, weil die Live-Performer mir zu schrill erscheinen) erklärt mir also zum zweiten Mal brav alle Sehenswürdigkeiten und berichtet über die Geschichte San Franciscos. Durch die Wiederholung werde ich vielleicht mehr im Gedächtnis sichern können, aber die Betonung der unzähligen Superlative geht mir etwas auf die Nerven. Stets ist alles das Größte, das Älteste oder das Meisbesuchte oder -gesehene. Das liegt den Amerikanern wohl im Blut. Die Busfahrt vom Aussichtspunkt am nördlichen Ende der Brücke nach Sausalito jedenfalls wird nur live besprochen. Der Fahrer ist der Alleinunterhalter: Fahrer und Guide zur gleichen Zeit. Er erinnert mich sehr an den Schrumpfkopf im Knight Bus von Harry Potter. Dieses begeisterte Aufbrausen! Nach seiner Schicht ist er sicher heiser. Beim Betreten des Busses hat er alle nach ihrer Nationalität gefragt. Auf dem Oberdeck ist eine Kamera angebracht, durch die er mit uns interagieren kann. Und dass macht er auch: „Hey New Zealand, are you ok with that?“ – „You‘ll like that, German“ – „Did you hear, Arizona?“ Und so fort. Irgendwie witzig mit einem leichten Nervfaktor. Trinkgeld bekommt er aber auf jeden Fall.
Sausalito ist entzückend. Sehr malerisch mit wunderschönen Läden und Wohngebäuden. Außerdem hat man eine schöne Sicht auf San Francisco. Eigentlich wollten wir mit der Fähre zurück in die große Stadt, aber die nächste Abfahrt ist so spät, dass wir kaum noch etwas anderes machen könnten. Also auch zurück mit dem Bus. In San Francisco trennen sich dann unsere Wege, wieder wegen Zeitmangel. Der Sportliche wird den Coit Tower besteigen und die Stadt noch einmal von oben betrachten. Die Mädchen wollten shoppen. Aber die Shoppingmeile ist nicht in Fußnähe. Und wir haben nur zwei Stunden Zeit bis zur Nachfahrt mit dem Tourbus. Also shoppen wir beim Hotel. Wir besuchen die nahegelegene Ross-Filiale (eine TK-Maxx Variante) . Dort ist aber die Kassenanlage gestört, deshalb kaufen wir doch nichts. Außerdem schlendern wir durch einen „World Market“. Dort gibt es alles, was auch im Untergeschoß von IKEA zu finden ist. Aber eben aus aller Welt. Toller Laden. Leider können wir nichts kaufen, weil die Koffer dafür keine Kapazität haben. Zuletzt gehen wir in den Safeway-Supermarkt und kaufen unter anderem ein „Colossal Slice of Birthday Cake“. Sechs quengelige Schichten, die wir drei uns später teilen.
Am Abend lösen wir noch unseren letzten Coupon für die Busfahrt bei Nacht ein. Eigentlich haben wir alle keine große Lust auf eine weitere Busfahrt. Aber gut, dass wir sie mitmachen. Sie ist wirklich schön. Die Stadt sieht im Lichterglanz ganz anders aus. Besonders die Wolkenkratzer sind eine Augenweide. Auf der anderen Seite der Bucht haben wir einen Blick auf die Skyline der Stadt. Sehr schön.

Die Torte war so gehaltvoll, dass wir kein richtiges Abendessen mehr brauchen. Wir holen uns noch ein paar Kleinigkeiten aus dem Supermarkt, die wir im Hotelzimmer vor dem Fernseher genießen. Morgen ist Super-Tuesday und im TV laufen viele Wahlspots. Die sind vielleicht ermüdend, jedenfalls werde ich gleich schlafen gehen.


