Monday

Heute wachen wir gegen 7 Uhr endgültig auf. Da wir alle keine große Lust auf Recherche haben, testen wir heute schon einmal das Hotelfrühstück. Ich finde es sehr gut. Es gibt eine große Auswahl an warmen Speisen, Brot, Brötchen, Bagels etc. nebst Belägen. Außerdem Obst und Müsli. Alles sehr lecker. Der Kellner hat Langeweile und möchte uns unbedingt Tipps für den Tag geben. Unsere geplante Strecke scheint ihn zu bestürzen, denn er betont mehrfach, wie viel doch zu laufen sei bei unseren Plänen. Wir schaffen das schon.

Vor der Hoteltür wabert schon wieder eine Marihuanaschwade vorbei. Es soll ja die Stadt des Nebels sein. Des Hanfnebels auf jeden Fall. Das kann in Amsterdam auch nicht schlimmer sein. Auf unsere Stimmung hat das aber keinen nennenswerten Einfluss. Weder im Guten, noch im Schlechten. Die Big Bus Haltestelle liegt nur 100m vom Hotel entfernt. Wir starten heute mit einer zweiten Tour, weil wir bei schönstem Sonnenschein noch einmal über die Brücke fahren und dann am anderen Ende mit einem weiteren Bus den kleinen Küstenort Sausalito besuchen wollen. Die Golden Gate Bridge ist für unsere Augen ja rot, offiziell lautet die Farbbezeichnung aber „International Orange“. Na gut. Die Audiobegleitung im Bus (ich entscheide mich immer für das Tonband, weil die Live-Performer mir zu schrill erscheinen) erklärt mir also zum zweiten Mal brav alle Sehenswürdigkeiten und berichtet über die Geschichte San Franciscos. Durch die Wiederholung werde ich vielleicht mehr im Gedächtnis sichern können, aber die Betonung der unzähligen Superlative geht mir etwas auf die Nerven. Stets ist alles das Größte, das Älteste oder das Meisbesuchte oder -gesehene. Das liegt den Amerikanern wohl im Blut. Die Busfahrt vom Aussichtspunkt am nördlichen Ende der Brücke nach Sausalito jedenfalls wird nur live besprochen. Der Fahrer ist der Alleinunterhalter: Fahrer und Guide zur gleichen Zeit. Er erinnert mich sehr an den Schrumpfkopf im Knight Bus von Harry Potter. Dieses begeisterte Aufbrausen! Nach seiner Schicht ist er sicher heiser. Beim Betreten des Busses hat er alle nach ihrer Nationalität gefragt. Auf dem Oberdeck ist eine Kamera angebracht, durch die er mit uns interagieren kann. Und dass macht er auch: „Hey New Zealand, are you ok with that?“ – „You‘ll like that, German“ – „Did you hear, Arizona?“ Und so fort. Irgendwie witzig mit einem leichten Nervfaktor. Trinkgeld bekommt er aber auf jeden Fall.

Sausalito ist entzückend. Sehr malerisch mit wunderschönen Läden und Wohngebäuden. Außerdem hat man eine schöne Sicht auf San Francisco. Eigentlich wollten wir mit der Fähre zurück in die große Stadt, aber die nächste Abfahrt ist so spät, dass wir kaum noch etwas anderes machen könnten. Also auch zurück mit dem Bus. In San Francisco trennen sich dann unsere Wege, wieder wegen Zeitmangel. Der Sportliche wird den Coit Tower besteigen und die Stadt noch einmal von oben betrachten. Die Mädchen wollten shoppen. Aber die Shoppingmeile ist nicht in Fußnähe. Und wir haben nur zwei Stunden Zeit bis zur Nachfahrt mit dem Tourbus. Also shoppen wir beim Hotel. Wir besuchen die nahegelegene Ross-Filiale (eine TK-Maxx Variante) . Dort ist aber die Kassenanlage gestört, deshalb kaufen wir doch nichts. Außerdem schlendern wir durch einen „World Market“. Dort gibt es alles, was auch im Untergeschoß von IKEA zu finden ist. Aber eben aus aller Welt. Toller Laden. Leider können wir nichts kaufen, weil die Koffer dafür keine Kapazität haben. Zuletzt gehen wir in den Safeway-Supermarkt und kaufen unter anderem ein „Colossal Slice of Birthday Cake“. Sechs quengelige Schichten, die wir drei uns später teilen.

Am Abend lösen wir noch unseren letzten Coupon für die Busfahrt bei Nacht ein. Eigentlich haben wir alle keine große Lust auf eine weitere Busfahrt. Aber gut, dass wir sie mitmachen. Sie ist wirklich schön. Die Stadt sieht im Lichterglanz ganz anders aus. Besonders die Wolkenkratzer sind eine Augenweide. Auf der anderen Seite der Bucht haben wir einen Blick auf die Skyline der Stadt. Sehr schön.


Die Torte war so gehaltvoll, dass wir kein richtiges Abendessen mehr brauchen. Wir holen uns noch ein paar Kleinigkeiten aus dem Supermarkt, die wir im Hotelzimmer vor dem Fernseher genießen. Morgen ist Super-Tuesday und im TV laufen viele Wahlspots. Die sind vielleicht ermüdend, jedenfalls werde ich gleich schlafen gehen.

Sunday

Nach sechs Stunden Schlaf wache ich auf und schlafe zwar noch einmal kurz ein, bin aber eigentlich wach. Um sechs Uhr gehe ich duschen. Die Dusche ist in Ordnung. Der Wasserdruck ist mittelstark, könnte aber wohl auch schlechter sein. Jedenfalls bin ich danach erfrischt und der Tag kann kommen. Auch der Teenager wacht um sieben auf. Wir ziehen uns an und spazieren zum „Hollywood Cafe“. Der Name rechtfertigt sich durch die Bilder an den Wänden: Lauter Stars der alten Schule. Vor dem Lokal stehen wir in einer Schlange und warten, bis ein Tisch frei wird. Das ist für uns ok , zumal wir die Zweiten in der Schlange sind. Für die draußen Essenden ist das vielleicht blöd. Weil wir als Zeitvertreib eine Karte bekommen haben, um uns etwas auszusuchen. Und jeden Teller, der vorbeigetragen wird, gucken wir uns an und lassen das in die Auswahl mit einfließen. Aber die Betreiber wollen es wohl so. Die Schlange ist schließlich so arrangiert. Wir essen:

Marilyn Monroe – French Toast mit Obst

Vivien Leigh – Croissant mit Rührei, Bacon und Obst

Meat Lovers Omelett – Omelett mit Wurst, Schinken und Bacon, nebst Toast und Kartoffelrösti

Außerdem für alle – ein Pancake mit Ahornsirup

Es schmeckt alles prima. Auch die Eisteeflatrate war eine gute Idee. Der Eistee ist traditionell zubereitet und von sich aus ohne Zucker. Kaum ist das Glas nahezu leer, wird sogleich nachgeschenkt. Das war schon mal ein prima Start!

Die Restrooms sind durch einen separaten Gebäudeeingang zu erreichen. Wir bekommen einen kleinen Zettel mit dem Zugangscode. In dem Gebäude sieht es spannend aus. Wie hinter den Kulissen der Truman Show.

Nach dem Frühstück laufen wir zur Fisherman‘s Wharf. Der berühmten Pier- bzw. Promenadenanlage am Wasser. Es ist gleich um die Ecke. Wir haben einen tollen Blick auf die Alcatraz Insel. Insgesamt macht die Gegend einen leicht heruntergekommenen Eindruck. Aber dennoch charmant. Pier 39, wo die Seehunde einen Anleger mit acht Pontons seit dem letzten großen Erdbeben von 1989 erobert haben, ist unser Ziel. Weil sie immer zahlreicher kamen, hat man ihnen den Anleger überlassen. Für uns Touristen ist es jetzt ein echtes Vergnügen, ihnen beim schlafen, rufen und spielen zuzusehen. Die übrige Pieranlage ist wie ein kleines Einkaufszentrum gestaltet. Lauter kleine überwiegend geschmackvolle Lädchen befinden sich dort. Zum Beispiel ein ganzjähriger Weihnachtsdekoladen. Wir kaufen uns so viele Souvenirs, dass wir beschließen, die Taschen ins Hotel zu bringen und erst anschließend weiterzuziehen. Auf dem Weg zum Hotel besuchen wir einen Trader Joe‘s Market. Das ist genau unser Ding. Tolle Öko-Produkte in sehr ansprechendem Ambiente. Auch dort sammeln wir noch ein paar Souvenirs ein.

Als nächstes steht eine Busrundfahrt auf dem Programm. Wir erwerben Karten für zwei Tage und alle Linien (3), inklusive einer Nachtfahrt und dem Eintritt für Madame Tussauds.

Die Openair-Fahrt ist recht frisch. Viel Wind und Temperaturen um die 14 Grad. Aber wir haben eine Kapuze und auch eine Decke. Es geht schon. Es gibt schließlich viel zu sehen in San Francisco. Man hört oft, dass die Stadt eher europäisch sei als amerikanisch. Ich finde aber, sie ist eine Mischung und hat von beidem viel. Die historischen Häuser sind wirklich entzückend. Fast alle stehen auf sehr unebenem Gelände. Das allein verleiht ihnen einen unwiderstehlichen Charakter. Ich kann mich kaum sattsehen. Unser erster Hop off Stopp ist am Alamo Square. Auf einer Anhöhe befindet sich ein kleiner Park, auf dessen Gipfel sich ein wunderschöner Blick auf die Stadt und auf die letzten der dort gelegenen historischen bunten Wohngebäude bietet. Die sogenannten Painted Ladies. Wirklich schön.

Zurück zum Bus fahren wir Richtung Golden Gate Bridge. Vor der Brücke fahren wir durch den Robin Williams Tunnel. Er hat hier lange gelebt und ist immer wieder in die Stadt zurück gekommen. Er war ja ein ganz großer. Ich muss mal wieder einen seiner Filme anschauen. Nach dem Tunnel geht es auf die Brücke. Ohne Dach ist es in jeder Beziehung ein cooles Erlebnis. Da das Wetter gerade nicht so sehr sonnig ist, entscheiden wir, erst Morgen auf der anderen Seite auszusteigen. Der Blick auf die Brücke und die Stadt ist aber auch mit grauem Himmel atemberaubend. Uns zeigt sich die Fog City bisher nebelfrei. Liegt vielleicht an der Jahreszeit. Aber wir können alles prima sehen.

Der Audioguide gibt immer wieder Hinweise auf Hollywoodfilme, die auch in San Francisco vielfach gedreht wurden. Der Staat Kalifornien ist der wirtschaftlich stärkste in den USA. Und die Unterhaltungsindustrie steht dabei angeblich immer noch an erster Stelle. Bemerkenswert, dass sich der Betrieb neben allem, was aus dem Silicon Valley kommt, noch so behaupten kann. Aus meinem Leben sind allerdings beide Zweige nicht wegzudenken.

Zweiter Hop off Stopp ist die Lombard Street. Die Straße, die an einem Ende ein Gefälle von 27 Grad hat. Um das etwas zu entschärfen, wurde an der extremsten Stelle eine achtkurvige Serpentine angelegt. Hier schleichen die Autos ganz langsam herunter. Die Fußgänger haben einen eigenen Weg mit Treppenabschnitten. Rechts und links stehen hübsche alte Häuser, deren Wert wahrscheinlich unermesslich ist. Es ist auch gar nicht überlaufen hier. Wir können ganz entspannt herunterlaufen und Fotos machen. Wieder unten angekommen, laufen wir Richtung Hotel. Auf dem Weg besuchen wir eine Starbucksfiliale. Die ist ganz schön schrabbelig. Da müsste dringend mal was gemacht werden. Aber die Getränke sind lecker.

Nachdem wir uns im Hotel wieder frisch gemacht haben, gehen wir zu Madame Tussauds. Es ist wie immer ganz nett, aber ein recht kurzes Vergnügen. Dem Teenager fehlen viele Prominente. Die meisten sind schon alt und ihr kaum bekannt. 15 Minuten und wir haben alles gesehen. Dafür gab es überhaupt keine Schlange und auch keinen Trump. Der Resolute Desk war einfach leer und Herr Obama stand davor. Toll!

Nach dem Kabinett wollen wir uns unser Abendessen besorgen. Fastfood soll es sein, von Krispy Chicken. Als Beilage gibt es mac and cheese. Das wählen die Mädchen. Im Hotel stellt sich leider heraus, dass die orangefarbene Lumumpe leider ekelhaft ist. Wir waren aber nicht ausgehungert, es ist also nicht so tragisch. Morgen gibt es wieder was Neues.

Jetzt sind wir wieder müde und gehen schlafen. Bis Morgen.

To travel is to live

Anreisetag! Und die Anreise dauert wirklich einen ganzen Tag!

Wir starten kurz vor acht mit dem Taxi Richtung Flughafen. Der Fahrer erinnert mich an Sherlock Holmes Gegenspieler in der Folge „Ein Fall von Pink“. Aber er sagt nichts und im Radio läuft eine jazzige Playlist namens „Montreux Jazz“. Bis auf das Saxophonsolo die letzten 5 Minuten eigentlich ganz gut. Hotellobbymäßig.

Am Flughafen läuft alles wie am Schnürchen. Wir sitzen schon um halb neun beim ausgiebigen Frühstück. Es kommt die Frage auf, warum man bei Interkontinentalflügen so früh erscheinen soll. All die Passfragen werden ja inzwischen im Vorwege online erledigt. Also nur Reisefieber. Aber das ist in Zeiten der Pandemie ein Tabuwort: Fieber. Tatsächlich laufen auffällig viele Reisende mit Mundschutz herum. Wir haben keinen, aber der soll schließlich auch nur bedingt wirkungsvoll sein.

Während des Frühstücks gehen wir nochmal durch, ob auch nichts vergessen wurde. Leider haben wir etwas vergessen: Den männlichen Führerschein. Weil es noch so ein blödes rosa Leporelloding und immer nur im Weg ist. Das bedeutet, dass möglicherweise nur ich fahren darf. Das gefällt uns allen nicht, ist aber nicht mehr zu ändern. So früh sind wir auch wieder nicht hier. Zurückfahren passt nicht mehr.

Die WCs am Hamburger Flughafen sind in einem hervorragenden Zustand: Angenehme 3 Grad kühler als im restlichen Gebäude und frisch gereinigt duftend. Super.

Leider starten wir wegen akutem Bodenpersonalmangel 20 Minuten später als ohnehin schon knapp geplant. Wir hoffen das Beste. Der Schweizer Pilot kündigt jedenfalls an, die Anschlussmaschinen entsprechend zu informieren. Das gesamte Personal an Bord stammt offenbar aus der Schweiz. Ich verstehe die Damen besser, wenn sie englisch sprechen. Sie haben keine Hemmungen, Worte zu benutzen, die man im benachbarten Kanton schon nicht mehr versteht. Da bin ich mir sicher.

In Zürich haben wir dann erwartungsgemäß einen echten Stress, das nächste Gate zu erreichen. Aber wir fahren mit einer Untergrundbahn. Während der Fahrt zeigt uns eine akustische Heidi in den Fenstern alpine Schneebilder aus ihrer Heimat. Ganz süß. An Bord der Maschine Richtung San Francisco sind wir dann wirklich die letzten. Auf unserem Platz sitzt bereits ein hoffnungsfroher junger Mann, der dann sichtlich enttäuscht auf seinem zugewiesenen Platz nimmt.

Während des Fluges genießen wir einen einwandfreien Service. Alle 20 Minuten gibt’s Getränke und die Snacks und Mahlzeiten sind alle lecker: Curry Vindaloo (europäisch mild), Rosmarincracker, Käseküchlein, Schokoladeneis und ein Sandwich.

Das Entertainment an Bord lässt zumindest auch bei mir keine Wünsche offen: Es ist Award-Season und ich gucke: A beautiful day in the neighbourhood, Judy und Ford vs Ferrari. Der erste ist sehr rührend und hat mir sehr gut gefallen. Der zweite ist ok, etwas handlungsarm und der dritte ist leider langweilig trotz der tollen Darsteller. Für den Rückflug bleibt auch noch genug! Alles in allem vergehen die 12 Stunden annehmbar schnell.

Die eigentliche Einreise ist dann wie erwartet langwierig. Zunächst werden wir an Automaten gelotst: Passscan, Fingerabdrücke und Zollerklärung werden gespeichert. Anschließend stellen wir uns in eine beachtliche Schlange, die sich auch nicht wirklich bewegt. Zwei Stunden stehen wir herum und werden Zeuge einiger sehr deutscher Auseinandersetzungen, die die Stimmung bei einigen Wartenden fast zum Kippen bringt. Kurz vor einer Eskalation werden auch Citizenschalter für uns geöffnet, weil dort gerade nichts los ist. Dann geht es schnell. Auch wenn wir das ganze Programm noch einmal ausführlicher über uns ergehen lassen müssen. Immerhin ist der Beamte gut gelaunt und sehr freundlich. Und unsere Koffer stehen auch noch am Band! Alle drei!

Dann machen wir uns auf den Weg zum Hotel mit einem Ökotaxi (Hybridfahrzeug). Eine der Brücken erstrahlt in voller Beleuchtung, es ist schon dunkel.

Im Hotel hat keiner mehr Lust, nach 22 Stunden auf den Beinen, das Zimmer noch einmal zu verlassen. Also rufen wir den Roomservice, das haben wir noch nie gemacht. Es gibt Burger, Cesars Salad und eine Ramen-Bowl. Ordnet uns das gern selbst zu.

Jetzt wird geschlafen! Bis Morgen.

Postcards from L.A.

Der nächste Urlaub wirft seine Schatten voraus! Gerade habe ich uns mit Nackenkissen für den 12stündigen Flug versorgt. Außerdem vier Steckdosenadapter zusammengeliehen, weil ich nicht davon ausgehen kann, dass unsere Hotelzimmer über ausreichend viele USB-Ports verfügen. Wir nächtigen schließlich nicht immer in Viersterneetablissements und im Zweifel müssen ja drei mobile Geräte gleichzeitig geladen werden.

Über WLAN verfügen natürlich alle Hotels, dieses Kriterium steht noch weiter oben im Anforderungskatalog als ein gutes Frühstück. Während dieser Reise sowieso, denn der Teenager hat so viele instagramwürdige Lokalitäten herausgesucht, die aufgesucht werden müssen, dass wir auf keinen Fall jeweils alle drei dort etwas verzehren können. So viel schaffen wir nicht. Also kann man das Frühstück schon mal getrost weglassen.

Die Fluggesellschaft (Swiss) hat sich heute gemeldet mit dem Hinweis, dass die Sitzplatzreservierung für den Langen unter uns aus organisatorischen Gründen geändert werden musste. Hoffen wir mal, dass es sich um eine angemessene Änderung mit ausreichender Beinfreiheit handelt. Das werden wir nun erst am Flughafen erfahren, weil die zugehörige App so „kurzfristige Änderungen nicht anzeigen kann“. Schweizer Gemütlichkeit – die Mail begann auch mit einem jovialen „Gruezi Frau…“ .

Ich versuche, entspannt zu bleiben, denn die zahlreichen Formalitäten, die für eine Einreise in die USA zu erledigen sind, reichen mir aus, um meinen Stresspegel immer schön hoch zu halten. Aber ich glaube, jetzt ist alles eingepflegt. Leider kann die App auch hierzu keine echte Bestätigung anzeigen. Da gibt es noch Verbesserungsbedarf, den ich tatsächlich auch bereits zurückgemeldet habe, als die Frage nach der Bereitschaft eingeblendet wurde, einen Feedbackbogen auszufüllen. Ja, wenn sie doch fragen, die Schweizer, gell! Vielleicht wurde deshalb eine neuer Sitzplatz vergeben. Möglicherweise sogar ein Upgrade.

Über die Mentalität der Schweizer weiß ich nicht viel. Aber wir landen nur kurz und müssen zum großen Flugzeug sicher auch laufen. Es bleiben nach Plan nur 10 Minuten bis zum Boarding Teil 2. Spätestens da gilt es, sich schon einmal auf den Kalifornischen Stil einzustimmen. Ich hatte im Büro einen Englischlehrer, der nicht nur so aussah, als käme er geradewegs vom Venice Muscle Beach (wie ein junger Michael Clarke Duncan). Unser Unterricht sollte um 07:30 Uhr starten. Selten erschien er vor 07:55 Uhr. Nachdem wir uns vergewissert hatten, dass er sehr wohl wusste, dass Unterrichtsbeginn nicht erst um 08:00 Uhr sei, haben wir ihn gebeten, bitte pünktlich zu sein. Wir hätten Folgetermine und auch sonst müssten wir rechtzeitig wieder am Arbeitsplatz sein. Darauf hat er sich nur gestreckt, dabei den Dehnungszustand seines T-Shirts nahezu ausgereizt und gesäuselt: „Ich bin Kalifornier. Halb acht ist eine unwürdige Zeit und wir sollten uns lieber mal entspannen („relaxen“, nicht „chillen“). Das würde auf keinen Fall passieren, dass wir schon um halb acht starteten.“ Er hat dann oft versucht, früher zu kommen. Wenn er es geschafft hatte, hat er dafür aber zur Kantinenöffnung um 08:00 Uhr erst einmal ein Päuschen eingelegt, um sich einen Kaffee und ein Croissant zu holen.

Die Koffer sind gepackt. Jetzt wird noch über Zweitjacken und ein weiteres Paar Schuhe verhandelt. Das Handgepäck ist vorbereitet. Ich glaube, es kann nun wirklich losgehen: „California – here we come“!

Torsdag

Heute gibt es kein spezielles Ausflugsprogramm mehr. Wir wollen noch einmal alle geöffneten Lädchen besuchen.

Außerdem müssen wir noch die andere Seite des Strandes ablaufen bis zur Løkken-Bake. Sie ist ja auch ein Wahrzeichen. Eine Bake ist ein Verkehrszeichen in der Seewelt. Ohne Feuer und nach Bauart und Größe eben kein Leuchtturm. Sie erfüllt aber den gleichen Zweck. Meistens sehen diese Baken lustig aus, wie eine Mischung aus Zitronenpresse und Hochsitz.

Wir shoppen noch ein paar Souvenirs, unter anderem auch Weihnachtsdeko. Einige Tomte-Figuren zum Beispiel. Oder besser „Nisse“. Nisse ist eine Abwandlung des Namens Niels, was wiederum die Kurzform von Nikolaus ist. Der Nisse ist in der dänischen Sagenwelt ein Kobold. Er lebt auf dem Heuboden und wacht als guter Geist über die Tiere und Menschen. Weihnachten ist er wohl eine gern gesehene Figur, weil er eine rote Mütze trägt. Zur Not könnte ich die Männchen also auch noch aufstellen zu Hause. Zumal meine Version eine goldene Mütze bekommen hat.

An der Essensfront werden heute schon Reste verwertet. Nudeln, Suppe und grüne Paprika mit Schafskäse. Ich bin bei den Nudeln eingeplant.

Nach dem Essen werde ich bereits anfangen, das Auto einzuräumen. Vier von uns werden ja Morgen wieder abfahren und nur noch vier für eine letzte Nacht zurücklassen. Ach, Urlaub zieht immer so schnell vorüber.

Allerdings naht für mich schon bald der nächste, wenn auch kurze Urlaub. Ende Januar werde ich ein Wochenende mit meiner Schwester in Dresden verbringen. Da war ich auch noch nie.

Nytår – Mittwoch

Heute kommt natürlich alles etwas später im Gang. Aber dafür mit geplant opulentem Frühstück.

Danach räumen wir wieder alles auf und starten dann zum Leuchtturm von Rubjerg Knude. Der Turm musste im Sommer umziehen, weil die Steilküste ihm immer gefährlich näher kam. Der Weg dorthin führt rund 1500 Meter über eine riesige Düne. Und der Sturm weht vom Wasser her. Wieder muss ich an den Himalaya denken, so sehr peitschen uns Wind und Sand ins Gesicht. Ich kann kaum atmen.

Aber wir kommen an. Meine Teenagernegleitung kann überhaupt nicht nachvollziehen, welchen Sinn all die Touristen darin sehen, sich hierher zu kämpfen. Ja, es ist nur ein Leuchtturm. Aber irgendwie cool. Der Rückweg ist entspannter, weil uns der Sturm anschiebt. Im Örtchen halten wir noch im Supermarkt. Wenigstens die Discounter halten ihr Versprechen (Open alle dage) und haben auch am Neujahrstag geöffnet. Wir kaufen noch etwas Gemüse fürs Abendessen.

Es ist heute wieder etwas ungemütlich, weil der Wind so kalt ist. Dauerhaft leben möchte ich hier nicht. Immerzu so ein Wind. Aber hübsch anzusehen ist der Ort allemal.

Am späten Nachmittag gucken wir vorab die heutige Traumschifffolge. Was soll ich da schreiben? Das Traumschiff ist eine Klasse für sich und entbehrt jeder Kritik. Es gab schon schlechtere Kapitäne als Herrn Silbereisen. Er mag nicht der geborene Schauspieler sein, hält sich aber wacker. Seine Crew dagegen ist größtenteils ein Trauerspiel. Von den Passagieren mal ganz abgesehen. Beim Drehbuch wird leider gespart. Dafür wurde für Kolumbien geworben. Der Folge nach zu urteilen, ist das ein buntes und kulturell überaus interessantes Land. Cartagena jedenfalls macht durch den Blick eines Kreuzfahrers einen entzückenden Eindruck.

Zur Prime Time gibt es heute Bourne Teil 3. Der wird uns generationenübergreifend wieder versöhnen mit dem Medium TV. Herr Bourne prügelt und schießt sich von London über Turin und Tanger bis nach New York – herrlich! Nach dem Film geht der Großteil ins Bett. Nur ein harter Kern bleibt noch wach und genießt den für mich vorletzten Abend.

Spülmaschine ausgeräumt, Sektgläser wieder abgewaschen (heutige Bilanz: 2 Flaschen und drei Tüten Chips und bis heute 42 (!) Eier).

God nat!

Dienstag – Nytårsaften

Der Sturm hat tatsächlich alle Wolken weggepustet! Ich komme heute in die Küche und werde von einem wunderschönen Morgenrot begrüßt! Wir haben ja so eine schöne Panoramascheibe und befinden uns im zweiten Stock.

Unsere Nahrungsaufnahme gestaltet sich wie erwartet etwas aufwändiger, weil unter uns ja verschiedenste Esser zusammenkommen. Da wäre zum Einen die Low Carb-Fraktion, immerhin zwei-Frauen-stark. Dann meine Wenigkeit und mein Vater, die wir ebenfalls eine etwas eingeschränkte Palette bevorzugen. Gründe dafür kenne ich nicht, eine Mischung aus genetisch und traumatisch oder so. Wir haben auch keine 100%ige Deckung. Dann kommen noch drei Teenager, deren Auswahl durchaus auch als schrullig bezeichnet werden kann. Jedenfalls handelt es sich um drei unterschiedliche Varianten mit einer relativ geringen Schnittmenge.

Nur der letzte scheint mir der Unkomplizierteste zu sein, ich kann jedenfalls keine nennenswerten Abneigungen oder Vorlieben ausmachen, außer dass er die Marotten der anderen still erträgt.

Auf jeden Fall sorgt das alles dafür, dass unser Frühstückstisch reich gedeckt ist und sich viele spannende Sachen darauf finden. Von einer riesigen Leberwurst (Obacht Herbert Knebel: „So viele Angehörige haben Sie doch gar nicht!“) über drei Sorten Brot bis hin zu farbenfroher Papaya und Granatapfelkernen. Von der Käsevielfalt ganz zu schweigen. Sehr schön! Für den Neujahrsmorgen ist sogar noch eine Internationalisierung geplant, es sollen neben Speck und Rührei (gibt es nicht jeden Tag) noch Pancakes hinzukommen.

Für den Schönwettertag heute haben wir unseren Ausflug nach Skagen geplant. Ich bin eine der wenigen, die noch nie dort waren. Meine Erwartungen sind also entsprechend hoch. Heute bin ich nur Mitfahrer, ich kann also im Fond schön die Augen schließen. Wenn ich nicht selbst fahre, sitze ich ganz gern auf der Rückbank. Das ist herrlich entspannt. Ich sitze aber vorn. Ist auch in Ordnung.

In Skagen erwartet uns bestes Wetter und die Erkenntnis, dass dieses noch viele weitere Urlauber anzieht. Der Parkplatz ist voll, aber wir finden noch eine Lücke. Dann rauf auf die obligatorische Düne. Dahinter ist natürlich noch nicht gleich die Landzunge gelegen. Dorthin sind noch etwa 1000 Meter zurückzulegen. Die Sonne und den Wind im Rücken. Die Kälte schneidet den Atem ab. Es ist wie zur Rush Hour am Mount Everest. Menschenschlangen kämpfen sich zum Ziel vor. Viele kommen uns auch entgegen, sie haben es schon hinter sich. Anders als im Himalaya ragen allerdings leere Sektflaschen und Gläser aus den Funktionsjacken. Der Vergleich hinkt wohl doch etwas.

Die Zusammenkunft von Nord- und Ostsee begeistert mich aber total! Ein berauschendes Naturschauspiel. Durch den Sturm mit einer beeindruckenden Brandung. Wirklich sehenswert!

Nun hatte ich gedacht, dass das schon der letzte Höhepunkt des Jahres war. Weit gefehlt. Nach einer Stippvisite bei den helgolandesquen Büdchen am Skagener Hafen düsen wir zurück nach Løkken, um den Sonnenuntergang zu genießen. Ich nahm an, dass wir das zu Fuß machen. Aber die Sonne geht hier so früh unter und es ist ja erlaubt: Wir fahren mit dem Auto direkt an die Wellen. Ich bin begeistert und entsetzt zugleich. Der Sonnenuntergang ist jedenfalls wunderschön. Ganz nah dran am perfekten Tag, auf jeden Fall ein perfekter 31. Dezember!

Dann zurück nach Hause. Da ist es schön warm und die LowCarb-Fraktion kann wertvolle Energie nachladen. Bei den traditionellen Berlinern, die wir am Strand genossen haben, mussten sie ja aussetzen. So steigt auch die Stimmung insgesamt wieder steil an. Trotz Hunger, müde, kalt war sie aber auch gar nicht schlecht.

Jetzt muss noch geschmückt werden und dann kann die große Sause starten!

Ich wünsche allen einen guten Rutsch und alles Gute für 2020! Ich melde mich im nächsten Jahr wieder.

Montag

Nachdem wir gestern noch bis 23 Uhr vor dem Fernseher die Bourne-Tetralogie angefangen haben, war heute Morgen um 07:15 Uhr noch Ruhe. Schnell das freie Bad nutzen und dann eine Etage höher in die Küche. Da ist dann auch schon Leben. Heute bin ich leider etwas angeschlagener als gestern. Die Luft im Schlafzimmer ist zu trocken, weil die Fußbodenheizung läuft. Muss ich heute Abend mal ausschalten und dann das Fenster öffnen. Es ist hier allerdings so windig, dass ich befürchte, mein Rollo wird die ganze Nacht flattern und dabei Geräusche verursachen. Und ich muss es herunterlassen, denn mein Zimmer zeigt zur Straße und die Straßenbeleuchtung ist recht hell. Wenn das Fenster Licht durchlässt, zwinkert mich ein Ryan Reynolds-Look-a-like an, der auf der gegenüberliegenden Seite für Herrenbekleidung wirbt. Das verunsichert mich wie die Bilder, bei denen man das Gefühl hat, dass die Augen des Portraitierten dem Betrachter folgen, egal, wohin man sich bewegt.

Nach dem Frühstück lockt uns erst einmal der örtliche Einzelhandel mit Rabatten und Angeboten in den Ort. Wir kaufen auch einige Design-Artikel zum reduzierten Preis. Herrlich, das gehört doch zu jedem gelungenen Urlaub dazu!

Nach dem ersten Rundgang machen wir einen Ausflug. Zuerst geht es nach Lønstrup. Das ist ein kleiner Ort an der Küste Richtung Skagen. Die volljährigen Damen gehen bummeln in den örtlichen Galerien und Lädchen. Die anderen gehen an den Strand. Der Bummel ist trotz des ungemütlichen Wetters ganz schön. Die Lädchen entzückend und 4 von 6 haben geöffnet. Es ist ja wirklich keine Hochsaison hier.

Anschließend fahren wir weiter nach Hirtshals. Dort gibt es ein Ozeanarium und wieder Ort und Strand. In das Museum wollen eigentlich nicht alle, denn eine Teilmenge war schon einmal dort. Unterwegs hat es aber angefangen zu regnen. Quasi Gischt: Feiner Sprühregen von allen Seiten wegen des Windes.

Schon die Fahrt hierher ist aufgrund der Wetterlage erschreckend düster. Bereits um 13:30 Uhr dämmert es, ach eigentlich ist es gar nicht richtig hell geworden heute. Der 57. Breitengrad macht sich bemerkbar, auf ihm liegen auch Kamtschatka und Teile von Alaska. Immerhin. Hamburg bringt es nur auf 53 Grad nördlicher Breite.

Im Foyer des Museums schreckt aber der Eintrittspreis alle ab und wir gehen schon wieder Richtung Parkplatz, als sich doch noch eine Splittergruppe für den Besuch des Ozeanarium findet: Das Bummeltrio! Der Rest fährt wieder nach Hause.

Wir drei also hinein. Saftige Preise, aber jede Krone wert. Ein feines kleines Aquarium mit viel kinderfreundlicher Aufbereitung, die auch für uns ganz ansprechend ist.

Das Highlight hier ist der Mondfisch, der auch der Auslöser für den Besuch war.

Wissenschaftlich: Mola Mola – bringt es das Mitglied der Familie der Barschverwandten auf ein Gewicht von rund zwei Tonnen und dümpelt gern an der Wasseroberfläche herum. Sympathischer Bursche. Hübsch ist er aber nicht. Seine schiere Größe und seine majestätischen Bewegungen sind allerdings recht beeindruckend. Und sein Gesicht ist ganz süß, denn er hat einen lippenlosen Kussmund. Wir sehen ihm jedenfalls eine ganze Weile gern zu.

Schön, dass wir hier waren.

Für den Weg zurück bemühen wir das Navigationsgerät. Tatsächlich ist Dänemark enthalten, nur aussprechen kann die Dame nichts, auch die mündliche Zieleingabe steht nicht zur Verfügung. Sie stottert uns aber sonst einwandfrei zurück. In Løkken halten wir noch im „Super Brugsen“. Ich kaufe vermeintlich Milch, später wird sich herausstellen, dass es Dickmilch ist. Ich muss also noch einmal raus und echte Milch kaufen.

Am späteren Abend gibt es in liegelandschaftlicher Eintracht noch Bourne, Teil 2. In Ralf Königs Welt hieße es: „Ruck Zuck ist die Fresse dick!“ Aber nicht in Robert Ludlums Welt, denn Bourne kann so einiges wegstecken und sieht auch nach Verfolgungsjagden, Prügeleien und dergleichen noch recht unversehrt aus. Jedenfalls im Gesicht. Es ist Winter im Film und der geschundene Leib wird von vielen Lagen dunkler Kleidung bedeckt.

Heute wurden nur eine Flasche Rotwein geleert und drei Tüten Chips. Die Ruhe vor dem Sylvestertag.

Sonntag

Ich bin erst um 4 Uhr und dann wieder um halb 7 aufgewacht. Das Bad war frei und ich habe erstmal geduscht. Die Dusche ist ok. Etwas ungemütlich und funzelig, weil ein Leuchtkörper defekt ist. Das wird aber heute wohl noch geregelt werden. Es sind ja zwei Handymen dabei. Auch die Lampe am Esstisch hat noch vor dem Frühstück den Dienst quittiert. Die ist allerdings unrettbar, der Trafo soll Schuld sein. Während ich mich mit dieser Tatsache einfach abfinden würde, nehmen die beiden Männer das gleich mal genauer unter die Lupe. Aber defekt ist defekt. Vorerst. Dafür ist ein passender Leuchtkörper für das Bad dabei. Nach dem Austausch bekommt es nun die Note 4+.

Das Frühstück ist reichhaltig. Es gibt von allem mehr als genug. Mal sehen, an welcher Stelle die Kalkulation stimmig ist und was sich als Ladenhüter herausstellen wird. Eier wohl eher nicht. Nach meinen Informationen wurden 60 Stück eingeführt. Aber schon beim ersten Frühstück wurden 10 vertilgt. Die werden wohl nicht übrig bleiben.

Sektflaschen haben wir 13 Stück. Hier bin ich schon skeptischer. Die Schlagzahl muss erhöht werden.

Gegen 11 Uhr jedenfalls setzen wir uns in Bewegung Richtung Strand. Gar nicht so einfach, 8 Menschen gleichzeitig aufbrechen zu lassen. Zum Strand sind es höchstens 100 Meter. Einmal die Düne rauf und gleich wieder runter. So nah habe ich selten gewohnt. Am Strand wäre ein Familienhund bestimmt richtig böse, weil es so schwer ist, die Herde zusammenzuhalten. Auf jeden Fall müsste er viele Meter hin und her rennen, um sicher sein zu können, das niemand verloren geht. Es gibt schnelle Vorprescher und langsame Fotografen. Aber wir sind ja im Urlaub und haben Zeit genug.

Am Strand laufen wir mit Rückensturm, das ist sehr angenehm. Der Rückweg soll aus diesem Grund durch die etwas windgeschütztere Innenstadt führen und am Supermarkt enden. Wir brauchen noch ein paar Dinge. Im Laden ist die Herde sogleich verstreut und sammelt fleißig verschiedenes ein. Kurz vor den Kassen wird es wieder kompliziert, weil sich die Geldfrage stellt. Bis auf den Lachs und zwei Putzmittel darf ich bezahlen. Aber später müsse unbedingt abgerechnet werden. Ja, ja. Ich werfe ein, dass auch bei den mitgebrachten Dingen ein eklatantes Ungleichgewicht zwischen Wasser und Champagner oder Butter und Delikatessen besteht. Erfolglos. Abgerechnet wird zum Schluss.

Zurück zu Hause wird relaxt. Ich lese ein wenig über einen blutrünstigen Mord auf Island. Aber irgendwann werde ich doch immer wieder abgelenkt. Nicht zuletzt vom „herrlichen Frikadellendunst“ (wieder muss ich an Karlsson vom Dach denken). Es gibt Frikadellen, Kartoffeln, Brokkoli, Möhren und sogar eine selbstgemachte „Brun Sovs“. Sehr nordisch und lecker!

Die Minderjährigen sind alle recht erschlagen, das muss der Schlafmangel sein, die wurden ja so früh geweckt. Heute kommt wohl keine Partystimmung mehr auf. Es werden noch Spiele gespielt und einige sitzen vor dem Fernseher. Ich lese weiter.

Zum Essen gibt es Sekt und eine zweite Flasche liegt im Tiefkühler bereit. Auch die Chipstüten werden weniger. Immer noch zweistellig, aber es geht voran. Schon interessant, was mit 8 Personen verbraucht werden kann.

Und plötzlich funktioniert auch die Esstischlampe wieder! Es wird gemutmaßt, dass sich die Illumination den Stromkreis mit der Kaffeemaschine teilt und weil diese gerade nicht läuft, haben wir alle Lampen an! Der entfernte Leuchtkörper kann auch ersetzt werden, weil sich noch eine Ersatzteilschublade aufgetan hat.

Zur Prime Time müssen wir uns noch auf einen Film einigen. Das ist recht schwierig. Schon meine Vorauswahl aus der heimischen Vielfalt war nicht ohne: Viele Ver- und Gebote. Es müssen ja Geschmäcker von seichten Gewässern wie Rosamunde Pilcher über Science Fiction bis hin zu roher Action mit Witz (Tarantino…) unter einen Hut gebracht werden. So stößt auch zunächst kein Film auf einhellige Begeisterung. Vielleicht doch etwas von Netflix?

Ich werde den Tagesbericht jetzt vorher beenden. Wer weiß, was nachher noch geht? Es wartet ja noch eine Flasche Sekt…

Løkken

Heute startete der Winterurlaub! Im hohen Norden Dänemarks kurz vor Skagen.

Das Auto wird um 07:50 Uhr gezündet. Zunächst geht die Fahrt Richtung Süden zum McDonalds, um dort ein Drive-In-Frühstück zu kaufen und im Auto zu verzehren. Wir sind leider nur zu zweit unterwegs, weil der Dritte arbeiten muss während der werktäglichen Rauhnächte. Und das Frühstück im Auto ist ein Zugeständnis. Sowas gibt es sonst nicht. Brauche ich auch nicht wieder, das überzeugt mich nicht. Weder der Geschmack noch das Essen während der Fahrt. Wir treffen auf die beiden weiteren Wagen der Urlaubskolonne an der Raststätte Holmmoor. Vorbeigefahren bin ich dort schon unzählige Male, angehalten habe ich noch nie. Aber es ist lediglich eine Raststätte. Sieht aus wie überall. Ich parke auf dem PKW-Parkplatz, die anderen auf dem LKW-Gelände. Also erst nur eine WhatsApp-Begrüßung. Dann doch noch ein kurzer Halt, einige Umarmungen und dann geht geht es endlich los!

Kurz vor dem Grenzübergang fahren wir ab, um in einem kleinen Örtchen günstig zu tanken. Ein wenig fragen wir uns ja schon, ob die Kilometer fernab der Autobahn die Ersparnis nicht wieder wettmachen. Aber wir überqueren dort auch die Grenze. Ein niedlicher kleiner Grenzposten. Später lerne ich, dass das auch kein Zufall war, sondern das Ergebnis einer vorbereiteten Recherche. Auf der Autobahn gibt es nämlich einen ansehnlichen Stau vor der Grenze, den wir auf diese Weise einfach umgehen! Herrlich, wenn man einfach nur hinterher fahren muss. Als letzter in der Reihe muss man allerdings auch immer aufpassen, dass die Führung nicht davonfährt. In Dänemark aber fährt es sich ja sehr entspannt. Ob das auf deutschen Autobahnen wohl auch so schön wäre mit einem Tempolimit? Dann nur her damit!

Nach rund 100 Kilometern reißt uns ein Druckluftalarm aus der angenehmen Ruhe. Ätzend. Also eine Rundnachricht schicken und an der nächsten Tankstelle Luft nachfüllen. Die Nachricht wird nur von einem Fahrzeug gelesen. Die Führung musste wegen Navi-Problemen auf ein Mobilgerät umschwenken, verbraucht die mobilen Gigabytes und bekommt davon gar nichts mit. Mit vier Händen und zwei Kompressoren, die beide ziemlich schwächeln und kaum einen Reifen schaffen, können wir das Problem aber beheben. Sogar die elektronische Speicherung der neuen Werte klappt einwandfrei.

Der nächste, geplante Stopp ist, auf meinen besonderen Wunsch hin, das Fjordenhus in Vejle.

Das liegt direkt auf dem Weg. Nur kurz von der Autobahn abfahren, durch den Ort zum Hafen, wo das ikonische Bauwerk als Fusion von Kunst und Architektur schon aus vielen Metern entfernt zu sehen ist. Großartig. Entdeckt haben wir dieses Juwel durch ein Netflix-Künstler-Portrait über Olafur Eliasson. Ein isländisch-dänischer Künstler und dies ist sein erstes architektonisches Werk. Ein Gebäude, dass zwischen dem ständigen Wandel durch Wasser und Stadt vermitteln soll. Halböffentlich ist es außerdem. Zumindest kann man im äußeren Bereich herumlaufen und sich alles ansehen. Gefällt mir sehr. Ansonsten ist es japanisch. Parken direkt davor, aussteigen, Bilder knipsen und weiter geht’s. Es ist nämlich empfindlich kalt hier und recht windig. Hat sich aber gelohnt!

Der Rest der Fahrt verläuft ohne weitere Vorkommnisse. Meine Beifahrerin schläft ein wenig, obwohl das Nackenkissen leider nicht so bequem ist, wie es sollte.

Das Örtchen Løkken ist überaus entzückend! Klein und sehr skandinavisch. Gleich kommt bestimmt Lotta aus der Krachmacherstraße um die Hausecke!

Unsere Wohnung liegt quasi direkt am Strand, wir können die Deichdüne jedenfalls vom Fenster aus sehen! Die Zimmer sind schnell verteilt und dann werden schon die Betten bezogen. Ich bin allein im Zimmer, einer fehlt ja. Da kann ich wenigstens in Ruhe vor mich hin husten. Meine Erkältung ist noch nicht überstanden. Das muss das Reizklima ab Morgen erledigen.

Wir sind acht Personen und auch uneingespielt übernimmt jeder schnell eine Rolle. Klischeehaft natürlich: Frauen haushaltslastig (Lebensmittel und Wäsche) Männer technisch (WLAN und Heizung, die zunächst nicht funktioniert). Aber wie Karlsson vom Dach es so schön beschreibt: „Das stört keinen großen Geist!“ Die Teenager kochen Spaghetti und es schmeckt herrlich nach Urlaub!

Nach dem Essen ist alles so, wie es sein soll: Netflix läuft wie zu Hause, die Heizung ist kuschelig warm und das Wetter lässt noch einen Strandspaziergang im Dunkeln zu!

Schon zwei Tüten des mitgebrachten Salzgebäcks sind leer. Die Menge ist durchaus sportlich, die Tütenzahl zweistellig. Ich bin gespannt, ob wir es wirklich schaffen.

Ich freue mich auf Morgen!