Red Sparrow

Sogenannter Agententhriller aus dem Jahr 2017. Die Hauptrolle spielt Jennifer Lawrence und das macht sie erwartungsgemäß hervorragend. Bis auf ihre Frisur, die natürlich Geschmacksache ist, sieht sie auch in den Kostümen noch sehr gut aus. Sie spielt eine Russin, die von ihrem Onkel in den Geheimdienst gezwungen wird. Vor Beginn ihrer Tätigkeit muss sie ihre Ausbildung an einer geheimen Ausbildungsstätte absolvieren. Wie in Russland wohl üblich, kennt die Ausbilderin (Charlotte Rampling herrlich fies) keine Gnade.

Von Beginn an wird aber auch gar nichts beschönigt oder verborgen. Weder Gewalt noch Perversion wird ausgeblendet. Nein, die Kamera hält immer voll drauf. Das ist meines Erachtens eine große Schwäche des Films. Die Geschichte ist ganz gut, durch die relativ unerwarteten Wendungen (leider wird auf der Verpackung bereits erwähnt, dass diese zahlreich sind) verliert die Handlung nicht an Schwung. Aber einige Schlüsselszenen werden derart ausführlich gezeigt, dass ich eigentlich lieber wegschauen möchte. Das ist mir zu viel für FSK 16.

Darüber hinaus sind mindestens zwei Figuren nur schwach besetzt bzw. schöpfen die Darsteller ihre Möglichkeiten nicht aus: Joel Edgerton als CIA Agent und Ciarán Hinds als böser russischer Colonel. Da die beiden nicht unwichtig sind, ist das schade. Das rauszureißen, schaffen Jennifer Lawrence und Jeremy Irons trotz ihrer unzweifelhaften Performance leider nicht.

Insgesamt lässt mich der Film etwas ratlos zurück. Ich weiß nicht, warum diese von Amerikanern inszenierte Geschichte nach Russland verlegt wurde. Zu Zeiten des kalten Krieges hatte der Kampf „Ost gegen West“ vielleicht noch einen Reiz. Aber andere Filme haben das sehr viel besser umgesetzt: „Jagd auf Roter Oktober“ zum Beispiel. Soweit ich herausfinden konnte, ist die Geschichte fiktiv, es liegt nicht einmal ein Roman zugrunde. Und dass die Russen alle böse sind und auch kein Erbarmen der eigenen Familie gegenüber kennen, kann so sein. Ich möchte das aber nicht als Teil meiner Unterhaltung sehen.

Da hat Frau Lawrence schon in viel besseren Dramen mitgewirkt. „Winters Bone“ zum Beispiel. Supertragische Geschichte aus der US-Amerikanischen Pampa. Heftig, aufrüttelnd, niederschmetternd. Na gut, ist beides kein Gute-Laune-Kino.

Für den Red Sparrow vergebe ich 6/10 handliche Hauttransplantationsgeräte.

Filmkritik

Three billboards outside Ebbing, Missouri

Wer den Film noch nicht kennt und sich überraschen lassen möchte, liest besser nicht weiter. Ich versuche, möglichst wenig zu verraten, aber alles kann ich nicht unerwähnt lassen.

Ein Film, nach dem ich mich, wie nach wenigen Filmen, erst einmal einen Augenblick zurücklehnen muss, um das Gesehene einzuordnen. Es gibt beeindruckende Filme, die mich bei der ersten Sichtung sehr fesseln, die aber dennoch durch ihre Erzählweise sauber bis zum Ende begleiten. Man kann lachen, weinen und dann mit der Geschichte abschließen. „Der Club der toten Dichter“, oder „Forrest Gump“ fallen in diese Kategorie.

Bei den billboards ist das schwieriger. Wie bei „L.A. Crash“, „Die Truman Show“ oder „Paper Moon“ ist das Ende insofern offen, als dass der Verbleib der liebgewonnenen Figuren nicht mehr gezeigt wird.

Die Geschichte der billboards handelt von Verbrechen, Vergebung und Verzweiflung. Die Inhaltsangaben, die ich im Vorwege gelesen hatte, ließen auch keine Rückschlüsse darüber zu, was genau mich erwarten würde. Durch die Oscar-Verleihung (der Film war mehrfach nominiert, u. a. für den besten Film, wenn ich mich recht erinnere) und die entsprechende Berichterstattung rundherum erwartete ich ein Drama mit einigen wenigen sarkastischen Momenten. Denn von herbem Wortwitz war immer mal die Rede. Was ich nun gesehen habe, ist einer der besten Filme der letzten Jahre. Ein hervorragendes Drehbuch, das nur so sprüht vor skurrilen Dialogen und herrlich verschrobenen Figuren. Dabei wird das Drama nie in den Hintergrund gerückt, es drängt sich vielmehr immer weiter auf, bis ich es fast nicht mehr aushalten kann, ohne laut auszurufen: „Mach das bitte nicht!“

Die Darsteller sind ausnahmslos gut besetzt. Frau McDormand hat ihren Oscar wirklich verdient. Die beiden anderen Nominierten (Harrelson und Rockwell) allerdings auch, aber wieder andere waren wohl noch besser.

Absolut empfehlenswert – ich vergebe 10/10 Molotowcocktails

Danke für die Reise mit der Deutschen Bahn

Bahnfahren kann total entspannt sein – wenn die Bahn denn fährt. Wenn nämlich nicht, dann ist es eine Katastrophe. Man ist schnell mitten in der Pampa gestrandet und man ist ja nicht allein. Die Menschenmassen, die so ein Zug dann ausspuckt, können nicht alle mit einem Taxi o.ä. bedient werden. Und mit einem Regionalzug hält man eben auch in Orten, die noch nicht einmal mit Gastronomie in Bahnhofsnähe aufwarten können. Grauenhaft. Der moderne Mensch läuft dann ja nicht zu Fuß Richtung Heimat, schon wegen des Gepäcks nicht.

Ich habe mich gestern gefragt, ob es auch eine deutsche Eigenart ist, derart über die Bahn und ihre Unzulänglichkeiten zu schimpfen? Angefangen mit der Unpünktlichkeit. Bei Verbindungen ohne Umsteigen ist das zwar ärgerlich, aber in der Regel kein Problem. Kommt auf das Ziel an. Will man ein Konzert besuchen, sollte man eben einen großzügigen Puffer einbauen. Bei Umsteigenotwendigkeiten ist das schon eine schlimmere Sache, weil die Anschlussverbindung gefährdet ist. Und im nächsten Zug hat die Platzreservierung keine Gültigkeit mehr…

Die Anfälligkeit für wetterbedingte Schäden auf der Strecke, oder technische Mängel am Zug können doch aber kein spezielles DB-Problem sein. Das wird es doch in Europa oder der Welt überall geben? Schimpfen die anderen Nationen auch so viel darüber? Die Franzosen und Spanier, die gehen auch noch ständig streiken, das muss die Fahrgäste schier wahnsinnig machen. Bei uns jedenfalls sind die Stimmen immer sehr laut und deutlich zu hören, wenn es was zu meckern gibt bei der Bahn. Vielleicht sind wir zu verwöhnt. Ich weiß es nicht.

Wenn ich außerdem noch an die Umwelt denken möchte und aus diesem Grund mit der Bahn reise, bin ich jetzt erst einmal wieder bedient. Das Auto scheint mir im Augenblick viel verlockender zu sein. Was hätte ich mich gestern aufregen können! Ich war total „aggro“. Der Tag war vollkommen im Eimer.

Zu allem Überfluss hat der Taxifahrer am Hauptbahnhof auch noch einen Charme versprüht, der unsere Stimmung auf keinen Fall verbessert hat. Mann, Mann, Mann. Aber mit viel Verspätung sind wir dann endlich zu Hause angekommen.

Nun musste der Kühlschrank nach zweiwöchiger Abwesenheit wieder gefüllt werden. Also noch einmal aufbrechen zum Einkaufen. Wenigstens ist das am Samstag kurz vor 20 Uhr in Hamburg kein Problem, bis 24 Uhr hätte ich noch Zeit. Ich schließe also die Garage auf und während ich das Tor hochschiebe, regnen eine zweiwöchige Ladung Birkengedöns, Blätter und zwei Spinnen auf mich herab – ich bin den Wuttränen nahe. Alles abgeklopft, sitze ich aber endlich im behaglichen Cockpit unseres wunderbaren Autos. Es ist sauber, kein unangenehmer Geruch wabert herum, der Motor schnurrt und die Musikanlage findet sogleich mein Telefon und setzt an, mich mit dem Tag zu versöhnen: Ein wunderbares Stück von Morrissey erklingt! Ich hätte selbst keine bessere Wahl treffen können. Und ich habe es auch nicht, wenn ich nämlich keine Playlist oder kein Album anwähle, wählt das Gerät selbst und fängt irgendwo an, zaubert aus dem gesamten Musikbestand etwas hervor. Das hätte also auch ein Hörbuchkapitel sein können oder etwas total blödes. Aber auf den Wagen ist Verlass! Anschließend schwenkt er zwar um auf ein Weihnachtslied (immerhin ein sehr schönes von Jamie Lawson), aber er ist wie ich ein Januarkind und scheint zu spüren, wie sehr ich mich jetzt auf den Herbst freue, ich habe ja gerade die Klimaanlage auf 21 Grad reguliert – weil ich es kann!

Regen bringt Segen

Es ist vorbei – wir sitzen im IC Richtung Bremen und haben die anderen am Hafen zurückgelassen. Die Klimaanlage funktioniert und der Wagen ist angenehm leer. Also die richtige Stimmung für ein weiteres Resümee.

Wie wäre es mit unserem Urlaub in drei Worten?

Borkum 2018

Heiß, wunderschön und reibungslos im positivsten Sinne

Und alle Teilnehmer in drei Begriffen?

1. Baywatch, Gin und Laufen

2. Krimi, Shoppen und Zeitraffer

3. Bosch, Cola und Schatten

4. Switch, Fritz und Blutmond

5. Mozzarella, Pferd und Spielen

6. Fahrrad, Seifenoper und Rührei

7. Rätseln, Schwimmen und Brötchen

Andere Reihenfolge als beim letzten Mal!

live long and prosper 🖖🏼

Inselzeit 14.14.2018

Letzter Tag! Heute ist es an der Zeit für ein Resümee und darüber nachzudenken, wie es weitergeht.

In der Süddeutschen gab es kürzlich eine 10-Punkte Liste über die Wagner-Festspiele, wie gewohnt bissig und witzig. Ich will mal sehen, ob ich etwas ähnliches schaffen kann unter dem Tenor: Warum wir Borkum so mögen.

1. Wind

Auf Borkum weht zumeist ein leichter Wind. Zum Leidwesen der Surfer und Kiter weht er zumindest während unserer Aufenthalte nicht übermäßig. Vielleicht ist im Juli und August aber auch keine Hochsaison für diesen Sport. Ja, bei Radtouren kann er, von vorn kommend, auf dem Deich schon ein Hindernis sein, aber grundsätzlich erfüllt er den Zweck der Abkühlung und macht den sonnigen Strandtag erträglich. Das Wetter insgesamt war 2018 hervorragend. Noch nie hatten wir 0% Regen. Mir persönlich war es in Summe zu warm. Aber auch was das betrifft, war es hier auf der Insel sicher weitaus angenehmer als auf dem Festland.

2. Das Dohlennest

Dieses Haus vereint so vieles, woran sich seit 2012 alle anderen Ferienunterkünfte messen müssen: Viel Platz, mehrere Fernsehgeräte, die wir in diesem Jahr gar nicht genutzt haben. Mit dem Alter aller Mitreisenden verändern sich eben auch unsere Entertainmentansprüche, beinahe wären sogar zwei Generationen zusammen ins Kino gegangen. Die Küchenausstattung ist sehr gut, es bietet sich eine der Bettenzahl angemessene Zahl von Tellern, Gläsern und Töpfen. Die zwei Badezimmer bieten ausreichenden Komfort, die Rentnerdusche im Erdgeschoss verdient gar die Bezeichnung luxuriös.

3. Strand

Der Hauptstrand auf Borkum ist riesig, schön hellsandig, bestuhlt und touristisch voll erschlossen. Nicht zuletzt durch den Einfluss von Ebbe und Flut verändert sich der Weitblick jeden Tag. Der Strand ist gut besucht, aber so groß, dass es nie zu eng wird. Auch an den zahlreichen Büdchen muss man nicht allzu lang schlangestehen. Zum Strand gehören unweigerlich das Trampolin und der Strandkorb, die sollen hier nicht vergessen werden. Durch die mediterranen Temperaturen in diesem Jahr aber wurde eine noch größere Kluft zwischen uns getrieben. Während die Hamburger angesichts des Wetters in die Knie gehen und nur kurze Strandeinheiten vertrugen (der kühlespendende Schatten im Korb reicht nur für eine Person), scheint die Hitze die ohnehin Aktiveren kaum zu bremsen. Ihre Einheiten sind deutlich zahlreicher und länger.

4. Eis

Es gibt hier eine Konditoreisbude, die auch immer ein besonderes Eis des Tages anbietet. Manchmal ist das super, manchmal uninteressant. Espresso zum Beispiel war so unbeliebt, dass auch am nächsten Tag noch genug in der Auslage war. Wir haben auch das Eis beim Konkurrenten Il Faro getestet: Andere Liga, aber genießbar. Vielleicht lag es auch am Wagemut, ich hatte Waldmeister und Coca Cola. Beim Konditor jedenfalls gibt es auch „Wackel-Frozen“. Eine mutige Mischung aus Waldmeistergötterspeise, Frozen Joghurt und Himbeersauce. Wer es mag, wird begeistert sein!

5. Bücher

Wir bringen Bücher mit, aber der örtliche Buchladen verdient an uns trotzdem. Er ist sehr gut sortiert, das Krimiregal ist 6 Meter breit. Und wird jede Woche aufgefüllt. In der ersten Woche noch nicht verfügbar, ist ein Buch in der zweiten Woche vielleicht wieder/schon/endlich da. Das Personal ist schrullig und gepaart mit dem rheinländischen Frohsinn, der dort noch ein- und ausgeht, gleicht der Bummel einem Happening, auf jeden Fall eine Fundgrube für Satiriker, woll!

6. Fahrräder

In 2018 wieder für volle 2 Wochen geliehen. Jeden Weg bestreiten wir mit den Rädern. Mal zum Spaß, wenn der Weg das Ziel ist und mal, um von A nach B zu kommen. Manche Räder sind cooler als andere. Die cooleren sind teurer und haben kein Lichtanlage. Da die Hamburger in der Heimat nicht mit dem Rad unterwegs sind, halte ich sie für erwähnenswert. Die anderen scheinen wenigstens die Chance zu nutzen, mal einen anderen Radtyp zu fahren.

7. WLAN

Das Netz hier im Haus ist vorhanden, hat aber seine Schwächen. Für Amazon TV und Hay Day reicht es nicht. Zu viele Geräte im Zugriff sind auch ein Problem. Wir haben den Zustand dennoch friedlich überstanden. Oder die Geräte haben, wenn möglich, auf mobile Unterstützung zurückgegriffen. Wer weiß. Ein grundsätzlicher Zugang zur weiten Welt ist aber nach wie vor unbedingt erforderlich. Die Liste dessen, was von hier aus zumindest in Warenkörbe gelegt wurde, ist nicht so kurz wie man meinen könnte. Und ich habe noch nicht einmal etwas dazu beigetragen.

8. Bosch

Wie sein US-Amerikanischer Namensvetter Hieronymus ist er im Dauereinsatz seit mindestens 7 Jahren. Vielleicht wird er mal ersetzt werden müssen. Wenn jeder Gast ihn so beansprucht wie wir, kann er es nicht mehr lange durchhalten. Sein Bruder, der Trockner, zeigt bereits erste Alterserscheinungen. Aber auch in 2018 war er ein treuer Begleiter während unseres Aufenthaltes.

9. Menüabfolge

Aus Hamburger Sicht eine Angelegenheit, die sorgfältige Planung und Vorbereitung erfordert. Das Grundgerüst steht bereits 6 Wochen vor Abfahrt, damit noch genug Zeit bleibt für die graphische Umsetzung. Der Glückstädter Style ist wie zu erwarten eher von spontaner Natur und aus der Lamäng. Es werden am Tag (allerdings eingeführte und mit Fähnchen markierte) Hefte durchblättert, um Inspiration zu bekommen und dann wird das Bilderrätsel per Hand gezeichnet. Immerhin handelt es sich in beiden Fällen um Teamarbeit.

10. Biomaris, Nuxe, Superdry

Wir shoppen doch so viel. In jedem Jahr gibt es eine Marke, die wir entdecken oder vertiefen. Biomaris gehört inzwischen zu den Klassikern. Jonathan immer wieder. Nuxe pflegt uns seit dem letzten Jahr zart und weich. Superdry war zumindest für eine Teilmenge eine Neuentdeckung, weil diese Textilwaren in der Heimat nicht überall erhältlich sind. Anders als bei Wein, den man im Urlaub liebt und der zu Hause an sich zweifeln lässt, hüten wir unsere Urlaubskäufe sorgsam und haben noch lange Spaß daran.

Was den Blog betrifft (bedenke 16 Blog(ck)s gleich 1 Chunk), muss ich schreiben: Für einen täglichen Beitrag wird es im Alltag nicht reichen. Schon mit genug Zeit mangelte es im Urlaub an Ideen. Und die Beiträge sollen schließlich alle erheitern, aufklären oder kritisieren. Für einen täglichen Lacher jedenfalls reichen meine Gehässigkeit oder meine eigene Schrulligkeit nicht aus. Ja klar, das sieht mindestens einer anders, aber die Anekdoten müssen doch auch noch ansprechend formuliert werden und dafür brauche ich einen frischen Geist.

Der Freitag im Einzelnen

Beginnt wie jeder Urlaubstag für die untere Etage gegen 07:30 Uhr, was spät ist. Dann kurz eine Einheit spielen und dann Brötchen holen, ein letztes Mal. Ich räume den Geschirrspüler aus, weil er gestern Abend noch zu warm war. Stelle den Wäscheständer raus, an dem hier eigentlich nur schöne sommerliche Stücke hingen. Alltag in Borkum 2018.

Der Trockner hat den Dienst quittiert! Nach einer Filtereinigung ging er wieder, welch ein Glück. Denn ich muss den roten Koffer doch gleich packen und wieder auf den Weg schicken. Und da sollen nur frisch gewaschene Sachen rein.

Nach einer Wasserschlacht:

wurde Willy noch der Garaus gemacht. (Luft abgelassen – Willy reist auch wieder in rot.)

Der Rest fährt an den Strand. Ich verspüre wenig Neid. Den Koffer wegzurollen und einzukaufen reicht mir.

Wieder im Haus, habe ich gleich mal das Essen vorbereitet, denn die Kühlkette war definitiv unterbrochen. Ich musste wegen des Koffers schließlich zu Fuß gehen und das dauert etwas länger. Also schon mal was vorkochen, ist ja auch wieder schön warm.

Ach ja, das letzte Rätsel:

Eine Wiederholung, aber heute andere Köche.

So, 16:45 Uhr, alle sind zurück und duschen. Gleich noch die Räder und das Einwegleergut wegbringen, dann kochen, essen und wieder entspannen.

Ich freu mich auf den letzten Abend. Auch wenn es der letzte ist. Hoffentlich kommen wir Morgen ohne hitzebedingte Schwierigkeiten bei der Bahn schnell nach Hause. Und freie Autobahnen und eine funktionierende Klimaanlage wären auch nicht schlecht.

Ich hab Euch alle lieb💋

Horrido!

canicular heat

Inselzeit 13.14.2018

Noch einmal muss ich auf den Mord im Orient Express zurückkommen, weil mir ein Ausspruch der Hauslehrerin Mary Debenham so gut gefällt: „Ich lehre Geografie. Vielleicht verirren sie (die Schüler) sich im Leben, aber ich will verdammt sein, wenn sie nicht wissen, wo sie sind.“ Vielleicht kriege ich hier noch einen Dreh zum heutigen Thema – vielleicht das Reisen im Allgemeinen. Nein, das ist es nicht.

Hier auf der Insel, speziell im Geusenweg 4, haben wir ja sehr viel Platz. Im Haus und auch im Garten. Wenn ich an den Garten im Süderpfad denke, kann ich mich erinnern, dass wir ihn nicht so schön fanden. Lag es an der Größe? Oder eher an der Umgebung und spärlichen Einfriedung? Den hiesigen Garten nutzen wir auch nicht gänzlich. Wir sitzen auf der Terrasse und auf dem in diesem Jahr klimatisch bedingten steppengleichen Rasen stellen wir die Räder ab, wenn noch eine weitere Ausfahrt geplant ist. Das wars. Die Loungeecke mit Liegen und Strandkorb liegt verwaist da. Ich glaube, ein Mal habe ich dort jemanden liegen sehen. Ein anderer war gleich wieder aufgestanden wegen der Ameisen.

Weltweit findet eine Verstädterung statt, habe ich gerade gelesen, im Jahr 2050 werden 7 von 10 Menschen in Städten leben. In deutschen Städten herrscht schon heute Wohnungsnot. Im Vergleich zu Paris, der Stadt mit der größten Bevölkerungsdichte Europas, ist die Bebauung in Hamburg ein Witz, da wird noch einiges passieren. Wir Stellinger stehen der nahenden Nachverdichtung auf dem Gelände der angrenzenden Schrebergärten mit gemischten Gefühlen gegenüber. Die neuen Gebäude werden direkt an unsere Garagenbauten grenzen. Das an sich finden einige Bewohner schon schlimm. Ich nicht wirklich. An der Garage stört es mich nicht, anderen direkt ins Wohnzimmer (bodentiefe Fenster sind ja immer noch in Mode) blicken zu können. Unsere Wohngebäude aber haben einen luxuriösen Abstand zueinander. Nur mit Mühe kann ich vom ersten Stock aus ins gegenüberliegende Fenster gucken. Wenn dort eine Gardine hängt, dann ist es ganz vorbei. Soviel Glück werden die Bewohner der neuen Gebäude nicht haben. Und das ist, so glaube ich, auch in der Königstraße jetzt weniger ein Problem, das Beobachten des gegenüberliegenden Treibens. Werde ich bei nächster Gelegenheit mal testen. Glückstadt zählt in diesem Zusammenhang übrigens ebenfalls zu den Städten mit Zuwachssorgen. Auch unabhängig von der deutschen bürokratischen Einordnung. Was die Verstädterung angeht, zählen kulturelles und infrastrukturelles Angebot mehr als bloße Einwohnerzahlen.

Was ich sagen will ist, ob wir die Großzügigkeit und heckenbedingte Abgeschiedenheit im Geusenweg deshalb so schätzen, weil es ein rares Gut ist und sich von unserer Alltagswelt so unterscheidet? Es scheint jedenfalls wider unserer Natur zu sein, Erholung auf engem Raum zu finden. Am Strand ist es auch nicht immer gut, dass der nächste Korb nur einen Muschelwurf entfernt steht. Und wer freut sich schon über eine gut gefüllte Fußgängerzone oder eine 18 Mann starke Schlange an der Eisbude.

Was mich betrifft, bietet Borkum auch im sechsten Jahr ein recht ausgeglichenes Verhältnis zwischen Erholungsfaktor und zivilisierter kultureller Zerstreuung. Letztere könnte so langsam etwas verbessert werden, ich habe alle sehenswerten Stätten besucht und was den Einzelhandel angeht, findet sehr wenig Wechsel statt. Das kenne ich nun alles schon. Aber die Quantität und Qualität ist immer noch höher als in allen anderen Orten, die wir bisher bereist haben. London läuft außer Konkurrenz und ist sowieso über jeden Zweifel erhaben. Marielyst zählt nur für sich, denn Kopenhagen war ja ein Ausflugsziel, nicht der Urlaubsort.

Der Tag startet wie immer und heizt sich zügig auf. Die erwarteten 30 Grad sind schon zum Frühstück zu spüren. Ein leichter Wind macht es zumindest im Schatten erträglich, aber nicht angenehm.

Vor dem Frühstück wurde noch gejoggt und massiert.

Während der Siesta soll noch eine zweite Waschladung durchlaufen. Die Geschirrspülmaschine läuft sowieso. Aber vorher erklang noch ein ungläubiges:“ Müssen wir jetzt auf Waschmittel zurückgreifen?!“ Ja, das müssen wir selbstredend. Aber gemeint war hier das Entsetzen darüber, dass wir bereits zwei Schachteln Waschpads verbraucht haben und nun das hauseigene Pulver verwenden müssen. Die Angesprochenen wussten aber natürlich Bescheid. Mit den Waschpads verhält es sich wie mit den Urlaubstagen, ist erst einmal die Hälfte verbraucht, geht es plötzlich ganz schnell.

Zwei wahnsinnige starten zum High Noon zu einer Radtour. Ich schwanke zwischen Bewunderung, Sorge und Verständnislosigkeit.

Der Rest hängt ab oder telefoniert mit dem Büro.

Heutiger Rebus:

Also wieder vom heißen Rost – das ist ja immer prima!

Die Hitze lähmt uns heute mehr als bisher. Die Siesta hält schon 2 Stunden an.

Gegen halb drei gibt es dann aber kein Halten mehr (Ihr dürft raten, wer die Füße nicht mehr stillhalten kann). Der Leichtturm wartet auf uns! Direkt am Turm noch zwei leise Zweifler, die mir bei der Rucksackwache Gesellschaft leisten möchten. Aber nein, sechs von sieben steigen hinauf. Unter dem Turm spielen sich ähnliche Szenen ab: „Ja kuck, da kann man rauf!“ „Ich geh aber nich da rauf bei der Hitze, Du spinnst ja wohl!“ „Da oben is sicher kühler mit dem Wind.“ „Mir egal, kuck, hier is Schatten, da geh ich jetz, dann hammwas gleich geschafft bis zun Strand.“

Anschließend fahren die Hamburger zum Strand. Ich halte es dort eine knappe Stunde aus, dann haben wir uns derart, auch gegenseitig, aufgeheizt, dass die Stimmung zu kippen droht. Ausnahmsweise bin nicht ich die erste, die kapituliert. Aber ich opfere mich gern, den Abkömmling nach Hause zu eskortieren. Kurz vor dem Geusenweg treffen wir auf die vier heutigen Köche, die noch schnell einkaufen waren. Denen sieht man die Qualen des Tages nicht an, frisch und ausgeruht machen sie sich auf den Weg zum Strand.

Gegen sieben sind alle wieder zurück und versammeln sich zum Grillen.

Satt und zufrieden ist der Abend aber noch nicht zu Ende. Nach zähen Verhandlungen wurde er wie folgt beendet: Volljährige in die Cocktailbar und Teenies ein Eis und dann ab nach Hause, um „Pitch Perfect“ zu gucken. Die letzten zehn Minuten haben wir auch noch gesehen und nun sitzen wir im dunklen Durchzug. Wie am Morgen: Ein leichter Hauch, der es erträglich macht, aber nicht angenehm.

Du hast Nerve!

Inselzeit 12.14.2018

Oh, der Countdown läuft! Nur noch wenige Tage. Gibt es schon etwas, auf das wir uns wieder freuen in der Heimat? Das wir bereits vermissen?

16 Jahre schweißen doch zusammen, so dass eigentlich kaum noch etwas unangenehm oder peinlich ist und wir uns im Grunde nicht zurückhalten müssen. Frühstücken im Schlafanzug zum Beispiel wäre vollkommen unaufgeregt. Haben wir auch schon gemacht, glaube ich. An Schlechtwettertagen, die es in diesem Jahr wohl nicht gibt. Ungeschminkt sehen wir alle sowieso am Besten aus, das ist es auch nicht.

Auch die Tatsache, dass wir zum fünften Mal im gleichen Haus residieren, führt zu einer Routine, die die kleinen Unzulänglichkeiten etwa der Küchenausstattung ausgleicht. Der Abseiher für Nudeln ist viel zu klein. Die Messer Stumpf. Macht nichts. An anderen Stellen sorgen wir auch bereits selbst für Verbesserung, indem wir unser Equipment mitbringen (die Cocktailausstattung oder der Pürierstab).

Aber ist es zu Hause nicht doch am Schönsten? Ich glaube schon. Aber zum einen sind zwei Wochen nicht so lang, dass mich die Wehmut packen könnte. Und zum anderen giere ich doch das ganze Jahr daraufhin. Zwei Wochen totaler Erholung frei von Zwängen und Terminen. Unbezahlbar. 14 Nächte mit einem maximal mittelmäßigen Kissen schaffe ich auch. Ich könnte außerdem ein Einhornkissen kaufen hier – zur Not.

Es ist etwas völlig anderes aus diesem Urlaub zurückzukehren, als von einem Städtetrip. Die Insel zu verlassen, ist überwiegend traurig. Ein Teil aber auch schön, weil nach dem Urlaub vor dem Urlaub ist. Der Aufenthalt 2019 ist schließlich schon geplant! Ein Städtetrip ist etwas ganz anderes. Definitiv wunderschön und mir mindestens so wichtig wie das sommerliche Runterfahren auf Borkum. Aber eine große Stadt stresst, ob ich will oder nicht. Und ein Dreierzimmer im Hotel ist immer mit einem Verlust an Intimsphäre und erhöhter notwendiger Kompromissbereitschaft verbunden. Nach der Rückkehr aus einer großen Stadt brauche ich auch unbedingt ein kleines Weilchen, um die Aufregung und Eindrücke zu verarbeiten. Nach Borkum bin ich ja total erholt. Da kann ich gleich wieder ins Büro, das ist in Ordnung. Weitere freie Tage würden mir nur langweilig und leer erscheinen. Lieber wieder schnell zurück in den prallen Alltag! Waschen muss ich auch nicht viel, weil Bosch hier eine Runde nach der anderen dreht. Der Nachbereitungsaufwand ist übersichtlich.

Hercules Poirot hat es gestern auf den Punkt gebracht: „Ich bin müde, ich habe mir Urlaub verdient. Ich möchte Gemälde betrachten und über zu viel Zeit verfügen.“ Dieser Zustand wird sich auch bei uns bald wieder einstellen, fürchte ich.

Der Mittwoch startet angenehmer als gestern, weil ein schöner Wind weht. Hoffentlich bleibt er den Tag über erhalten, dann wäre alles prima. Brötchen wurden schon geholt und der Jogger ist auch schon unterwegs.

An der o.a. Front ist es morgens immer am Längsten ruhig. Das war früher anders. Denken wir an Usedom…. Auch zum morgendlichen gemeinsamen digitalen Spiel, das, soweit ich es verstanden habe, aus sentimentalen Gründen heute grob verabredet war, erschien kein zweiter Mann. Vielleicht war es die fritz-Einheit am Abend, wahrscheinlich aber die nächtliche Hitze (Stufe 3 – „mit Schwitzen“), jedenfalls war Schlaflosigkeit schuld am verspäteten Auftritt. Vor dem Frühstück war aber noch etwas Zeit, die wir zu viert mit unseren Geräten verbracht haben – immerhin an der frischen Luft!

Der heutige Rebus, aus wettertechnischen und restetechnischen Gründen, spontan erstellt:

Alles dabei, was so ein Bilderrätsel braucht – Urlaubszubehör und Kätzchen!

Der Nachmittag wird antizyklisch im Schwimmbad verbracht. Der Flow-Rider (Schreibweise?) ruft – mich natürlich nicht. Ich lese und kümmere mich um das heutige Essen. Lesen findet auf der Terrasse statt. Hier im Wind und Schatten ist es tatsächlich überhaupt nicht zu warm! Total großartig.

Nach dem Abendessen noch ein Eis im Örtchen und dann alle wieder nach Hause.

Jetzt nach dem Film „Nerve“ und dem Gin ist es doch wieder zu warm. Morgen noch mehr davon – yeah!?!

Super aridam

Inselzeit 11.14.2018

Ich muss noch einmal auf die Kleidermarken zurückkommen. Leider passiert es doch relativ oft, dass ich mir ein Urteil bilde und es dann nur schwer ablegen kann, wenn ich erfahre, dass es auf falschen Tatsachen beruhte. Ein wenig negatives bleibt immer hängen. Daran arbeite ich. Herr Lauren und Herr Hilfiger haben schließlich auch Einzug gehalten in unseren Haushalt, obwohl die US-Amerikaner bei uns nicht den allerbesten Stand haben. Beide wurden aber in New York geboren und mit New York verhält es sich ja wie mit München, da muss man das Land darum herum ignorieren, die beiden Städte müssen für sich betrachtet werden. Schließlich mache ich mir die Welt, wie sie mir gefällt.

Zunächst zu Camp David:

Eine deutsche Unternehmung, gegründet 1997 in Hoppegarten. Die Gründer standen wohl total auf Bill Clinton (gab ja auch schon schlechtere Präsidenten). Gegründet haben sie jedenfalls die Clinton Großhandels GmbH. Die Herrenlinie heißt Camp David, die Damenlinie Soccx (nach dem Clintonschen Kater Socks) und die ganze Franchise Unternehmung Chelsea. Hillary vermisse ich, aber vielleicht heißt ja ein Gebäudetrakt so.

Interessanterweise gilt die Marke als erfolgreiches Beispiel für den country-of-origin-Effekt, bei dem das Herkunftsland Einfluss auf das Image hat. Familie Clinton ist ja doch eher langweilig als bewundernswert und wirklich nicht unfehlbar. Aber das waren nun mal Fans, die Gründer.

Die Marke hat verschiedene Markenbotschafter: Dieter Bohlen, Arthur Abraham (Boxer, mir unbekannt) und Markus Schenkenberg. Durch Dieter Bohlen und DsdS wurde die Marke im Westen populär (Job erfüllt) und erfolgreich.

Das ist alles und daraus kann nun jeder seine Rückschlüsse ziehen. Ich bin etwas versöhnt. Ich hätte den Bezug einer deutschen Gründung auf z.B. Familie Helmut Schmidt irgendwie cooler gefunden, aber der Osten gab in den Neunzigern wohl nicht viel her und die USA hatten aus irgendeinem Grund schon immer einen unbestreitbaren Coolness-Faktor.

Dann zu Superdry:

Nach meiner Recherche bin ich etwas zwiegespalten. Aber ich stehe auf grelle Farben und bin im Geiste noch immer ein Skater – also finde ich die Sachen weiterhin klasse.

Die Firma wurde in den den 80ern in Großbritannien gegründet und vereinte seinerzeit Skater-, Surfer- und Streetwear. Ihr Markenzeichen sind japanische Schriftzeichen als Gegenstück zum Engrishen in Japan. Engrish ist laut Wikipediaeintrag die humoristische Bezeichnung für meist von Asiaten verwendetes, fehlerhaftes Englisch. In Japan hat Engrish Kultcharakter und wird noch durch die unterschiedlichen Schriftsysteme begünstigt. Also leicht fies, aber den Briten verzeihe ich vieles. Geht ja auch nicht gegen mich….

Ansonsten wird Kleidung von Superdry mit Worten wie: Americana, Vintage, Street oder – Preppy – beschrieben. Preppy Mode wiederum hat (bei mir) keinen sehr guten Stand. Kommt von Preps, Absolventen einer renommierten Akademie, die zumeist aus wohlhabenden Elternhäusern stammen, von Snobs oder Wasps. Für diese ist ein elitärer Lebenswandel und materieller Wohlstand selbstverständlich. Nach dem Motto: Eure Armut kotzt mich an.

Ich seh das Gute: Aus Großbritannien und damit schon mal prima. Alles andere – ach, was soll’s.

Der heutige Tag beginnt sehr warm. Schon die Joggingeinheit gegen 08:40 Uhr war in letzter Minute angesetzt. Mei o mei – Hitze!

Frühstück wie bisher jeden Tag draußen gegen 10 Uhr. Langsam wird nicht mehr alles nachgekauft. Muss ja noch alles aufgegessen werden. Der heutige Rebus ist wieder ein Meisterstück:

Klingt gut! Ich bin gespannt!

Ich habe noch Hemmungen, zum Strand zu gehen. Es ist so warm! Aber irgendwas muss ich ja auch machen heute.

Die Aktivitäten verteilten sich heute etwas. Zunächst eine minimierte Radtour von zweien. Dann siestöses Herumsitzen. Dann der Ausritt: Verbotenerweise auf die Sandbank, weil der neue Reitlehrer davon nichts wusste. Die Robben ein wenig aufgemischt. Und die übrigen Pferde ganz nervös gemacht, die sind gleich durchgegangen. Aber nicht alle, nicht Kalle.

Der Rest zum Minigolf und einkaufen und am frühen Präabend trafen wir uns alle zum Eisessen.

Am Abend würde ich noch ins Kino eingeladen. Falls ich es nicht schon gesagt habe: Vielen Dank für einen wunderbaren Abend! Der Mord im Orient Express war auch beim 2. Mal ein Genuss. Herr Branagh hat es eben drauf! Den würde ich mir auch gern mal im Theater ansehen. Das Borkumer Kino ist an Charme kaum zu überbieten. Zwei ältere Herren, denen ich zutraue, das sie allein über das Programm bestimmen, sind Gastgeber und übernehmen alle Rollen, die es zu besetzen gibt. Einmal früh am Tag wird die Popkornmaschine angeworfen, am Abend hat das Popkorn dann, sicher auch durch das Klima, der Kinosaal beherbergt multiple Veranstaltungen und ist nicht klimatisiert, ein wenig an Frische eingebüßt. Aber es wurde mit Hingabe eingefüllt und nur das zählt. Gern wieder in 2019.

Egelieschmarn

Inselzeit 10.14.2018

Trotz der unheimlichen Bedrohung der Datenkrallen – niemand hat darum gebeten, den Blog einzustellen oder den Inhalt zu neutralisieren. Heute deshalb nicht ganz direkte und verblümte Charakterisierungen. Mal sehen, wer sich wiedererkennt.

1.

Er bewegt sich leichtfüßig, nahezu lautlos. Er ist plötzlich einfach da oder einfach weg. Selbst wenn er da ist und für sich, ist er trotz möglicher Nahrungsaufnahme kaum wahrzunehmen. Er verschmilzt mit jeder Sitzgelegenheit wie ein Chamäleon, dabei mit einer Gelenkigkeit, die einen passionierten Yogi neidisch werden lässt. Grundsätzlich kein Mann vieler Worte. Es bedarf eines Themas, dass seine Begeisterung hervorruft, damit aus wohldosierten, oft von Ironie oder Sarkasmus gefärbten Beiträgen ein Redeschwall von mehr als 100 Worten wird. Aus denen ist dann aber klar zu entnehmen, dass ihm die Sache am Herzen liegt. Faszinierend.

2.

Trotz seiner fast Gegensätzlichkeit zur Nr.1 ist er dieser dennoch sehr zugewandt. Diese Auffälligkeit ist auch charakterisierend. Auf der einen Seite repräsentiert er das Ruhige und Gleichmäßige der Gruppe. Jede Tätigkeit hat ihre Tageszeit. Hektische Entscheidungen oder Aktivitäten sind ihm fremd. Digitale Zerstreuung am Morgen und Abend, vorzugsweise in liegender Position. Analoges Gehirntraining verteilt über den Rest des Tages mit Stift und Papier. Auf der anderen Seite schränkt diese kaphaesque Lebensauffassung seinen Lebensradius aber in keiner Weise ein. Er ist stets offen gegenüber der Selbstreflexion und reagiert, auch wenn es unbequem ist, sofort: „Morgen bringe ich das Leergut weg.“ Außerdem weiß er um die glückssteigernde Wirkung einer gemäßigten (Achtung Radarfalle!) Radtour, wie er sie jeden Morgen antritt.

3.

Ganz anders als Nr.2 täte Ihr Gehirntraining ganz gut. Muss sie sich doch immer alles notieren, Pläne und Listen niederschreiben. Das Geregelte ist ohnehin sehr wichtig. Der Koffer ist kaum ausgepackt, da läuft in Gedanken bereits die erste Waschmaschine. Ihr Tagesablauf ist geprägt von aus ihrer Sicht notwendigen Tätigkeiten, an die sie sich sehr ungern von automatischen akustischen Signalen erinnern lässt. Aktivitäten können sie nur locken, wenn sie einen kulturellen, bildenden Aspekt haben. Dann kennt die Begeisterung aber kaum Grenzen.

4.

Er vereint so einiges an bereits genanntem. Stets ausgleichend ruhig wie allzeit aktiv. Das analoge Gehirntraining kann auch in brettspielgeselliger Runde erfüllend sein. Auch abseits sitzender Aktivitäten muss man ihn nicht zweimal bitten, dabei zu sein. Die anpackende Mentalität ist im Notwendigkeitssektor (vgl. Haushalt) ebenso zu beobachten wie auch im Freizeitsektor. Durch letzteres konnte ihm bereits mehrfach der Titel „Held des Tages“ verliehen werden.

5.

Mit zwei langen, sehr sportlichen Beinen gesegnet, ist sie aber auf vier Beinen erst wirklich glücklich. Darüber hinaus kennzeichnet sie eine bemerkenswerte Tierliebe, die sich auch auf Kriechtiere und Insekten erstreckt. Anders als auf ihre gleichaltrigen Gefährten übt die digitale Welt auf sie keinen nennenswerten Reiz aus. Sie legt ihren Schwerpunkt auf die Familie und versucht zu jeder Zeit ganz selbstlos, die Gruppe zusammenzuhalten und für gemeinsame Aktivitäten zu gewinnen.

6.

Sie repräsentiert die im klassischen Sinne schönen Künste. Von je her entstammen ihren Händen Werke von hoher Qualität. Auch ist sie der Literatur zugewandt und hat dadurch schon vor ihrer Zeit Geschichten lauschen können, als diese anderen noch schlaflose Nächte bescherten. Gleichzeitig hatte sie empfindsame Augen und selbst 70er Jahre Zeichentrickserien aus der Welt der Fauna waren zu brutal. Das ist inzwischen überwunden, sehr zur Freude ihrer Eltern ist es von schonungsloser Dystopiedarstellung nur noch ein kleiner Schritt zu allem, was man aus Hamburger Sicht gesehen haben sollte.

7.

Sie hat die Fähigkeit, das optimale Verhältnis zwischen eigener Erholung und dem Wohlbefinden der Gruppe auszuloten und auszunutzen. Wie spannend das Buch auch gerade ist, für ein Sandeis oder ein versprochenes Spiel kann sie der literarischen Welt ohne Umschweife entfliehen, voll dabei sein und anschließend wieder einen Mörder jagen. Nach eigener Aussage sind die Begleiterscheinungen ihrer Erwerbstätigkeit verantwortlich für den ganzjährigen Urlaubsteint, der sich von allen anderen abhebt. Andere Quellen vermuten, dass es am südlichsten Geburtsort liegt.

Der heutige Rebus:

Ist schwieriger als angenommen, zumal das Ergebnis noch keine Begeisterung ausgelöst hat: „Gibt es nichts leckeres?“

Dazu werden noch Fleischpflanzerl gereicht, um es genießbar zu machen.

Das Frühstück heute wieder gegen 10 Uhr, wobei erst sehr spät Leben in die untere Etage kam. Danach fand ob der späten Stunde ein nahezu fluchtartiger Aufbruch der Vier statt, um noch die verbleibenden 15 Minuten vor der Mittagspausenschließung zu nutzen. Die Drei lasen noch die Zeitung, kauften ein und fuhren dann ins Borkumer Aquarium. Eine niedliche Stätte mit doppelt besetztem, überdimensioniertem Empfangstresen. Der geneigte Besucher hätte bei voller Sehkraft gleich von dort alle Exponate betrachten können. Es ist wirklich nicht sehr groß. Aber liebevoll gestaltet und es gibt alle Bewohner der nassen Inselregion zu sehen. Ich mag Aquarien – zu Hause oder die gebührenpflichtigen. Leider machen sie zu Hause viel Arbeit und brauchen Platz, den wir dafür nicht hergeben wollen. Sonst hätte ich gern eins. Am Liebsten mit Seepferdchen.

Nach dem Abendessen haben wir eine Runde „Krazy Wordz“ gespielt- das ist immer wieder nett.

7 Minuten vor dem Sonnenuntergang sind fünf von uns noch einmal für einen Sundowner Schrägstrich Moonupper (sieht geschrieben noch viel besser aus) zur Promenade gefahren, das war sehr schön.

Die versnobten Hamburger entschuldigen sich hiermit auch in aller Form für jedwede diskriminierende Äußerung hinsichtlich der Kleiderauswahl anderer Gruppenmitglieder. Wir werden schon noch andere Merkmale finden, um die Gruppe positiv von der Außenwelt abzugrenzen. Wenn wir Herrn Bezos unterstützen können, dann auch Herrn Bohlen.

piecemeal improvement

Inselzeit 9.14.2018

Das Grundrauschen unseres Urlaubs steht im Zeichen der Palmölvermeidung. Palmöl ist böse und soll nicht mehr durch Produktkauf unterstützt werden.

Passend dazu fand gestern eine Jugenddemo in den USA statt, ein Klimaschutzmarsch namens „Zero Hour“, denn wenn die heutige Jugend am Hebel sitzt, ist es bereits zu spät. So der durchaus aufrüttelnde Tenor.

Bei uns ist Palmöl als Unheilsbringer schon längst verankert. Und ich glaube auch daran, dass ein massenhafter Boykott dazu führen kann, dass das Zeug weniger Verwendung findet. Allein den Aufdruck „ohne Palmöl“, der eine gute Tat suggeriert, werte ich als Erfolg – eben stückchenweise.

Leider lasse ich aber an vielen Stellen unbedacht diesen weltverbessernden Ansatz außer Acht.

Im Strandbüdchen werden Schokoladencookies verkauft. Als unser Abkömmling stolz und glücklich, aber gedankenlos damit zum Strandkorb kam, erntete sie nur ein:“Da ist doch bestimmt Palmöl drin!!!!!“

Weiterhin hat mich am nächsten Tag ein ähnlich entsetzter Kommentar angefahren. Das Einhorn sei ein gigantisches, kaum wiedergutzumachendes Verbrechen. Stimmt leider, auch wenn es so süß ist. Dafür könne man glatt 30 verseuchte Cookies essen oder gar nach Juist fliegen, denn die Schiffstour dauert über eine Stunde und der seit Jahren geplante Ausflug dorthin wurde wieder verworfen.

Alles Stück für Stück.

Frühstück heute normal – gegen 10 Uhr. Direkt danach: Abhängen, Joggen und mittags Aufbruch zu verschiedenen Zielen. Die Mädchen spielen ohne mich eine Runde Minigolf, weil der vorgelagerte kurze Vortrag über die Rechte und Pflichten einer Mutter sehr überzeugend war. In Wirklichkeit war es nicht mehr als die Benennung einer Tatsache, die durch ihre klare Botschaft aber direkt ins Herz traf und den gewünschten Erfolg hatte. Mutter und Tochter also auf zur Driving Range. Vater und Sohn auf direktem Weg zum Strand. Vater und Tochter drehen erst noch eine Runde mit dem Rad und fahren dann zum Strand. Ich hänge Wäsche auf und mache ein Nickerchen. Die Wäsche sei erwähnt, weil ich heute zu Hause bleibe, um meiner Gesichtshaut eine Pause zu gönnen (Sonnenbrand trotz Creme) und die Erkältung zu kurieren.

Die Väter planen heute noch einen Saunabesuch. Und der Rest bereitet das Sonntagsessen. Ich weiß leider noch nicht genau, was es gibt. Bisher konnte ich nur Rückschlüsse aus dem Kühlschrankinhalt ziehen. Hoffentlich Möhren: Darauf habe ich direkt Lust und davon haben wir bestimmt 2 Kilogramm vorrätig.

Es ist raus:

Lecker, lecker!

Es gab prima Bio-Hühnchen und wir haben alles aufgegessen! Morgen dafür schönes Wetter und reines Gewissen!

Heute kein Spiel mehr mit den Erwachsenen, die gucken „Circle“. Oder heißt es: „The circle „? So wie NICHT in „Number four with a smile “ von Summerset Drive. Ich hatte schon am Nachmittag zwei Runden MEDN gespielt. Alles gegeben.

The Circle war zumindest ein Gesprächseröffner. Die Kinder sind sich der ganzen Problematik der bedingungslosen Transparenz bewusst. Ob sie nachhaltig etwas mehr hinterfragen, oder ihr Verhalten ändern? Ich fürchte nein. Es gibt leider auch kaum ein Entrinnen.

Ich muss leider schreiben, dass die mäßigen Kritiken zum Film ihre Berechtigung haben. Die Umsetzung ist mittelmäßig. Und Frau Watson hat m.E. sehr mäßig geschauspielert. Da hatte ich etwas mehr erwartet.