Inselzeit 14.14.2018
Letzter Tag! Heute ist es an der Zeit für ein Resümee und darüber nachzudenken, wie es weitergeht.
In der Süddeutschen gab es kürzlich eine 10-Punkte Liste über die Wagner-Festspiele, wie gewohnt bissig und witzig. Ich will mal sehen, ob ich etwas ähnliches schaffen kann unter dem Tenor: Warum wir Borkum so mögen.
1. Wind
Auf Borkum weht zumeist ein leichter Wind. Zum Leidwesen der Surfer und Kiter weht er zumindest während unserer Aufenthalte nicht übermäßig. Vielleicht ist im Juli und August aber auch keine Hochsaison für diesen Sport. Ja, bei Radtouren kann er, von vorn kommend, auf dem Deich schon ein Hindernis sein, aber grundsätzlich erfüllt er den Zweck der Abkühlung und macht den sonnigen Strandtag erträglich. Das Wetter insgesamt war 2018 hervorragend. Noch nie hatten wir 0% Regen. Mir persönlich war es in Summe zu warm. Aber auch was das betrifft, war es hier auf der Insel sicher weitaus angenehmer als auf dem Festland.
2. Das Dohlennest
Dieses Haus vereint so vieles, woran sich seit 2012 alle anderen Ferienunterkünfte messen müssen: Viel Platz, mehrere Fernsehgeräte, die wir in diesem Jahr gar nicht genutzt haben. Mit dem Alter aller Mitreisenden verändern sich eben auch unsere Entertainmentansprüche, beinahe wären sogar zwei Generationen zusammen ins Kino gegangen. Die Küchenausstattung ist sehr gut, es bietet sich eine der Bettenzahl angemessene Zahl von Tellern, Gläsern und Töpfen. Die zwei Badezimmer bieten ausreichenden Komfort, die Rentnerdusche im Erdgeschoss verdient gar die Bezeichnung luxuriös.
3. Strand
Der Hauptstrand auf Borkum ist riesig, schön hellsandig, bestuhlt und touristisch voll erschlossen. Nicht zuletzt durch den Einfluss von Ebbe und Flut verändert sich der Weitblick jeden Tag. Der Strand ist gut besucht, aber so groß, dass es nie zu eng wird. Auch an den zahlreichen Büdchen muss man nicht allzu lang schlangestehen. Zum Strand gehören unweigerlich das Trampolin und der Strandkorb, die sollen hier nicht vergessen werden. Durch die mediterranen Temperaturen in diesem Jahr aber wurde eine noch größere Kluft zwischen uns getrieben. Während die Hamburger angesichts des Wetters in die Knie gehen und nur kurze Strandeinheiten vertrugen (der kühlespendende Schatten im Korb reicht nur für eine Person), scheint die Hitze die ohnehin Aktiveren kaum zu bremsen. Ihre Einheiten sind deutlich zahlreicher und länger.
4. Eis
Es gibt hier eine Konditoreisbude, die auch immer ein besonderes Eis des Tages anbietet. Manchmal ist das super, manchmal uninteressant. Espresso zum Beispiel war so unbeliebt, dass auch am nächsten Tag noch genug in der Auslage war. Wir haben auch das Eis beim Konkurrenten Il Faro getestet: Andere Liga, aber genießbar. Vielleicht lag es auch am Wagemut, ich hatte Waldmeister und Coca Cola. Beim Konditor jedenfalls gibt es auch „Wackel-Frozen“. Eine mutige Mischung aus Waldmeistergötterspeise, Frozen Joghurt und Himbeersauce. Wer es mag, wird begeistert sein!
5. Bücher
Wir bringen Bücher mit, aber der örtliche Buchladen verdient an uns trotzdem. Er ist sehr gut sortiert, das Krimiregal ist 6 Meter breit. Und wird jede Woche aufgefüllt. In der ersten Woche noch nicht verfügbar, ist ein Buch in der zweiten Woche vielleicht wieder/schon/endlich da. Das Personal ist schrullig und gepaart mit dem rheinländischen Frohsinn, der dort noch ein- und ausgeht, gleicht der Bummel einem Happening, auf jeden Fall eine Fundgrube für Satiriker, woll!
6. Fahrräder
In 2018 wieder für volle 2 Wochen geliehen. Jeden Weg bestreiten wir mit den Rädern. Mal zum Spaß, wenn der Weg das Ziel ist und mal, um von A nach B zu kommen. Manche Räder sind cooler als andere. Die cooleren sind teurer und haben kein Lichtanlage. Da die Hamburger in der Heimat nicht mit dem Rad unterwegs sind, halte ich sie für erwähnenswert. Die anderen scheinen wenigstens die Chance zu nutzen, mal einen anderen Radtyp zu fahren.
7. WLAN
Das Netz hier im Haus ist vorhanden, hat aber seine Schwächen. Für Amazon TV und Hay Day reicht es nicht. Zu viele Geräte im Zugriff sind auch ein Problem. Wir haben den Zustand dennoch friedlich überstanden. Oder die Geräte haben, wenn möglich, auf mobile Unterstützung zurückgegriffen. Wer weiß. Ein grundsätzlicher Zugang zur weiten Welt ist aber nach wie vor unbedingt erforderlich. Die Liste dessen, was von hier aus zumindest in Warenkörbe gelegt wurde, ist nicht so kurz wie man meinen könnte. Und ich habe noch nicht einmal etwas dazu beigetragen.
8. Bosch
Wie sein US-Amerikanischer Namensvetter Hieronymus ist er im Dauereinsatz seit mindestens 7 Jahren. Vielleicht wird er mal ersetzt werden müssen. Wenn jeder Gast ihn so beansprucht wie wir, kann er es nicht mehr lange durchhalten. Sein Bruder, der Trockner, zeigt bereits erste Alterserscheinungen. Aber auch in 2018 war er ein treuer Begleiter während unseres Aufenthaltes.
9. Menüabfolge
Aus Hamburger Sicht eine Angelegenheit, die sorgfältige Planung und Vorbereitung erfordert. Das Grundgerüst steht bereits 6 Wochen vor Abfahrt, damit noch genug Zeit bleibt für die graphische Umsetzung. Der Glückstädter Style ist wie zu erwarten eher von spontaner Natur und aus der Lamäng. Es werden am Tag (allerdings eingeführte und mit Fähnchen markierte) Hefte durchblättert, um Inspiration zu bekommen und dann wird das Bilderrätsel per Hand gezeichnet. Immerhin handelt es sich in beiden Fällen um Teamarbeit.
10. Biomaris, Nuxe, Superdry
Wir shoppen doch so viel. In jedem Jahr gibt es eine Marke, die wir entdecken oder vertiefen. Biomaris gehört inzwischen zu den Klassikern. Jonathan immer wieder. Nuxe pflegt uns seit dem letzten Jahr zart und weich. Superdry war zumindest für eine Teilmenge eine Neuentdeckung, weil diese Textilwaren in der Heimat nicht überall erhältlich sind. Anders als bei Wein, den man im Urlaub liebt und der zu Hause an sich zweifeln lässt, hüten wir unsere Urlaubskäufe sorgsam und haben noch lange Spaß daran.
Was den Blog betrifft (bedenke 16 Blog(ck)s gleich 1 Chunk), muss ich schreiben: Für einen täglichen Beitrag wird es im Alltag nicht reichen. Schon mit genug Zeit mangelte es im Urlaub an Ideen. Und die Beiträge sollen schließlich alle erheitern, aufklären oder kritisieren. Für einen täglichen Lacher jedenfalls reichen meine Gehässigkeit oder meine eigene Schrulligkeit nicht aus. Ja klar, das sieht mindestens einer anders, aber die Anekdoten müssen doch auch noch ansprechend formuliert werden und dafür brauche ich einen frischen Geist.
Der Freitag im Einzelnen
Beginnt wie jeder Urlaubstag für die untere Etage gegen 07:30 Uhr, was spät ist. Dann kurz eine Einheit spielen und dann Brötchen holen, ein letztes Mal. Ich räume den Geschirrspüler aus, weil er gestern Abend noch zu warm war. Stelle den Wäscheständer raus, an dem hier eigentlich nur schöne sommerliche Stücke hingen. Alltag in Borkum 2018.
Der Trockner hat den Dienst quittiert! Nach einer Filtereinigung ging er wieder, welch ein Glück. Denn ich muss den roten Koffer doch gleich packen und wieder auf den Weg schicken. Und da sollen nur frisch gewaschene Sachen rein.
Nach einer Wasserschlacht:

wurde Willy noch der Garaus gemacht. (Luft abgelassen – Willy reist auch wieder in rot.)
Der Rest fährt an den Strand. Ich verspüre wenig Neid. Den Koffer wegzurollen und einzukaufen reicht mir.
Wieder im Haus, habe ich gleich mal das Essen vorbereitet, denn die Kühlkette war definitiv unterbrochen. Ich musste wegen des Koffers schließlich zu Fuß gehen und das dauert etwas länger. Also schon mal was vorkochen, ist ja auch wieder schön warm.
Ach ja, das letzte Rätsel:

Eine Wiederholung, aber heute andere Köche.
So, 16:45 Uhr, alle sind zurück und duschen. Gleich noch die Räder und das Einwegleergut wegbringen, dann kochen, essen und wieder entspannen.
Ich freu mich auf den letzten Abend. Auch wenn es der letzte ist. Hoffentlich kommen wir Morgen ohne hitzebedingte Schwierigkeiten bei der Bahn schnell nach Hause. Und freie Autobahnen und eine funktionierende Klimaanlage wären auch nicht schlecht.
Ich hab Euch alle lieb💋
Horrido!